07.07.2026

Ölpreise mit sehr hoher Volatilität

Halbjahresausblick 2026 | Irankrieg löst vorübergehend Öl-Hausse aus - Brent kletterte im März fast bis auf 120 USD.

Ölfässer in industrieller Umgebung unter Sonnenuntergangshimmel
Ölfässer in industrieller Umgebung unter Sonnenuntergangshimmel

Halbjahresausblick 2026 - Rohstoffe- Öl

  • Von: Dr. Frank Schallenberger, Leiter Rohstoffresearch

Der Irankrieg hat ab Ende Februar zu einer kräftigen Hausse bei den Ölpreisen geführt. Die Sperrung der Straße von Hormus löste erhebliche Störungen beim Ölangebot aus. Entsprechend kletterte der Preis für Brent innerhalb weniger Wochen um rund 50 USD auf den höchsten Stand seit Mitte 2022. Mit der Annäherung der Kriegsparteien und der Hoffnung auf eine baldige Normalisierung des Ölhandels fiel der Preis im Juni aber ebenso schnell wieder zurück (Abb. 19).

Abb. 19: Irankrieg löst vorübergehend Öl-Hausse aus

Abb. 19: Irankrieg löst vorübergehend Öl-Hausse aus
Quelle: LSEG, LBBW Research

Hohes Angebotsdefizit im zweiten Quartal

Von Ende Februar bis Ende Mai brach das Ölangebot um rund 13,5 Mio. Barrel pro Tag (mbpd) ein. Obwohl durch die Straße von Hormus in der Regel rund 20 mbpd Öl und Ölprodukte transportiert werden, setzten einige Effekte ein, die den Angebotsausfall begrenzten. So gingen einige Golfanrainer dazu über, alternative Routen für den Export zu nutzen. Zudem stiegen die Ölexporte aus Ländern wie den USA, Kasachstan, Russland oder Brasilien. Und schließlich hat die Freigabe strategischer Reserven (400 mb) durch die IEA-Mitgliedstaaten im März die Lage am Ölmarkt etwas entspannt. Unter dem Strich dürfte das Ölangebot im zweiten Quartal bei etwa 94,5 mbpd gelegen haben. Allerdings ist auch die Ölnachfrage seit Kriegsausbruch deutlich gesunken. Im zweiten Quartal 2026 dürfte der Ölverbrauch gegenüber 2025 um rund 5 mbpd auf knapp 99 mbpd gefallen sein. Damit ergibt sich für das zweite Quartal ein Angebotsdefizit am Ölmarkt von gut 4 mbpd.

Ausblick: Angebotsüberschuss ab dem vierten Quartal

Die Ölnachfrage wird 2026 infolge der Einsparmaßnahmen im Zuge des Irankriegs sowie der schwachen Weltkonjunktur gegenüber dem Vorjahr voraussichtlich um durchschnittlich 0,9 mbpd auf etwa 103,5 mbpd fallen. Das Angebot wird aber wegen der mehrmonatigen Sperrung der Straße von Hormus um fast 4 mbpd auf gut 102 mbpd sinken. Im zweiten Halbjahr 2026 dürfte sich die Ölnachfrage wieder erholen und gegenüber dem ersten Halbjahr um rund 4 mbpd steigen. Das Angebot wird aber voraussichtlich mit einem Plus von 6,5 mbpd gegenüber der ersten Jahreshälfte noch deutlich stärker zulegen. Für das Schlussquartal des Jahres 2026 rechnen wir wieder mit einem Angebotsüberschuss am Ölmarkt, der sich 2027 noch stärker ausweiten dürfte. Brent hat vor diesem Hintergrund kaum Aufwärtspotenzial. Mitte 2027 dürfte der Preis bei 70 USD/Barrel notieren.

LBBW Research Prognosen Gold und Öl

  aktuell 30.09.26 31.12.26 30.06.27
Gold (USD/Feinunze) 4.140 4.200 4.400 4.600
Öl (Brent - USD/Barrel) 72 80 75 70

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