Endlich: ESG für den Mittelstand

Das Beispiel Knettenbrech + Gurdulic zeigt: Kredite nach ESG-Kriterien gibt es jetzt auch für Mittelständler. Die LBBW macht es möglich.

Ein fahrender Dreiachser der Firma Knettenbrech + Gurdulic

Nachhaltigkeit ist das Thema unserer Zeit. Und auch wenn es heute noch eher wie eine Utopie klingt, sollen in Zukunft keine Abfälle mehr entstehen und Ressourcen mehrmals wiederverwendet werden – das Ziel: Schaffung einer Kreislaufwirtschaft. Experte auf dem Gebiet ist seit vielen Jahren das Unternehmen Knettenbrech + Gurdulic. „Uns geht es immer darum, Ressourcen zu schonen und wertvolle Stoffe in den Wirtschaftskreislauf zurückzuführen“, so Geschäftsführer Bertram Scholtes. Gerade weil nachhaltiges Handeln beim Spezialisten für Recycling und Entsorgung selbstverständlich ist, hatte CFO Scholtes bislang nicht den Bedarf gesehen, darüber explizit nach außen zu berichten.

Im Rahmen des strategischen Dialogs mit der Hausbank des Unternehmens, konkreter gesagt, im Austausch mit dem LBBW-Berater Lars Hankele sowie den Nachhaltigkeitsexperten der LBBW, wurden die aktuellen Herausforderungen beim Thema Nachhaltigkeit und insbesondere das Thema ESG-Rating diskutiert. Beim Kürzel ESG steht E für Environment (also Umwelt), S für Social und G für Governance – damit ist eine ethisch verantwortungsvolle Unternehmensführung gemeint. Knettenbrech + Gurdulic-Geschäftsführer Scholtes berichtet: „Unsere Geschäftspartner fragen zunehmend nach einem solchen Rating.“ Damit war der Startschuss für das nächste gemeinsame Projekt gefallen, denn ESG-LBBW-Experte Martin Dresp erläutert: „Das ESG-Rating kann auch mit der Finanzierung verknüpft werden.“ Ein Wortwechsel mit Folgen: Heute verfügt Knettenbrech + Gurdulic sowohl über ein ESG-Rating als auch über einen ESG-linked Loan – also einen Kredit, dessen Konditionen an der Entwicklung eines nachhaltigen Ratings gekoppelt sind.

Bauschutt sorgt für die meisten Abfälle

Abfallaufkommen in Deutschland in 2020

Quelle: Destatis 2022 (Zahlen von 2019)

LBBW ermöglicht ESG-Kredite für Mittelständler

„Knettenbrech + Gurdulic und LBBW zeigen, dass solche bilateralen Kredite auch für Mittelständler möglich sind“, freut sich Unternehmenskundenberater Hankele. Damit sind beide Trendsetter. Die LBBW-Experten gehen davon aus, dass schon in wenigen Jahren Banken bei allen Finanzierungsgesprächen darauf achten, wie nachhaltig und damit zukunftsfähig ihre Kunden agieren. Dafür sorgen unter anderem auch Vorgaben der Europäischen Union. Werden ESG-Kriterien ignoriert, könnte das perspektivisch auch negative Folgen für die Finanzierung haben.

Um den eigenen Willen, die Verbesserung der Nachhaltigkeitsperformance zu untermauern, können Nachhaltigkeitsziele auch mit der Finanzierung verknüpft werden. Das ESG-Rating bietet dabei eine transparente, nachvollziehbare und in puncto Dokumentation schlanke Variante auch für kleine und mittelständische Unternehmen. Es komprimiert den aktuellen Status in einer Zahl. Ein Jahr später wird das Unternehmen wieder auf den ESG-Prüfstand gestellt. Sinkt die Zahl, wird der Kredit teurer. Steigt die Zahl, d. h. verbessert sich die Ratingnote, sinkt der Zinssatz. Die Entwicklung des ESG-Ratings wird somit aktiv nachgehalten und mit der Finanzierung ein Anreiz gesetzt, ökologische, soziale und Governance-Aspekte weiterzuentwickeln.

Knettenbrech + Gurdulic und LBBW zeigen, dass ESG-Kredite auch für Mittelständler möglich sind.

Lars Hankele, Unternehmenskundenberater der LBBW
Foto mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Firma Knettenbrech + Gurdulic und der LBBW vor einem Schutthaufen:
Von links nach rechts Lars Hankele (LBBW-Berater), Nadine Kuhnigk (Leiterin Unternehmenskommunikation und Marketing Knettenbrech + Gurdulic), Bertram Scholtes (Geschäftsführer Knettenbrech + Gurdulic), Carina Wölk (LBBW-Abteilungsleiterin Unternehmenskunden), Dr. Marcel Zürn (LBBW-Sektorspezialist Corporate Finance)

