LBBW

Baden-Württembergs Unternehmen sehen kaum Grund zur Klage

Den Baden-Württembergern sagt man nach, nicht zum Überschwang zu neigen. Umso mehr überrascht das Ergebnis des aktuellen LBBW-Mittelstandsradars. In der gemeinsamen Befragung der LBBW und des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung der Universität Tübingen (IAW) äußerten sich die mittelständischen Unternehmen aus dem Südwesten deutlich positiver zum Geschäftsverlauf und -ausblick als ihre Mitbewerber aus dem Rest der Republik. Auch die Entwicklung in den USA, dem wichtigsten Zielmarkt für baden-württembergische Exporte, wird von Ihnen deutlich milder beurteilt als in anderen Bundesländern.

Mehr als 90 Prozent der mittelständischen Unternehmen im Südwesten bewerten die aktuelle Lage als gut oder sehr gut, drei Prozentpunkte mehr als vor gut einem halben Jahr. Auf Bundesebene brach das Ergebnis dem gegenüber von 91 auf 65 Prozent ein. Gleichzeitig blicken vier Fünftel aller badenwürttembergischen Unternehmen optimistisch in die Zukunft, während dies bundesweit gerade einmal 63 Prozent tun. Entsprechend wollen im Ländle auch vier Fünftel in den nächsten sechs Monaten weiter investieren; deutschlandweit plant dies nur gut die Hälfte aller Befragten.

Umso mehr leiden die Unternehmen in der Region unter fehlenden Fachkräften. 88 Prozent sehen einen negativen Einfluss des Fachkräftemangels auf die Geschäftsentwicklung, bundesweit ist dies nur bei 72 Prozent der Fall. Zur Erinnerung: In Baden-Württemberg beträgt die Arbeitslosenquote 3,0 Prozent, in Gesamtdeutschland 4,9 Prozent.

Baden-Württemberg ist praktisch das wichtigste deutsche Exportland. Gemessen am Volumen macht wegen der Ausfuhren über den Hamburger Hafen lediglich das Bundesland Hamburg dem Ländle den ersten Platz streitig. Entsprechend sorgfältig beobachten die Unternehmen, wie US-Präsident Donald Trump und sein Handelsstreit mit Europa und China die Attraktivität der Vereinigten Staaten als Absatz- und Produktionsstandort verändern. Überraschenderweise werden die USA von den Südwest-Unternehmen im Mittelstandsradar dabei weniger kritisch beurteilt als von den bundesweit erfassten Unternehmen. Sehen bundesweit jeweils rund 60 Prozent der Befragten kritisch auf die USA, bewerten in Baden-Württemberg nur 28 Prozent die Absatzchancen und 36 Prozent die Produktionsbedingungen jenseits des Atlantik skeptisch.

An einer Stelle unterscheiden sich baden-württembergische Unternehmen jedoch nicht von ihren Mitbewerbern. Das Vereinigte Königreich wird wegen des möglichen Hard Brexit als Absatz- und Produktionsstandort in etwa so schlecht wie auf Bundesebene gesehen.