06.03.2026

Stuttgart ist nicht das neue Detroit

Baden-Württembergs Wirtschaft spielt immer noch weit vorne mit.

Stuttgart Hafen Baden-Württemberg
Stuttgart Hafen Baden-Württemberg

Kraemers Klartext

Chefvolkswirt Dr. Moritz Kraemer

Den Herausforderungen stehen erhebliche Stärken gegenüber.

Dr. Moritz Kraemer, Chefvolkswirt und Leiter Research

Am Sonntag eröffnet Baden-Württemberg den Reigen der Landtagswahlen in diesem Jahr. Das lenkt den bundesweiten Fokus wieder einmal auf den Südwesten der Republik. Und wenn Sie manche Medien verfolgen, haben Sie zuletzt vielleicht den Eindruck gewonnen, die Region zwischen Bodensee und Mannheim sei in schweres Siechtum verfallen. Es ist schon fast ein journalistischer Wettbewerb geworden, wer am schönsten erklären kann, warum Baden-Württemberg das nächste Ruhrgebiet werden wird. Das sind vielleicht aufmerksamkeitsträchtige und eingängige Schlagzeilen, blanker Unsinn bleibt es dennoch.

Ein Bundesland mit Herausforderungen

Natürlich ist an dem Narrativ etwas dran, dass The Länd von den globalen wirtschaftspolitischen Verwerfungen besonders betroffen ist. Im Vergleich mit den anderen Bundesländern läuft Baden-Württemberg (siehe Abb. 1) nicht mehr an der Spitze.

Abb. 1: BIP Wachstumsraten: Baden-Württemberg minus Deutschland

2012-2026

Quelle: Statistisches Landesamt, LBBW Research

Warum? Deutschland war der Hauptgewinner des Globalisierungstrends. Und innerhalb Deutschlands fungierte Baden-Württemberg als Speerspitze des exportgetriebenen Wachstumsmodells. Aber nicht erst seit Donald Trump stottert der Wirtschaftsmotor Export. Seit Jahren wachsen in Deutschland die Einfuhren schneller als die Ausfuhren, und die Entwicklung Chinas zur Industriemacht trifft Deutschland hart. Und härter noch den Südwesten. Denn in Baden-Württemberg lag der Anteil des verarbeitenden Gewerbes 2024 bei 38 % – vergleichbar mit China selbst! In Deutschland insgesamt entfielen nur 29 % auf die Industrie und EU-weit waren es noch weniger (25 %).

Entsprechend stark ist der Südwesten von Ausfuhren abhängig: Mehr als 5 % des baden-württembergischen BIP erwuchsen 2024 nur aus den Exporten in die USA, etwa 50 % mehr als bundesweit. Fast ein Viertel aller deutschen Ausfuhren in die Vereinigten Staaten stammte 2023 aus The Länd. So hat auch Trumps Zollorgie den Südwesten besonders hart getroffen, insbesondere, weil die Region gerade in jenen Branchen stark ist, die überproportional leiden: Fahrzeuge und Maschinen. Also doch ein Hauch von Ruhrgebiet? Keineswegs. Denn den Herausforderungen stehen erhebliche Stärken gegenüber.

Forschung, Entwicklung und Innovation: noch immer top!

Baden-Württemberg ist noch immer eine wohlhabende Region. 2023 lag das kaufkraftbereinigte Durchschnittseinkommen 29 % über dem EU-Durchschnitt (Deutschland insgesamt 17 %). Der Südwesten hat zwar seit 2004 relativ gesehen an Vorsprung ein-gebüßt, aber das Land hat immer noch eine europäische Spitzenposition inne. Klingt das nach Ruhrgebiet?

Anders als seinerzeit im Ruhrgebiet die Montanwirtschaft stellt die hiesige Industrie auch keine Monokultur dar. Ja, Automobilbau und Zulieferer sind ein wesentlicher Wirtschaftszweig im Südwesten. Aber es gibt natürlich viel mehr. Beispielhaft seien genannt der Biotechnologiecluster rund um Tübingen oder das Cyber-Valley , Europas größte Forschungskooperation auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz (KI) mit Partnern aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft.

Forschung und Entwicklung (F&E) sind der Motor des wirtschaftlichen Fortschritts. Mit seinen etablierten Forschungs- und Entwicklungskapazitäten trägt der Südwesten mehr als ein Viertel zu den gesamtdeutschen F&E-Investitionen bei. Baden-Württembergs Unternehmen investieren 5,7 % des BIP in die Entwicklung neuer Technologien. Damit belegt der Südwesten im internationalen Vergleich einen Spitzenplatz. Mit mehr als 3200 EUR pro Einwohner nimmt Baden-Württemberg deutschlandweit, aber auch in Europa, einen Spitzenplatz ein (siehe Abb. 2). Von den F&E-intensivsten Regionen in der EU liegen mit Karlsruhe und Stuttgart zwei im Südwesten. Und, sorry: Gelsenkirchen, Bochum oder Hagen tauchen in der Liste nicht auf.

Abb. 2: F&E-Ausgaben pro Kopf

EUR, 2023

Man mag bemängeln, dass viele der Forschungsaktivitäten in alten Sektoren stattfinden. Tatsächlich stammt fast die Hälfte der F&E-Aufwendungen aus der Automobilbranche. Aber auch dieses Segment bringt natürlich weiterhin Zukunftstechnologien hervor. Und was für Deutschland insgesamt gilt, trifft auch auf Baden-Württemberg zu: Die Forschungsanstrengungen der privaten Unternehmen sind noch zu sehr in den Midtech-Sparten konzentriert. Aber auch im Hightech-Bereich tut sich was im Ländle: Mit Black Forest Labs kommt Deutschlands derzeit wertvollstes KI-Start-up aus Freiburg. Und der KI-Campus bei Heilbronn kann sich auch sehen lassen. Sicher, beides ist kein Vergleich mit den Tech-Riesen aus den USA oder China. Aber ein Anfang ist gemacht. Die kursierende Untergangsstimmung ist wahrlich nicht angebracht.

Von: Dr. Moritz Kraemer, Chefvolkswirt und Leiter Research

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