30.09.2026
The LÄND hat bei der Digitalisierung an Dynamik verloren
Die Zukunft des Landes wird auf dem Feld der Digitalisierung entschieden.
BW Quarterly Ausgabe Q3/2026
- Von: Dr. Guido Zimmermann, Senior Economist
Baden-Württemberg gilt zwar in Deutschland nicht eben als Hotspot für IT-Entwickler – das sind München und Berlin, die auch als einzige deutsche Städte zu den Intelligent Cities weltweit zählen –, aber in der Fläche betrachtet liegt der Südwesten im Bundesvergleich vorne (siehe auch hier). Das ist der großen Bedeutung von „Hidden Champions“ im Mittelstand sowie der Rolle der Industrie geschuldet: Digitale Technologien und KI werden gerade integrale Bestandteile der Produkte beziehungsweise Geschäftsmodelle vieler Unternehmen im Südwesten. Kein Bundesland weist derzeit so viele KI-Anwendungen wie Baden-Württemberg auf. Zudem gehören große Industrieunternehmen zu den wichtigsten Patentanmeldern im Industrie 4.0-Bereich. Kleinere Unternehmen fallen hier aber zunehmend bei der industriellen KI zurück. Traditionelle Denkweisen, eine sinkende Arbeitsproduktivität und eine nachlassende Dynamik bei den technologischen Fertigkeiten zählen zu den Gründen. Hierbei kann auch nicht trösten, dass Stuttgart im Smart City Index des Internetverbands Bitkom erstmals auf Platz 1 liegt. Allerdings findet sich das Land im Bitkom-Gesamtranking nur auf Platz 5. Das liegt an der schlechten digitalen Infrastruktur (Platz 12) und der lückenhaften digitalen Verwaltung (Platz 9). Zwar ist die Ladeinfrastruktur überdurchschnittlich gut ausgebaut, doch bei der Gigabitversorgung von Unternehmen (67 %) und Schulen (62 %) schneidet das Land unterdurchschnittlich ab. Und auch beim Glasfaserausbau liegt Baden-Württemberg unter dem Länderdurchschnitt (29 %).
Abb. 1: Länderindex zur Digitalisierung
Die Landesregierung will die Infrastruktur verbessern
Die Zukunft des Landes wird auf dem Feld der Digitalisierung entschieden. Die neue Landesregierung will die Grundlagen dafür mit einem forcierten Ausbau des Breitband- und Mobilfunknetzes legen. Aufbauend darauf plant sie, die IT-Infrastruktur des Landes zu verbessern. Diese Infrastruktur stellt die Basis für Entwicklungen von KI-Modellen dar, die auf Cyber-Resilienz optimiert sind und so ihrerseits für mehr Cyber-Sicherheit sorgen. Auf diesen gegen Angriffe gefeiten KI-Systemen soll die Verwaltung möglichst digital und KI-gestützt arbeiten können.
Abb. 2: Rechenzentren in Deutschland
Allerdings muss die neue Landesregierung ihre Pläne mit Verve umsetzen. Positiv zu bewerten ist, dass die Koalition sich das Ziel gesetzt hat, einen „BW-Stack“ – eine vertikale IT-Struktur und Betriebsplattform für das Land – zu schaffen. Darauf sollen eine BW-App für digitale Verwaltungsangebote und langfristig ein Datenökosystem aufbauen. Positiv ist, dass die Regierung die IT-Strukturen vereinheitlichen und Entscheidungen stärker zentralisieren will. Positiv zu bewerten ist auch, dass die Koalitionäre auf hybride technische Lösungen setzen wollen – also sowohl auf Open-Source-Anwendungen als auch auf Angebote großer Tech-Firmen. Sehr herausfordernd wird sein, bestehende Verwaltungsprozesse zu überarbeiten und zu digitalisieren. Das Nischenthema Quanten-Computing wird wichtig werden, aber nicht entscheidend.
Die Digitalisierung stellt gemeinsam mit der Energiewende sicher das teuerste Vorhaben der grün-schwarzen Koalitionäre dar. Es wird spannend sein zu sehen, welche Digitalisierungsvorhaben bei immer knapperen Kassen tatsächlich realisierbar sind. Der Staat sollte sich daher auf die absoluten Grundlagen konzentrieren: auf den Ausbau von Breitband und Mobilfunk sowie auf die Digitalisierung der Verwaltung.
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