„Natürlich wollen wir immer die bestmöglichen Konditionen“, schmunzelt Knettenbrech + Gurdulic-Geschäftsführer Bertram Scholtes. „Aber noch wichtiger ist das Rating selbst – so können wir erkennen, wie gut wir eigentlich sind.“ Gut drei Wochen lang waren Knettenbrech + Gurdulic-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen neben ihren eigentlichen Aufgaben damit beschäftigt, die angefragten Informationen zusammenzutragen. „Bronze“ gab es im ersten Anlauf. Damit zählt Knettenbrech + Gurdulic zu der vorderen Hälfte aller Unternehmen, denen die französische Agentur Ecovadis 2021 ein Rating verlieh. Zufrieden ist Geschäftsführer Scholtes noch nicht: „Auch wenn wir besser als der Durchschnitt sind: Bronze liegt unter meinen Ansprüchen.“

Die gute Nachricht für ihn: Das Rating liefert auch Hinweise, wie es noch besser geht. So achtet Knettenbrech + Gurdulic jetzt noch mehr darauf, wie stark sich auch die Lieferanten an ESG-Werten orientieren. Knettenbrech +Gurdulic nimmt die Tipps als Arbeitsauftrag: Beim nächsten Rating soll es „Silber“ werden.

417 Mio.

Tonnen Abfälle fallen jährlich in Deutschland an

ESG-Kredit: „Ein ganz schlankes Produkt“

Dank des Ratings war das Abschließen des ESG-Kredits eine reine Formsache. „Ein ganz schlankes Produkt, ohne großen Dokumentationsaufwand“, begrüßt Knettenbrech + Gurdulic-Geschäftsführer Scholtes die LBBW-Innovation. An Möglichkeiten, wie er das Geld einsetzen kann, mangelt es nicht. Innerhalb von zwei Jahrzehnten ist Knettenbrech + Gurdulic zu einem der größten inhabergeführten Entsorgungsunternehmen Deutschlands herangewachsen. Mehr als 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich an 32 Standorten um die gewerbliche Entsorgung, kommunale Müllabfuhr und um das Recycling von wertvollen Rohstoffen wie beispielsweise Papier, Kunststoffe, Schrotte und Altmetalle. Auch viele weitere Dienstleistungen wie Deponieeinbau, Industriereinigung, Kontraktlogistik in großen Zentrallagern oder das Sonderabfallgeschäft zählen zum Knettenbrech + Gurdulic-Portfolio. In Wiesbaden entsteht gerade ein Müllheizkraftwerk, das Abfälle mit der bestmöglichen Umwelt- und Energiebilanz verbrennt. Die entstehende Wärme wird ins Fernwärmenetz eingespeist, der erzeugte Strom ins öffentliche Stromnetz.

Über ein Fließband wird Schüttgut auf einem Haufen gesammelt, im Hintergrund Schornsteine und andere Großgeräte

Wir wollen überall nachhaltig sein – auch bei der Finanzierung.

Bertram Scholtes, Geschäftsführer von Knettenbrech + Gurdulic

„Der Weg von Knettenbrech + Gurdulic führt von der Entsorgung zur Kreislaufwirtschaft und wir können diesen Weg begleiten“, sagt Dr. Marcel Zürn, Sektorexperte Energie, Versorger und Entsorger bei der LBBW. Er ist regelmäßig in Wiesbaden vor Ort und freut sich darauf, sich mit Knettenbrech + Gurdulic auf Augenhöhe über aktuelle Vorhaben sowie Trends und Herausforderungen der Branche auszutauschen – er lernt jedes Mal selbst noch dazu. Von diesem Dialog profitieren beide Seiten: Einerseits verfügt die LBBW hierdurch über ein besseres und tieferes Verständnis des Geschäftsmodells und der Finanzierungsbedürfnisse von Knettenbrech + Gurdulic. Auf der anderen Seite bekommt Knettenbrech + Gurdulic einen Überblick über relevante Themen, die über das unmittelbare Tagesgeschäft hinausgehen, und erhält somit wichtige Impulse und Ansätze für die eigene Strategieentwicklung.

Zürn findet diesen Prozess hin zur Kreislaufwirtschaft „ausgesprochen spannend“, zumal sich Knettenbrech + Gurdulic dabei inhaltlich treu bleibe. Rund 1.100 Fahrzeuge, intern „mobile Einheiten“ genannt, fahren im Auftrag von Knettenbrech + Gurdulic durch Deutschland – demnächst eventuell einige davon mit Wasserstoff. Das Unternehmen überlegt, diese Zukunftstechnologie für den Schwerlastbereich einzusetzen und selbst eine Anlage für grünen Wasserstoff zu bauen. Einen Schritt weiter in den Planungen ist eine große Recyclinganlage für Metalle – auch hierfür kann der ESG-Kredit sinnvoll eingesetzt werden.

„Nachhaltigkeit ist einfach unsere DNA“, ergänzt Knettenbrech + Gurdulic-Geschäftsführer Bertram Scholtes. Der ESG-Kredit sei daher nur folgerichtig: „Wir wollen überall nachhaltig sein – auch bei der Finanzierung.“

476 Kilogramm

an Haushaltsabfällen produziert jeder Mensch in Deutschland im Jahr