26.02.2026

Verkehrswende mit Strom und Wasserstoff sowie mit Bus und Bahn

Technologisch steht der Verkehrswende nichts im Weg: Es gibt viele Ansätze für eine klimagerechte, nachhaltige Mobilität.

Elektroauto wird aufgeladen
Elektroauto wird aufgeladen

Der Verkehr gilt als das Stiefkind beim Klimaschutz: Die Treibhausgasemissionen sind hier seit 1990 um gerade einmal elf Prozent gesunken. „Vom Klimaziel für 2030 ist der Verkehr noch weit entfernt. So weit, dass es enormer Anstrengungen bedarf, das Ziel zu erreichen“, sagt Frank Biller, Automobilanalyst der LBBW.

Höchste Zeit also für eine umfassende Verkehrswende! Drei Wege stehen für die nachhaltige Mobilität zur Verfügung: erstens der Einsatz von Elektromotoren, zweitens CO2-neutrale Kraftstoffe wie grüner Wasserstoff oder E-Fuels sowie drittens die Stärkung des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs.

Strom und Wasserstoff für nachhaltige Mobilität

Elektromotoren sind sehr effizient: Anders als bei Verbrennungsmotoren geht beim Betrieb kaum Energie als Abwärme verloren. Stammt der eingesetzte Strom aus erneuerbaren Quellen, sind Elektrofahrzeuge klimaneutral unterwegs. Deshalb plädieren viele Experten dafür, bei der Verkehrswende wo immer möglich auf Elektroantriebe zu setzen. Wobei aber nicht vergessen werden sollte, dass bei der Fertigung der Batterie heute noch sehr viele CO₂-Emissionen entstehen.

Frank Biller, Automobilanalyst der LBBW

Vom Klimaziel für 2030 ist der Verkehr noch weit entfernt.

Frank Biller, Automobilanalyst der LBBW

Die Fahrzeughersteller bieten mittlerweile eine recht große Auswahl an PKW und Transportern mit Elektromotor. In den nächsten Jahren soll die Modellpalette noch stark wachsen. Die Zulassungszahlen der E-Autos sind zuletzt deutlich gestiegen – und legen weiter kräftig zu, weil der Bund seit Anfang 2026 eine attraktive Förderung gewährt. Auch Busse mit Elektromotor und Batterie setzen sich zumindest im Stadtverkehr mehr und mehr durch.

Jährliche Neuzulassungen von batterieelektrischen PKW und Plug-In-Hybriden

Quelle: Kraftfahrt-Bundesamt, Flensburg

Bei größeren LKW fahren die Hersteller dagegen noch mit angezogener Handbremse – die Serienfertigung hat gerade erst begonnen. Doch sie dürfte sich schnell verbreiten: „Spätestens 2030 sind elektrische Nutzfahrzeuge je gefahrenen Kilometer günstiger als solche mit Verbrennungsmotoren“, sagt LBBW-Experte Biller voraus.

Bei auf langen Strecken eingesetzten LKW und Bussen könnten Brennstoffzellen perspektivisch eine Alternative zur Batterie werden: Sie erzeugen während der Fahrt aus mitgeführtem Wasserstoff Strom für den Elektromotor. Wegen des hohen Energiegehalts des Wasserstoffs bieten Brennstoffzellenfahrzeuge große Reichweiten. Allerdings gibt es 2026 in Deutschland nur circa 50 Wasserstoff-Tankstellen mit aktuell sinkender Tendenz wohingegen rund 190.000 E-Ladesäulen und gut 14.000 Tankstellen eine andere Versorgung garantieren Auch ist bislang kaum grüner, klimaneutraler Wasserstoff verfügbar. Und nicht zuletzt ist das Angebot bei Wasserstofffahrzeugen noch äußerst überschaubar.

E-Fuels und Grüngas ersetzen Benzin, Diesel, Kerosin und LNG

Wasserstoff kann jedoch noch mehr: Er lässt sich auch nutzen, um klimaneutrale, synthetische Kraftstoffe wie E-Fuels oder Grüngas zu produzieren. Sie sind chemisch weitgehend identisch mit Benzin, Diesel, Kerosin oder LNG. Das hat den Charme, dass sich synthetische Kraftstoffe in allen herkömmlichen Verbrennungsmotoren einsetzen lassen – also auch in denen, die bereits im Einsatz sind. Mit E-Fuels wird sogar ein Opel Manta aus den Achtzigerjahren zu einem klimaneutralen Auto!

Zudem zeichnen sich die synthetischen Kraftstoffe durch ihren hohen Energiegehalt aus. Damit sind sie unverzichtbar für einen klimaschonenden Flug- und Schiffsverkehr. Ein weiterer Pluspunkt von E-Fuels und Grüngas ist, dass sich dafür die bestehende Tank-, Lager- und Transportinfrastruktur konventioneller Treibstoffe nutzen lässt.

Spätestens 2030 sind elektrische Nutzfahrzeuge je gefahrenen Kilometer günstiger als solche mit Verbrennungsmotoren.

Frank Biller, Automobilanalyst der LBBW

Was nach einer Universallösung für die Verkehrswende klingt, hat jedoch einen großen Nachteil: Man braucht enorm viel Strom, um E-Fuels und EE-Gas zu produzieren. Deshalb sollten synthetische Kraftstoffe nach Meinung vieler Experten bevorzugt dort eingesetzt werden, wo Elektroantriebe technisch nicht sinnvoll oder gar möglich sind.

Verkehrswende verlangt neue Mobilitätskonzepte

Die Verkehrswende kann nur gelingen, wenn sie auch als Mobilitätswende verstanden wird. Das bedeutet vor allem, den Individualverkehr zu reduzieren – in erster Linie durch den Ausbau des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs. Ein besseres Angebot, verlässliche Fahrpläne und günstige Preise sind Voraussetzungen dafür, Autofahrer zum Umstieg in Busse und Bahnen zu bewegen.

Darüber hinaus sind neue Modelle für nachhaltige Mobilität gefordert, etwa Sharing-Angebote oder innovative Logistikkonzepte. Auch die Stadtplanung muss ihren Beitrag zur Verkehrswende leisten, beispielsweise mit der Ausweisung zusätzlicher Flächen für Radfahrer und Fußgänger.

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