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Mann und Frau blicken auf Laptop-Monitor. Wenn sie dort auf die Wertentwicklung des Bitcoins schauen : Sie zeigt nach un

Die Vorteile des Bitcoin-Crashs

Kryptowährungen haben drastisch an Wert verloren. Für die Blockchain, die darunterliegende Technologie, sieht LBBW Research trotzdem eine Zukunft.

Es läuft nicht gut für Kryptowährungen wie Bitcoin. Erst verlieren sie an Wert – um mehr als 70 Prozent seit Jahresanfang 2018. Dann will die Bundesregierung den Handel mit ihnen, nach wie vor in einer gesetzlichen und aufsichtsrechtlichen Grauzone, stärker kontrollieren. Unverhofft kommt diese Entwicklung keineswegs: Die Volkswirte des LBBW Research haben seit langem auf massive Konstruktionsfehler des Kryptogeldes hingewiesen. Bereits im Dezember 2017 – also mitten in der Spekulationsblase des Bitcoins – hatten sie vor einem Crash gewarnt: „Wenn es aussieht wie eine Blase, ist es dann eine?“

  • Wertentwicklung Bitcoin-Dollar

In einer aktuellen Studie weist Dr. Guido Zimmermann darauf hin, dass die Anzahl technisch möglicher Bitcoins auf 21 Millionen begrenzt ist. „Viel zu wenig, um als weltweites Zahlungsmittel eingesetzt werden zu können“, schreibt der Analyst. Zudem wirke die begrenzte Geldmenge deflationär. Moderne Volkswirtschaften benötigten bei einer steigenden Anzahl von Transaktionen aber eine steigende Geldmenge.

Nach dem dramatischen Kursverfall der Bitcoinwährung in den vergangenen Monaten könne der Kryptowährungsmarkt nun aber beweisen, ob virtuelle Währungen tatsächlich einen Mehrwert für die reale Wirtschaft leisten können. Der aktuelle Crash sei damit womöglich gut für die Assetklasse Krypto insgesamt, so der Autor: „Der seit Monaten zu beobachtende Verfall des Bitcoins hat folglich auch Vorteile.“

Profis brauchen Sicherheit

Denn erstens trenne sich nun die Spreu vom Weizen. Momentan herrsche im Markt „wilder Westen“: zu viele Geschäftsideen, die durch ein unreguliertes oder gar unseriöses Funding – sogenannte Initial Coin Offerings – finanziert würden. Zweitens müssten sich professionelle Anbieter, die an einem regulatorisch sauberen Kryptohandel arbeiten, nicht länger vorwerfen lassen, sich lediglich an der Bitcoinspekulation beteiligen zu wollen.

Nach wie vor ungelöst sind die Probleme des hohen Energieverbrauchs beim Generieren der Bitcoins, der mangelnden Geldfunktion sowie der Konkurrenz durch andere Krypto-Token. Darüber hinaus würden professionelle Investoren aber vor allem regulatorische Sicherheit und ausreichende Liquidität der handelbaren Assets verlangen.

An alldem mangelt es derzeit. LBBW Research geht davon aus, dass Börsen daher verstärkt versuchen werden, sowohl regulatorische Sicherheit als auch Liquiditätspools anzubieten. Insofern begrüßen die Volkswirte auch die Überlegungen des Bundesfinanzministeriums, stärkere regulatorische Rahmen zu setzen.

Die Zukunft gehört der Blockchain

Grundsätzlich sei die Zukunft der Blockchaintechnologie jedoch vielversprechend. Die Technologie biete – wenn vernünftig aufgesetzt – gleich eine ganze Reihe von Chancen. Zimmermann verweist beispielsweise auf den sicheren Datenaustausch und Mikrozahlungen zwischen Maschinen im Zusammenhang mit Industrie 4.0. Weitere interessante Anwendungsbereiche würden sich eröffnen, wenn eine Kryptowährung an eine traditionelle Währung wie den Euro geknüpft wäre oder sogar gleich von einer Zentralbank herausgegeben würde. Dann ließen sich auch traditionelle Vermögenswerte wie Aktien oder Währungen digital über eine Blockchain handeln. Weitere Einsatzgebiete werden von privaten, akademischen und staatlichen Institutionen gerade engagiert entwickelt. Ob aus diesen theoretischen Anwendungsmöglichkeiten am Ende Geschäftsmodelle mit positiven Nettoerträgen werden, werden die kommenden Monate zeigen.

Die gesamte Studie finden Sie hier:

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