M&A: weil Zukunftsfähigkeit bei jedem Verkauf eine Rolle spielt
Steht ein Unternehmen zum Verkauf, geht es um Zahlen, um Produkte und um Menschen.
Steht ein Unternehmen zum Verkauf, geht es um Zahlen, um Produkte und um Menschen. Und zunehmend um die Frage, wie nachhaltig dieses Unternehmen wirtschaftet und wie sich ändernde Rahmenbedingungen auf die Zukunftsfähigkeit auswirken. Käufer mögen keine unliebsamen Überraschungen. Denn wer zu spät erkannte Missstände ändern will, muss dafür Geld in die Hand nehmen. Viel Geld. Deshalb werden Fragen zum nachhaltigen Wirtschaften und zur Resilienz wichtiger, wenn es um Kauf, Verkauf oder die Fusion von Unternehmen (Mergers & Acquisitions, M&A) geht. „Ohne eine belastbare Einschätzung der ESG-Performance und Transformationsfähigkeit – also des nachhaltigen und zukunftsfähigen Wirtschaftens – lassen sich Unternehmen nicht mehr angemessen bewerten“, sagt Michael Stich vom Transition Analytics & Advisory-Team der LBBW. „Bleiben in diesem Zusammenhang zu viele Fragen unbeantwortet, kann daran die gesamte Transaktion scheitern.“
„Ohne eine belastbare Einschätzung der ESG-Performance und Transformationsfähigkeit lassen sich Unternehmen nicht mehr angemessen bewerten.“
Umso wichtiger ist es, im M&A-Prozess sämtliche Herausforderungen und Chancen aus einem sich verändernden Umfeld ebenso schnell wie verlässlich herauszuarbeiten. Das ist anspruchsvoll, denn während die M&A-Prozesse auf anderen Feldern standardisiert sind, fehlen zu Nachhaltigkeit und Resilienz nach wie vor einheitliche, vergleichbare Richtgrößen. Daher ist fundierte Expertise gefragt, um belastbare Daten zu finden – und mit Expert-Judgement zu bewerten. „Welche Daten liegen unternehmensweit vor, in welcher Qualität? Wie werden sie intern eingesetzt, etwa für die Steuerung?“, zählt LBBW-Experte Stich auf. Bereits am Umgang mit Daten lasse sich erkennen, wie ernsthaft sich ein Unternehmen mit Fragen der Transition beschäftigt. Stich nennt ein Beispiel: „Wer beispielsweise keine Daten zu den eigenen CO₂-Emissionen erhebt, kann weder Ziele formulieren noch wirksame Maßnahmen angehen.“
Transition Analytics & Advisory: Herausforderungen erkennen, Chancen aufzeigen
Der Anspruch von Transition Analytics & Advisory bei M&A-Verhandlungen besteht darin, die gesamte Wertschöpfungskette eines Unternehmens zu betrachten. Die LBBW-Experten wollen die wesentlichen Auswirkungen und Einflussgrößen des Geschäftsmodells ganzheitlich verstehen, um die Transformationsfähigkeit des Unternehmens bewerten zu können. Das bedeutet, die Lieferketten auf Risiken und Ressourcenabhängigkeiten zu untersuchen, die Logistik und die Produktionsverfahren zu hinterfragen und nicht zuletzt einen Blick darauf zu werfen, wie nachhaltig sich die Produkte in der Nutzungs- und End-of-Life-Phase verhalten. „Sowohl in der vorgelagerten Wertschöpfungskette als auch in der Nutzungsphase liegt ein häufig unterschätzter Werthebel“, sagt Michael Stich und nennt steigende Rohstoffvolatilitäten als wesentlichen Inputfaktor. Beispielhaft für die Nutzungsphase stehen elektrisch betriebene Anlagen – etwa Industriepumpen, Motoren und Kompressoren. Bei ihnen entsteht der weitaus größte Teil der Emissionen nicht in der Herstellung, sondern im Betrieb: Über die Lebensdauer kann mehr als 90 % der Gesamtkosten auf den Energieverbrauch entfallen. „Entscheidend ist deshalb, die Anlagen im laufenden Betrieb effizient zu regeln – etwa über drehzahlgeregelte Antriebe –, um Energie zu sparen und Emissionen zu senken.“ Im M&A-Prozess gilt es, diese Werthebel zu erkennen und entsprechend in der Transaktion zu berücksichtigen.