Flugzeug frontal im Flughafen mit weiteren Fahrzeugen im Hintergrund vor blauem Himmel

Fliegen 3.0

Mit „Fit for 55“ die Kohlendioxid-Emissionen in der Luftfahrt drosseln: Ab 2023 wird der Sektor in den Emissionshandel eingebunden.

"Klimaneutrales Fliegen ist keine Frage mehr des Ob, sondern des Wie und Wann. Dies hat die Branche mittlerweile erkannt. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen diverse Pfade gleichzeitig und international koordiniert beschritten werden", so Alexandra Schadow, Leiterin Cross Asset Research der Landesbank Baden-Württemberg.

Eine wichtige Rolle im Green Deal der Europäischen Union (EU) kommt dem internationalen System zur Verrechnung und Reduzierung von Kohlenstoffdioxid für die internationale Luftfahrt (CORSIA) zu. Und gleichzeitig, wie CORSIA über den Emissionshandel umgesetzt wird. Obwohl die internationale Luftfahrt aktuell nur rund 3,5 Prozent zum gesamten Treibhausgasausstoß der EU beiträgt, zählt sie neben der Schifffahrt zu den Sektoren, die mit steigenden Emissionen am stärksten zum Klimawandel beitragen. Denn obwohl der Flugverkehr wegen Corona zeitweilig eingebrochen ist und gleichzeitig versucht wird, Treibstoff einzusparen, werden die Emissionen von Flugzeugen bis 2050 voraussichtlich bis zu zehnmal höher ausfallen als noch 1990. Es ist also dringend nötig zu handeln.

Die „ReFuelEU Aviation“-Initiative

Das Paket enthält einen Vorschlag zur Gewährleistung gleicher Wettbewerbsbedingungen für den nachhaltigen Luftverkehr, auch bekannt als „ReFuelEU Aviation“-Initiative. In dem Verordnungsentwurf schlägt die Kommission vor, die Treibstofflieferanten zu verpflichten, nachhaltige Flugkraftstoffe (SAF) zu vertreiben. Dabei soll der Anteil an SAF (einschließlich synthetischer Flugkraftstoffe, sogenannte E-Treibstoffe) im Laufe der Zeit steigen. So erhofft man sich eine größere Akzeptanz von SAF bei den Fluggesellschaften und damit verringerte Emissionen aus dem Luftverkehr. Der Vorschlag sieht auch vor, dass die Fluggesellschaften verpflichtet werden, vor dem Abflug von EU-Flughäfen nur so viel Kerosin zu tanken, wie für einen sicheren Flugbetrieb erforderlich ist. Damit sollen gleiche Wettbewerbsbedingungen für Fluggesellschaften und Flughäfen gewährleistet und zusätzliche Emissionen vermieden werden. Diese entstehen, wenn Flugzeuge übermäßig viel Treibstoff mitführen und so mehr Gewicht in die Luft bringen müssen.

3.5 Prozent

trägt die internationale Luftfahrt aktuell zum gesamten Treibhausgasausstoß der EU bei

Luftfahrt schon länger im Fokus

Bereits 2016 beschloss die Civil Aviation Organization eine globale marktbasierte Maßnahme in Form des Carbon Offsetting and Reduction Scheme for International Aviation (CORSIA). Um die CO₂ -Emissionen der internationalen Zivilluftfahrt über das Niveau von 2020 hinaus zu kompensieren und ein klimaneutrales Wachstum zu erreichen, müssen die Verursacher, also die Fluggesellschaften, Emissionseinheiten zu je einer Tonne CO₂ aus grünen Projekten kaufen. Die freiwillige Pilotphase endet 2023. In Phase I (2024–2026) wird die Teilnahme für alle Unterzeichnerstaaten (mit Ausnahme bestimmter Entwicklungsländer) verpflichtend. 88 Länder, darunter alle EU-Mitgliedstaaten, haben sich von Anfang an CORSIA beteiligt.

Die Kommission legte zwei Gesetzesvorschläge vor: einen zur Änderung der Emissionshandels-Richtlinie 2003/87/EG, um die Anstrengungen im Luftverkehrssektor zu steigern, sowie einen, um das CORSIA-Ausgleichssystem für den internationalen Luftverkehr zu etablieren.

Kritik am Emissionshandelssystem

Im Rahmen des „Fit for 55“-Pakets schlägt die Kommission eine Abschaffung der kostenlosen Emissionszertifikate vor, die der Luftfahrtsektor derzeit erhält. Initiativen sollen Kraftstoffanbieter u. a. dazu anhalten, bestehenden Turbinenkraftstoffen an EU-Flughäfen zunehmend nachhaltige Treibstoffe beizumischen, etwa Kerosin aus Algen. Zudem sollen Anreize für die Verbreitung von E-Fuels gesetzt werden.

Martin Menner, Experte im Centrum für Europäische Politik (CEP), sieht die Senkung der Zahl gratis zugeteilter Zertifikate für den Flugverkehr kritisch: „Das erhöht die Anreizwirkungen im EU-EHS nicht, führt jedoch zu Wettbewerbsnachteilen von Fluggesellschaften mit Drehkreuzen im EWR [Europäischer Wirtschaftsraum].“

Die Emissionskompensation und die zunehmende Verwendung nachhaltiger Flugtreibstoffe (SAF) dürften in den kommenden Jahren die wesentlichen Reduktionshebel beim CO₂-Ausstoß in der Luftfahrt sein. Zu einer weiteren kräftigen Senkung würde der großflächige Einsatz von batterieelektrischen oder mit Wasserstofftechnologien betriebenen Flotten führen. Aktuell noch Zukunftsmusik.

Alexandra Schadow, Leiterin Cross Asset Research der Landesbank Baden-Württemberg

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