30.09.2026
Wirtschaft in Baden-Württemberg: Spürbare Aufhellung der Stimmung
Die baden-württembergische Industrie befindet sich im bisherigen Jahresverlauf auf vorsichtigem Erholungskurs.
BW Quarterly Ausgabe Q3/2026
- Von: Dr. Guido Zimmermann, Senior Economist
Die baden-württembergische Wirtschaft ist dynamisch in das neue Jahr gestartet. Zugleich hat sich die Stimmung der baden-württembergischen Unternehmen im August deutlich aufgehellt. Das geht aus dem monatlichen L-Bank-ifo-Konjunkturtest hervor, mit dem die L-Bank das Geschäftsklima für die Gesamtwirtschaft Baden-Württembergs misst. Der Konjunkturtest spiegelt die Stimmung der Unternehmen im Land wider. Der L-Bank-ifo-Geschäftsklimaindex stieg kräftig von -14 auf -9 Punkte und erreichte damit erstmals seit zwei Jahren einen einstelligen negativen Wert. Die Unternehmen beurteilten sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Erwartungen für die kommenden sechs Monate deutlich günstiger als im Vormonat. Die Stimmungsverbesserung erstreckt sich auf alle Wirtschaftssektoren. Besonders ausgeprägt ist das Plus im Bauhauptgewerbe. Nach dem Dämpfer im Juli setzte der Klimaindikator dort seine seit Mai sichtbare Aufwärtsbewegung fort: Er notierte im August deutlich über seinem (negativen) Langzeitdurchschnitt.
Abb. 1: L-Bank-ifo-Geschäftsklimaindex Baden-Württemberg
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Zahlen des ifo-Konjunkturtests und des GfK-Konjunkturklimas erstellt und umfasst sowohl eine Lage- als auch eine Erwartungskomponente.
Die baden-württembergische Industrie befindet sich im bisherigen Jahresverlauf auf vorsichtigem Erholungskurs. Im verarbeitenden Gewerbe hat sich das Geschäftsklima zum dritten Mal in Folge verbessert. Die Geschäftserwartungen fallen nun so optimistisch aus wie zuletzt Anfang 2022. Das deutet darauf hin, dass die Unternehmen die Erholung nicht nur als kurzfristiges Phänomen wahrnehmen, sondern auch für die kommenden Monate mit einer Belebung rechnen.
Die Exportaussichten haben stark aufgeklart. Im Bereich der Ausfuhren rechnete nun jeder fünfte Betrieb mit positiven Impulsen und knapp zwei Drittel mit unveränderten Auslandsgeschäften. Angesichts dessen stellen sich die Unternehmen für die nächste Zeit nicht darauf ein, ihre Produktion zu drosseln, und sie haben die (unter dem Strich aber noch restriktiven) Personalplanungen spürbar nach oben korrigiert. Besonders in der Chemie- und Automobilindustrie blicken die Betriebe derzeit zuversichtlich auf die Exportentwicklung in den kommenden Monaten.
Von der besseren Stimmung auf Unternehmensseite lassen sich die privaten Haushalte bislang allerdings nur eingeschränkt anstecken. Insbesondere die Preisentwicklung bereitet vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern weiterhin Sorgen. Gleichzeitig besteht eine weiterhin ausgeprägte Kaufzurückhaltung der Konsumenten.
Der aktualisierte Frühindikator der L-Bank (Abb. 2) für die Entwicklung des realen BIP im Südwesten deutet aktuell darauf hin, dass sich die Erholung der Wirtschaftsleistung fortsetzt. Wir erwarten für 2026 aufgrund der besser als erwarteten Konjunkturentwicklung in Deutschland (2026: 1,0 %; 2027: 1,0 %) nun ein reales Wachstum von 1,4 % (2027: 1,1 %). Damit liegt Baden-Württemberg auf dem dritten unter den zwölf betrachteten Bundesländern (Abb. 3).
Abb. 2: L-Bank- Frühindikator für das reale BIP
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Abb. 3: LBBW-Konjunkturprognosen im Bundesländervergleich
Baden-Württemberg befindet sich in einer Strukturkrise (Abb. 4). Zwar setzt sich die Erholung der Südwestindustrie fort. Das gilt aber auch für die Deindustrialisierung des Landes in Gestalt verlorener Stellen: Die 2024 begonnene negative Beschäftigungsentwicklung der Industrie setzte sich im Jahr 2025 mit einem Rückgang um etwa 30.800 Personen (−2,4 %) auf insgesamt 1.268.000 Personen fort. Es wird viel Anstrengung brauchen, sich aus dieser Lage heraus zu kämpfen. Dazu bedarf es politischer Impulse – allen voran eines Bürokratieabbaus sowie einer besseren (digitalen) Infrastruktur.
Abb. 4: Wachstumsraten des realen BIP
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