25.06.2026

Aktienindex Baden-Württemberg: SAP treibt die Erholung des BWAX

Der baden-württembergische Aktienmarkt hat sich deutlich besser entwickelt als der DAX.

Bullenstatuen vor der Frankfurter Börse
Bullenstatuen vor der Frankfurter Börse

BW Quarterly Ausgabe Q3/2026

  • Von: Henning Oligmüller, CIIA Investmentanalys
  • Von: Hans-Jakob Frey, Research Associate

Der baden-württembergische Aktienmarkt hat sich im Berichtszeitraum vom 01. Juni bis 31. August deutlich besser entwickelt als der DAX (Abb. 3). Der marktwertgewichtete BWAX-Kursindex stieg um 10,2 %, während der DAX-Kursindex um 4,5 % zulegte. Die Aufwärtsbewegung war jedoch ausgesprochen schmal: Ohne SAP verlor der BWAX 3,7 %. Der Abstand von knapp 14 Prozentpunkten zeigt, wie stark die Entwicklung des Index weiterhin von dem Indexschwergewicht (59,6 %) abhängt.

Abb. 3: BWAX und DAX im Berichtszeitraum

Quelle: LSEG, LBBW Research | Berechnungen auf Basis der Schlusskurse vom 29.05.2026 bis 31.08.2026

Der Anstieg im Sommer korrigierte nur einen Teil der vorherigen Verluste. Seit Jahresbeginn lag der BWAX zum Stichtag weiterhin 9,3 % im Minus, während der DAX-Kursindex 4,5 % im Plus notierte. Ohne SAP betrug der Rückgang des BWAX seit Jahresbeginn 10,1 %. Zugleich stieg die aggregierte Marktkapitalisierung des Gesamt-BWAX im Berichtszeitraum um 36,4 Mrd. EUR auf 392,8 Mrd. EUR. Der BWAX ohne SAP verlor hingegen 6,2 Mrd. EUR Marktkapitalisierung und fiel auf 158,6 Mrd. EUR. Die positive Entwicklung des Gesamtindex beruhte also auf der deutlich höheren Bewertung von SAP, während der übrige baden-württembergische Aktienmarkt unter dem Strich an Wert nachgab (Abb. 4).

Abb. 4: Beitrag zur Veränderung der BWAX-Marktkapitalisierung

Quelle: LSEG, LBBW Research

Die Kursentwicklung von SAP war dabei weniger durch deutlich höhere kurzfristige Gewinnschätzungen als durch eine Neubewertung der längerfristigen Wachstumsperspektiven getrieben. Die Aktie gewann im Berichtszeitraum 22,2 %, während die von Analysten erwarteten Gewinne je Aktie für die kommenden zwölf Monate mit −0,7 % nahezu unverändert blieben. Der Markt honorierte damit vor allem die fortgesetzte Dynamik im Cloud-Geschäft und die zunehmende Einbindung von KI in das Produktportfolio des Walldorfer Software-Konzerns. Im zweiten Quartal stiegen die Cloud-Umsätze währungsbereinigt um 24 %; zugleich belasteten höhere Ausgaben für KI-Fachkräfte, Produktentwicklung und Akquisitionen kurzfristig die operative Marge von SAP.

Auch die Bewertungsniveaus verdeutlichen die ausgeprägte Differenzierung am Markt. Mit einem Zwölfmonats-Forward-KGV von 23,4 bewertete der Markt SAP Ende August deutlich höher als Mercedes-Benz mit 6,3 oder Daimler Truck mit 8,1. Das ist ein Hinweis darauf, dass der Markt SAP vergleichsweise hohe langfristige Wachstumserwartungen zuschreibt, während er die Nachhaltigkeit der Strategien in der Automobilbranche bislang kritischer bewertet.

In dieses Bild passt auch der Indexwechsel der Porsche Automobil Holding SE: Im Rahmen der regulären Überprüfung sortierte die Deutsche Börse die Porsche SE mit Wirkung zum 22. Juni vom DAX in den MDAX um. Auf den BWAX hatte das keine Auswirkung, da der Index sämtliche Unternehmen aus DAX, MDAX und SDAX berücksichtigt.

Gewinne bei Technologie, Verluste bei zyklischen Werten

Neben SAP entwickelten sich im Berichtszeitraum insbesondere TeamViewer (+20,0 %), MLP (+15,4 %), GFT Technologies (+14,4 %) und Bechtle (+12,8 %) positiv. Der BWAX erhielt also auch von kleineren Technologie- und Dienstleistungswerten Unterstützung. Deren geringere Marktkapitalisierung reichte jedoch nicht aus, um die Schwäche mehrerer zyklischer Schwergewichte auszugleichen.

Abb. 5: Tops und Flops aus dem BWAX

Performance (in %) 01.06.2026 bis 31.08.2026

Quelle: LSEG, LBBW Research

Performance (in %) 31.08.2025 bis 31.08.2026

Quelle: LSEG, LBBW Research

Performance (in %) 31.08.2021 bis 31.08.2026

Quelle: LSEG, LBBW Research

Besonders sichtbar war die Differenzierung innerhalb der automobilnahen Werte. Daimler Truck gewann 10,5 % und hob sich damit klar von Mercedes-Benz (−9,3 %), Porsche SE (−12,0 %) und Porsche AG (−3,6 %) ab. Bei Daimler Truck stützten der stark gestiegene Auftragseingang in Nordamerika und die angehobene Jahresprognose den Kurs. Mercedes-Benz und Porsche AG standen dagegen weiter unter dem Einfluss des schwächeren China-Geschäfts, höherer Zölle, sinkender Auslieferungen und der Kosten ihrer strategischen Neuausrichtung. Wertberichtigungen auf Beteiligungen belasteten zudem Porsche SE. Entsprechend sanken die von Analysten erwarteten Gewinne je Aktie für die kommenden zwölf Monate bei Mercedes-Benz um 10,5 % und bei Porsche SE um 37,1 %, während sie bei Daimler Truck um 6,4 % stiegen.

Auch Heidelberg Materials verlor trotz eines über den Markterwartungen liegenden operativen Ergebnisses 13,4 %. Die Kursentwicklung verdeutlicht, dass positive Quartalszahlen allein bei zyklischen BWAX-Werten derzeit nicht genügen: Höhere Zinsen, Energiekosten, Handelsrisiken und die verhaltene europäische Baukonjunktur bleiben maßgebliche Bewertungsfaktoren.

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