30.09.2026

Wirtschaft in Deutschland: Aufkeimende Zuversicht, neue Sorgen

Deutschland hat zuletzt in wirtschaftlicher Hinsicht vielfach positiv überrascht. Die Zahlen zum zweiten Quartal übertrafen die Erwartungen.

Zinskurve mit mit einem Kugelschreiber überprüft
Zinskurve mit mit einem Kugelschreiber überprüft

BW Quarterly Ausgabe Q3/2026

  • Von: Dr. Jens-Oliver Niklasch, Senior Economist

Deutschland hat zuletzt in wirtschaftlicher Hinsicht vielfach positiv überrascht. Die Zahlen zum zweiten Quartal übertrafen die Erwartungen. Das Statistische Bundesamt hat sie überdies nach der ersten Schätzung sogar noch nach oben revidiert. Die aktuelle Berechnung zeigt, dass das BIP im zweiten Quartal um 0,3 % zum Vorquartal zugelegt hat, nach +0,4 % im ersten Quartal. Erneut trieb die Auslandsnachfrage die Gesamtnachfrage, während insbesondere die Investitionen noch zurückhaltend waren – es wäre also sogar noch Luft nach oben.

Die Zahlen für das zweite Quartal veranlassten Ökonomen reihum dazu, die Prognosen für das laufende Jahr und teils auch für das kommende Jahr aufwärts zu revidieren. Das LBBW Research erwartet für 2026 derzeit ein kalenderbereinigtes Plus von 0,7 %. Unter Berücksichtigung der höheren Zahl der Arbeitstage dürfte das BIP-Wachstum sogar 1,0 % betragen. So hoch war das Wachstum zuletzt in den „normalen“ Jahren 2018 und 2019. Danach kamen Corona und der Ukraine-Krieg. Für eine Wende zum Besseren spricht auch der Auftragseingang. Der monatliche Index der Neuaufträge hat im Trend in den vergangenen Monaten weiter zugelegt (Abb. 3). Auf dem aktuellen monatlichen Produktionsniveau reicht der dadurch gewachsene Auftragsbestand für rund neun Monate Produktion. Die Aufträge kamen dabei primär aus dem Ausland, zuletzt zogen aber auch die Inlandsaufträge stärker an.

In Sachen Inflation gibt es neuen Grund zur Sorge. Im August lag der Preisauftrieb bei 2,9 % im Vergleich zum Vorjahresmonat. Energieprodukte legten 10,5 % zu und waren damit maßgeblich für die Teuerung verantwortlich. Der Anstieg der Kraftstoffe hat sich überdies im September fortgesetzt. Das ist vor allem eine Folge der Sperrung der Straße von Hormus sowie vieler Schäden an den globalen Raffineriekapazitäten. Hierbei machen sich Berichten zufolge insbesondere die gezielten Angriffe der Ukraine auf russische Raffinerien bemerkbar. Inzwischen erwägt die Bundesregierung neue Maßnahmen, um die Folgen der steigenden Kraftstoffpreise für die privaten Verbraucher zu begrenzen.

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Eine Frau hält ein Smartphone in der Hand
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