20.02.2026
Energiewende elektrisch: mehr Strom aus erneuerbaren Energien
Das Tempo beim Ausbau erneuerbarer Energien ist hoch. Doch wie integriert man Sonne und Wind sinnvoll in den Strommix?
Deutschland hat sich beim Ausbau der erneuerbaren Energien ehrgeizige Ziele gesetzt: Bis 2030 soll der Anteil der erneuerbaren Energiequellen im deutschen Strommix bei mindestens 80 % liegen. Derzeit kommen Wind, Solar, Biomasse und Wasserkraft auf gut 55 %.
Anteil der Energiequellen am Strommix 2025
in Prozent
Anteil der Energiequellen am Strommix Prognose 2030
in Prozent
Das im Erneuerbare-Energien-Gesetz festgeschriebene Ziel verlangt, deutlich mehr Fotovoltaik und Windenergie neu zu installieren als das derzeit der Fall ist. So muss die installierte Fotovoltaik-Leistung bis 2030 im Durchschnitt jährlich um fast 20 Gigawatt wachsen. In den letzten Jahren pendelte der Zubau um die 15-Gigawatt-Marke.
Bei der Windenergie an Land gilt es, bis 2030 pro Jahr im Durchschnitt knapp zehn Gigawatt Leistung zuzubauen. Hier kamen 2025 etwas weniger als die Hälfte dieser Zielmarke hinzu, in den beiden Vorjahren waren es jeweils gar nur rund ein Viertel. Allerdings haben die Behörden zuletzt sehr viele Anlagen genehmigt, so dass das Ausbautempo demnächst deutlich anziehen wird.
Die Offshore-Windleistung muss laut EEG bis 2030 um durchschnittlich vier Gigawatt pro Jahr zulegen. Eine echte Herausforderung, wurden doch zwischen 2023 und 2025 nur jeweils weit weniger als ein Gigawatt neu installiert.
Das Erneuerbare-Energien-Ausbauziel für 2030 bedeutet eine hohe Schlagzahl beim Klimaschutz – und reduziert zugleich die Abhängigkeit von Importen teurer fossiler Brennstoffe. Zudem dämpft der Ausbau der erneuerbaren Energien die Preise an der Strombörse. Davon profitieren alle Verbraucher.
Strom aus regenerativen Energiequellen auch ohne öffentliche Förderung
Seit mehr als 25 Jahren gibt das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) starke Anreize für den Bau von Grünstromanlagen. Das Gesetz garantiert den Betreibern für den Strom, den sie ins Netz einspeisen, eine feste Vergütung. Finanziert wird sie über den Klima- und Transformationsfonds des Bundes. Die Festvergütung schafft Sicherheit, ein wichtiger Faktor für Investitionen.
Mit sinkenden Anlagenkosten hat sich in den vergangenen Jahren zudem ein Vermarktungsmodell etabliert, das ohne Förderung auskommt: Power Purchase Agreements, kurz PPAs – Direktlieferverträge zwischen einem Erzeuger und einem Großverbraucher von Wind- oder Solarstrom. PPAs ermöglichen Unternehmen, grünen Strom zu langfristig fixen Preisen zu beziehen. Das schützt sie vor Turbulenzen an der Strombörse.
Erzeugung und Verbrauch von Strom aus erneuerbaren Energien in Balance
Anders als bei Gas- oder Kohlekraftwerken lässt sich die Leistung von Windenergie- oder Photovoltaik-Anlagen nicht an den jeweiligen Bedarf anpassen – wie viel Strom sie produzieren, hängt allein von Windstärke und Sonneneinstrahlung ab. Weil aber im Stromsystem Erzeugung und Verbrauch stets im Gleichgewicht sein müssen, braucht es Instrumente, mit denen sich die Balance wahren lässt. Dazu zählen etwa Speicher, Batterien genauso wie große Pumpspeicher-Kraftwerke. Wird mehr Strom erzeugt als benötigt oder als die Netze gerade aufnehmen können, lässt sich die Energie in Form von Wärme speichern, etwa in einem Wasserspeicher in einem Fernwärmenetz.
Ein anderer Hebel liegt darin, Anreize zu setzen, Strom gezielt dann zu verbrauchen, wenn viel davon verfügbar ist – und umgekehrt bei Engpässen den Bezug zu drosseln. Für Industriebetriebe ist dieses Modell bereits etabliert. Dynamische Stromtarife geben auch Haushalten einen finanziellen Anreiz, ihren Verbrauch entsprechend auszurichten.
Zudem sind auch künftig Gaskraftwerke unverzichtbar, die schnell in die Bresche springen können, wenn Windräder und Solaranlagen schwächeln. Werden sie mit grünem Wasserstoff betrieben, sind sie klimaneutral – der Strommix in Deutschland profitiert auch davon. Die Bundesregierung will mit ihrer neuen Kraftwerksstrategie nun dafür sorgen, dass in den nächsten Jahren ausreichend viele neue Gaskraftwerke gebaut werden, die etwaige Lücken in der Erzeugung füllen können.
Ebenso trägt der Stromnetzausbau dazu bei, Erzeugung und Verbrauch in Einklang zu bringen: Die neuen Leitungen bringen Strom aus regenerativen Energiequellen vom Norden und Osten in den Süden, wo viele Industriebetriebe angesiedelt sind.
Erwartete Leistung von Wind- und Solaranlagen 2030
in Gigawatt
Netzanschluss als das Nadelöhr der Energiewende
Die größte Hürde für die vorgesehene Steigerung des Anteils von Strom aus erneuerbaren Energien im Strommix in Deutschland ist die Kapazität der Stromnetze. Mancherorts sind bereits so viele Windräder und Fotovoltaik-Anlagen installiert, dass die lokalen Leitungen den Strom an windigen oder sonnigen Tagen nicht aufnehmen können. Das macht den Netzanschluss neuer Anlagen zum Nadelöhr der Energiewende. . Die Bundesregierung will nun mit Gesetzen und anderen Maßnahmen dafür sorgen, dass Windräder und Fotovoltaik-Anlagen vermehrt dort installiert werden, wo die regionalen Netze noch ausreichend Kapazitäten haben.
Ein weiteres Hindernis ist die Verfügbarkeit von Flächen, auf denen die Anlagen entstehen können. Immer wieder scheitern Vorhaben, weil Behörden oder Gerichte ihr Veto einlegen. Viele Konflikte haben ihre Ursache darin, dass die Vorhaben keine Akzeptanz bei den Anwohnern finden. Dem soll eine Beteiligung der Kommunen an den Gewinnen der Betreiber entgegenwirken. So schreiben einige Bundesländer etwa vor, dass die Betreiber pro erzeugte Kilowattstunde Strom eine Pflicht-Abgabe an die jeweilige Kommune zahlen müssen.
Wege zur Energiewende: fit für die Zukunft!
Themenspecial der LBBW: Klimaneutralität, Versorgungssicherheit, stabile Energiepreise: das sind die Ziele der Energiewende. Wie erreichen wir sie?