27.03.2026

Konjunkturelle Lage in Baden-Württemberg

Baden-Württemberg steckt in einer tiefen Strukturkrise.

Stadtansicht Stuttgart Schlossplatz
Stadtansicht Stuttgart Schlossplatz

BW Quarterly Ausgabe Q1/2026

  • Die Stimmung der Wirtschaft erholt sich nicht
  • Baden-Württemberg in der Transformationskrise
  • Von: Dr. Guido Zimmermann

Während sich die konjunkturelle Stimmung in Deutschland im Februar aufgehellt hat, bleibt eine vergleichbare Entwicklung in Baden-Württemberg bislang aus. Das geht aus dem monatlichen L-Bank-ifo-Konjunkturtest hervor, mit dem die L-Bank das Geschäftsklima für die Gesamtwirtschaft Baden-Württembergs misst. Der Konjunkturtest spiegelt die Stimmung der Unternehmen in Baden-Württemberg wider. Der zugehörige Index (Abb. 1) fiel im Februar erneut. Zwar schätzen die Südwestunternehmen die aktuelle Geschäftslage etwas günstiger ein als im Vormonat. In die Zukunft blicken sie jedoch wieder pessimistischer. In der sektoralen Betrachtung zeigt sich die Eintrübung nahezu flächendeckend: Mit Ausnahme des Bauhauptgewerbes und des Einzelhandels verschlechterte sich das Geschäftsklima in allen Wirtschaftsbereichen. Weder die aktuellen Entwicklungen rund um den Iran noch die Ergebnisse der Landtagswahlen schlagen sich übrigens in den aktuellen Umfrageergebnissen nieder. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Ereignisse und Entwicklungen in den kommenden Monaten auf die Konjunkturstimmung auswirken. Vom privaten Konsum dürfte angesichts steigender Spritpreise weiterhin nur begrenzt Rückenwind für die konjunkturelle Entwicklung ausgehen.

Abb. 1: L-Bank-ifo-Geschäftsklimaindex Baden-Württemberg

Quelle: L-Bank, LBBW Research

Der L-Bank-ifo-Geschäftsklimaindex Baden-Württemberg wird monatlich auf Basis der Zahlen des ifo-Konjunkturtests und des GfK-Konjunkturklimas erstellt und umfasst sowohl eine Lage- als auch eine Erwartungskomponente.

Die L-Bank-ifo-Exporterwartungen lagen im Februar mit 6 Punkten wieder über der Nulllinie und deuten damit auf eine vorsichtige Verbesserung der Perspektiven hin.

Unsere Einschätzung für die Wirtschaftsleistung des Landes 2026 fällt vor diesem durchwachsenen Hintergrund weiter nüchtern aus. Das LBBW Research prognostiziert eine Veränderungsrate des realen BIP von 0,2 % (Deutschland 0,5 %). Damit liegt Baden-Württemberg 2026 im Mittelfeld von den zwölf betrachteten Bundesländern. Voraussetzung für eine Erholung ist, dass die Gegenwinde an Stärke abnehmen. 2027 erwarten wir für das Land ein Wachstum von 1,0 % (Deutschland: 1,0 %). Wir stufen die von uns erwartete Erholung angesichts der Vielzahl von Problemen allerdings als sehr fragil ein.

Abb. 2: LBBW-Konjunkturprognosen im Bundesländervergleich

LBBW-Konjunkturprognosen im Bundesländervergleich

Baden-Württemberg befindet sich in einer ausgewachsenen Strukturkrise, die inzwischen auch den Arbeitsmarkt negativ beeinflusst. Die Arbeitslosenquote lag im Februar zwar im Bundesländervergleich immer noch bei sehr niedrigen 4,8 %. Der Anstieg um 4,8 % im Jahresvergleich – nur Berlin hatte einen noch stärkeren Zuwachs zu verzeichnen – gibt aber Anlass zu großen Sorgen . Die Schlüsselindustrien des Bundeslandes stehen vor einem China-Schock 2.0. Der China-Schock 1.0 führte ab den Neunzigerjahren zu einer Deindustrialisierung weiter Teile der USA – mit entsprechenden Folgen für den Arbeitsmarkt und die Politik. Noch (!) sieht man in den Daten für Baden-Württemberg keine Tendenz der Deindustrialisierung. Die Gefahr besteht aber.

Baden-Württembergs Wirtschaft spielt immer noch weit vorne mit. Stuttgart ist nicht das neue Detroit . Nicht nur spielt das Land bei Patenten und F&E ganz oben mit, sondern ist im Bundesländervergleich bei den Unternehmen der digitale Vorreiter .

Die neue Landesregierung hat aber enorme Aufgaben zur Sicherung des Standorts vor sich: Sie muss

  • versuchen, die großen Herausforderungen für die Schlüsselindustrien Baden-Württembergs abzufedern
  • zusammen mit den Kommunen den Einbruch der Kommunalfinanzen managen
  • verstärkt die öffentliche Verwaltung entbürokratisieren und digitalisieren und
  • für eine bessere Bildungspolitik sorgen.

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