Wege zur Energiewende: das Energiesystem fit für die Zukunft machen
Themenspecial der LBBW: Klimaneutralität bis 2045, Versorgungssicherheit, stabile Energiepreise – das sind die Ziele der Energiewende. Wie erreichen wir sie?
Deutschland will mit seiner Energiewende das heimische Energiesystem bis 2045 klimaneutral machen. Zur Definition der Energiewende gehört aber noch mehr, verfolgt sie doch zwei weitere zentrale Ziele: Zum einen soll sie gewährleisten, dass die Versorgungssicherheit langfristig auf dem hohen Niveau der vergangenen Jahre bleibt. Zum anderen zielt sie darauf, die Energiepreise für Haushalte wie Unternehmen niedrig zu halten. Wie wichtig die Versorgungskosten sind, zeigt die gegenwärtige Lage der heimischen Industrie: Viele Unternehmen leiden unter den hohen Energiepreisen – ein großer Nachteil im globalen Wettbewerb.
Bei der Stromversorgung ist die Energiewende schon recht weit fortgeschritten. Gut 55 Prozent des Stroms stammen heute bereits aus erneuerbaren Quellen. Auf anderen Feldern kommt die Energiewende dagegen nur langsam voran. So dominieren bei der Wärmeversorgung von Gebäuden und Industrieanlagen nach wie vor fossile Brennstoffe und Technologien. Ähnlich sieht es im Verkehr aus, trotz steigender Verkaufszahlen bei Elektroautos.
Energiewende in Deutschland als gesellschaftliche Aufgabe
Damit der Wandel von „fossil“ zu „erneuerbar“ gelingt, ist es notwendig, die Energieversorgung grundlegend umzugestalten – die Märkte genauso wie den gesetzlichen Rahmen. Kohlekraftwerke durch Windräder und Solaranlagen zu ersetzen, Gasheizungen durch Wärmepumpen, Benzinmotoren durch Elektroantriebe und fossile Brennstoffe durch grünen Wasserstoff: All das setzt voraus, dass klimafreundliches Handeln belohnt wird. Die europäische wie die nationale Politik haben dafür bereits gute Grundlagen geschaffen.
Darüber hinaus ist die Energiewende eine gesellschaftliche Aufgabe. Sie verlangt die Unterstützung und Mitarbeit der Bürgerinnen und Bürger – durch ihre Investitionen, durch ihr Konsumverhalten oder auch dadurch, dass sie die Veränderungen im Landschaftsbild akzeptieren, die der Bau von Windparks, Solarkraftwerken und Stromleitungen unweigerlich verursacht.
Energiewende schafft Versorgungs- und Kostensicherheit
Die vergangene Gaskrise hat schmerzhaft gezeigt, wie gefährlich die Abhängigkeit von fossilen Energien für Deutschland ist. Der Stopp russischer Direktimporte ließ die Gas- und in der Folge auch die Strompreise massiv steigen – eine erhebliche Belastung für Haushalte und Unternehmen. Kurzzeitig drohten gar Versorgungsengpässe. Solche Notlagen werden mit dem Fortschreiten der Energiewende immer unwahrscheinlicher. Wind- und Solarenergie schützen vor geopolitischen Erpressungen und Preisexplosionen auf den globalen Energiemärkten. Das schafft Versorgungs- und Kostensicherheit für alle Verbraucher.
EU treibt europäische Energiewende voran
Deutschland gehört zu den ersten Ländern, die der Energiewende zentrale Bedeutung gegeben haben. Mittlerweile arbeiten jedoch zahlreiche Staaten weltweit an eigenen Wegen zur Energiewende. Schließlich verlangen die im Abkommen von Paris vereinbarten Klimaziele, bis Mitte des Jahrhunderts weitestgehend ohne fossile Energien auszukommen. Dabei unterscheiden sich die Definitionen von Energiewende mitunter sehr, etwa was die Rolle der Kernkraft betrifft.
Auch die Europäische Union (EU) treibt den Umbau der Energiesysteme in ihren Mitgliedsstaaten mit Hochdruck voran. So setzt der von der EU-Kommission initiierte European Green Deal zahlreiche Anreize, die erneuerbaren Energien auszubauen und die Energieeffizienz zu verbessern. Dazu gehört allen voran der reformierte CO₂-Zertifikatehandel.
Schaufenster für die deutsche Wirtschaft
Die heimische Wirtschaft hat längst erkannt, welch große Chancen die Transformation des deutschen Energiesystems für Unternehmen eröffnet: Sie schafft Nachfrage im Inland – und dient damit zugleich als Schaufenster für innovative, klimagerechte Technologien und Lösungen „Made in Germany“. Denn schließlich bietet die globale Energiewende den Unternehmen hervorragende Exportchancen.
Darüber hinaus sichert der Umbau des deutschen Energiesystems den heimischen Unternehmen langfristig internationale Wettbewerbsfähigkeit. Der Ausbau der erneuerbaren Energien dämpft die Energiepreisentwicklung, allen voran auf dem Strommarkt. Und nicht zu vergessen: Die Energiewende macht die deutsche Wirtschaft resilienter, weil sie die Abhängigkeit von Importen fossiler Energieträger reduziert. Mit all dem stärkt sie den Standort Deutschland nachhaltig.
Zwischen Markt und Regulierung: Energiewende (mit Dr. Robert Habeck)
In dieser Folge sprechen Dr. Berndt Fernow und Nachhaltigkeitsexpertin Sabrina Kremer mit Dr. Robert Habeck über die Energiewende zwischen Markt und Regulierung. Thema sind die Folgen der CO₂-Bepreisung für Unternehmen, Investitionsentscheidungen im Transformationsdruck und Chancen durch Smart Grids, Batterie-Recycling und Wasserstoff. Zudem im Fokus: Europas Rolle bei Netzen, Standards und Versorgungssicherheit, die Balance von nationalen und EU-Entscheidungen – und wie Politik Mehrheiten organisiert, damit Wirtschaft und Gesellschaft den Wandel mitgehen.