25.06.2026
Thema des Quartals: Wohnen in Baden-Württemberg
Allgemein macht sich ein Gefühl von Wohnungsnot breit.
BW Quarterly Ausgabe Q2/2026
- Von: Benedikt Horwedel, Junior Analyst
Nach Umfragen vom Jahresbeginn sehen die Bürgerinnen und Bürger in Baden-Württemberg den Themenkomplex „Wohnen und Mieten“ als eines der drängendsten Probleme im Land. Nicht nur neuerlich höhere Mieten und Häuserpreise machen den Menschen im Südwesten zu schaffen. Vielmehr belasten sie zusätzlich zu hohe Refinanzierungskosten und noch schneller steigende Baupreise – im ersten Quartal 2026 nahmen sie um 4,1 % im Vergleich zum Vorjahresquartal zu. Zugleich erreicht der durchschnittliche Bedarf an Wohnfläche pro Einwohner im Land jährlich neue Rekordwerte. 2024 lag er bei 49 Quadratmetern.
Allgemein macht sich ein Gefühl von Wohnungsnot breit. Im Jahr 2024 sank die Leerstandsquote in Baden-Württemberg auf 1,0 % – eine der geringsten im Bundesländervergleich. Das Problem ist seit langem bekannt. Bestehender Wohnraum ist rar, und neuer entsteht zu wenig. Und daran wird sich auf absehbare Zeit kaum etwas ändern. Nach einem längeren Erholungstrend in den 2010er-Jahren brachen die Genehmigungen für den Bau neuer Wohnungen in den zurückliegenden Jahren deutlich ein (siehe Abb. 8). Zuletzt gab es immerhin Anzeichen dafür, dass die Talsohle durchschritten ist. Auf monatlicher Basis ist eine Besserung zu erkennen. Trotzdem werden die Fertigstellungen in den kommenden Jahren nicht an die Niveaus aus der Zeit vor der Coronapandemie heranreichen. Was sagt der Koalitionsvertrag zu diesem Thema?
Abb. 8: Anzahl neu genehmigter Wohnungen in BW
nach Jahren
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Sozialer Wohnungsbau als Lösungsansatz
Einkommensschwächeren Haushalten könnte der soziale Wohnungsbau zugutekommen. In diesem Bereich sind die Bewilligungen und die Fördersummen zuletzt deutlich gestiegen. Die Gesamtzahl der Sozialmietwohnungen bleibt jedoch auf verhältnismäßig niedrigem Niveau (siehe Abb. 9). Immerhin: Knapp 3.400 neu bewilligte Sozialwohnungen im Jahr 2025 stellen einen Anstieg um 43 % gegenüber dem Vorjahr dar. Die Fördersumme stieg um 25 % auf mehr als 800 Mio. EUR. 2026 soll sie die Marke von 1 Mrd. EUR übersteigen.
Auch die neue Landesregierung will offenbar einen Schwerpunkt auf den Ausbau von sozialverträglichem und bezahlbarem Wohnraum legen. Zudem will sie Akzente für den Ersterwerb von Wohnraum setzen – hier verweist der Koalitionsvertrag jedoch hauptsächlich auf den Bund. Immerhin lassen sich einige wichtige Impulse hinsichtlich der Umsetzungsdauer und der Hürden bei Neu- und Umbauprojekten herauslesen.
Abb. 9: Sozialwohnungen in Baden-Württemberg
Anzahl (linke Skala) und Anteil (rechte Skala in % aller Wohnungen)
Ein Problem im Zusammenhang mit der Wohnraumknappheit ist die Leistbarkeit. Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) prognostiziert für die meisten Regionen Baden-Württembergs einen realen Anstieg der Preise für Wohnimmobilien bis 2035.
Dementsprechend scheint es wenig überraschend, dass die Mietbelastungsquote in Gemeinden mit 50.000 Einwohnern und in solchen mit mehr als 500.000 Einwohnern nahezu gleich bleibt – im Jahr 2022 lag sie bei rund 29 %. Trotz der etwas älteren Daten wird auch hier ersichtlich, wo schnelle Lösungen gefragt sind. Unabhängig von der Gemeindegröße müssen Haushalte mit niedrigem Einkommen einen ungleich höheren Anteil für Mieten ausgeben als Besserverdienende (Abb. 10).
Abb. 10: Mietbelastungsquote nach Haushaltsnettoeinkommen
Fazit: Von der Politik ist mehr Mut gefragt
In dem jüngst veröffentlichten Koalitionsvertrag von Grünen und CDU sind gute Ansätze für die kommende Legislaturperiode zu finden: mehr Digitalisierung, eine Verschlankung der Prozesse, ein Abbau bürokratischer Hürden und vereinfachte Baunormen. Weniger konkret sind die Pläne hinsichtlich der Mittel, die dafür aufgewendet werden sollen. Die Dringlichkeit der Wohnthematik scheint bei der Politik durchaus angekommen zu sein. Abzuwarten bleibt, wie die beiden Regierungsparteien ihr Verständnis von Chancengleichheit, wirtschaftlicher Freiheit und sozialer Gerechtigkeit unter einen Hut bringen. Die Politik ist deshalb gefragt, weil in den vergangenen Jahren vor allem einkommensschwache Bevölkerungsgruppen unter der abnehmenden Erschwinglichkeit von Wohnraum und fehlenden Sozialwohnungen gelitten haben.
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