27.03.2026
Thema des Quartals: Chancen der Automobilindustrie im Verteidigungssektor
Die deutsche Automobilindustrie steht stark unter Druck.
BW Quarterly Ausgabe Q1/2026
- Anpassung der Kapazitäten
- Hohe Eintrittsbarrieren bremsen
- Von: Frank Biller
Die deutsche Automobilindustrie steht stark unter Druck. Bedingt durch die Transformation hin zur Elektromobilität beschäftigte sie Ende des dritten Quartals 2025 rund 6,3 % weniger Mitarbeiter als im Vorjahr. Insgesamt waren es rund 721.400 Personen. Vom Stellenabbau besonders betroffen waren Zulieferer von Teilen und Zubehör (-11,1 %). Weniger hingegen die Bereiche Karosserie, Aufbauten und Anhänger (-4,0 %) sowie Hersteller von Kfz und Motoren (-3,8 %). Angesichts der massiven Kapazitätsanpassungen der Automobilunternehmen dürfte sich dieser Trend fortsetzen. Mit den großen Konzernen Mercedes-Benz, Porsche, Bosch, ZF und Mahle trifft es Baden-Württemberg stark. Während die Automobilmärkte in den kommenden Jahren kaum zulegen dürften, zeichnet sich in der Verteidigungsindustrie durch die Freigabe großer Budgets ein hohes Wachstum ab. Es stellt sich die Frage, inwiefern neue Produkte und Verlagerungen in den Rüstungsbereich den Arbeitsplatzabbau in der Autoindustrie abfedern könnten.
Zwischen Wunsch und Wirklichkeit
Die deutsche Verteidigungs- und Sicherheitsindustrie beschäftigt derzeit rund 100.000 bis 150.000 Personen, was gemessen an den Arbeitsplätzen nur etwa einem Siebtel der Automobilindustrie entspricht. Es ist davon auszugehen, dass ein Großteil der beschlossenen, massiv steigenden Investitionen in die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands bei den etablierten heimischen Rüstungsunternehmen ankommen wird. Die Automobilindustrie könnte ebenfalls profitieren. Die jüngsten Aussagen der Automobilunternehmen dämpfen allerdings die erste Euphorie. Bosch und ZF sehen in der Verteidigungstechnologie zwar Wachstumspotenzial für ihre Produkte, jedoch kein strategisches Geschäftsfeld. Sämtliche deutsche Automobilunternehmen haben nur einen geringen Anteil im nicht-zivilen Bereich, meist im sehr niedrigen einstelligen Prozentbereich. Entsprechend kann die Branche mit Produkten für das Militär selbst bei hohem Wachstum bei Weitem nicht den Umsatzrückgang und die damit einhergehenden Arbeitsplatzverluste auffangen. Themen wie Sicherheitsanforderungen, nationale und internationale Lieferketten, Zertifizierungen sowie eine längerfristige Planbarkeit lassen sich nicht einfach übertragen. Während die Automobilindustrie international und von einer freien Marktnachfrage geprägt ist, agiert die Verteidigungsindustrie national und lebt von der Staatsnachfrage. Durchaus relevant sind jedoch Fähigkeiten wie eine hohe Skalierung, Prozesssicherheit und Fertigungs-Know-how sowie Innovationsfähigkeit, bei denen die deutsche Automobilindustrie international Maßstäbe setzt.
Dual-Use bietet Chancen
Produkte wie Motoren, Antriebe, Lager und Sensoren kommen in beiden Industrien zum Einsatz. Hier können sich Automobilunternehmen verstärkt um Aufträge aus der Verteidigungsindustrie bemühen und an Ausschreibungen teilnehmen. Angesichts der hohen Eintrittsbarrieren ist nicht mit einem kompletten Umbau der Branche zu rechnen. Neben den bereits existierenden Dual-Use-Gütern könnte die Branche neue Produkte mit signifikantem Zukunftspotenzial, wie etwa Drohnen, produzieren. Dabei sind jedoch massive Investitionen und Umstellungskosten gegenzurechnen. In Summe muss sich die Autoindustrie in Deutschland auf ein neues Normal mit niedrigerer Fahrzeugproduktion einstellen.
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