30.09.2026
Industriewandel unterstützen
Mehr Tempo und Kreativität bei der Energiewende.
BW Quarterly Ausgabe Q3/2026
- Von: Sabrina Kremer, Senior Sustainability Analyst
Die Tinte unter dem Koalitionsvertrag der baden-württembergischen Landesregierung ist längst getrocknet, doch die Situation der Wirtschaft im Land bleibt angespannt: Der Umsatz der Industrie sank 2025 um 2,6 %, zeitgleich geht die Beschäftigung weiter zurück (-2,4 %). Hohe Energiepreise und Bürokratie belasten Unternehmen gleichermaßen. Im Südwesten entfallen auf das verarbeitende Gewerbe 31 % der Bruttowertschöpfung, das sind 10 % mehr als im deutschen Durchschnitt. Energiesicherheit und wettbewerbsfähige Preise sind daher besonders relevant. Um sie zu realisieren, sind Netzausbau, Speicher und die Nutzung von Flexibilitäten aktuell die naheliegendsten Lösungen.
Mehr Tempo, mehr Kreativität
Nun liegen zwar sicher die wirksamsten Hebel der Energiewende in der Hand der Bundesregierung. Aber auch die Länder haben Möglichkeiten, Industrie und Haushalten Rückendeckung zu geben. Durch gezielte Investitionsförderungen kann Grün-Schwarz im Land etwa Anreize für netzdienliche Speicher setzen. Oder mittels sozialer Teilhabe Sondertarife für Speicherstrom in Quartieren etablieren – etwa durch eine höhere Förderung für solche Tarife, wenn es Nutzer vor Ort gibt. Durch eine bessere Genehmigungspolitik für Bauprojekte mit besonderer Relevanz für die Energiewende kann das Land Genehmigungsprozesse verkürzen – etwa durch die Entwicklung landeseigener Standards. Und wenn es landeseigene Flächen für Speicher bereitstellen würde, könnten die Anfangsinvestitionen sinken und damit auch die Abhängigkeit von Strommarktpreisen. All das würde die Akzeptanz in der Gesellschaft erhöhen und wäre ganz konkret auch im Geldbeutel zu spüren.
Dabei darf kein Dschungel aus unzähligen Möglichkeiten entstehen. Der Werkzeugkasten muss einfach und übersichtlich sein. Wenige Förderprogramme, dafür gezielter eingesetzt. Kommunen, Unternehmen und auch Haushalte müssen verstehen, welche Möglichkeiten sie haben. So wenig Bürokratie wie nötig. Großen Spielraum geben zudem die Kommunen dem Land. Warum nicht gemeinsam mit einer Gemeinde ein Reallabor für bidirektionales Laden verproben? Wieso nicht regional begrenzt den Einbau von Smartmetern in Haushalten fördern und mit einem Stadtwerk herausfinden, wie sich das auf den Netzausbau auswirkt?
Schlüsseltechnologien voranbringen
Der weitere Ausbau Erneuerbarer ist natürlich die Basis für die Energiewende. Doch von Wind und Sonne alleine sinken die Strompreise nicht. Sie müssen Teil eines funktionierenden Systems sein. Dazu braucht es mehr Kreativität und Mut, Neues auszuprobieren. Gelingt es, erfolgreiche Modelle auszurollen, zieht der Standort auch wieder neue Unternehmen an und wird attraktiver für Schlüsseltechnologien mit globalem Wertschöpfungspotenzial wie KI, Robotik, Wasserstoff, Halbleiter, Photonik, Fahrzeug- und Antriebstechnik, Luft- und Raumfahrt und Green Tech. Entscheidend ist es jetzt, zügig aktiv zu werden. Das Land muss Netzausbau und Zubau der Erneuerbaren ebenso vorantreiben wie Speicher, Wasserstoff und flexible Back-up-Kraftwerke. Es muss Modellregionen identifizieren, um die Sektorkopplung zu verproben, und neue Erkenntnisse zügig umsetzen. Dann heißt es wieder: BW geht voran.
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