25.06.2026

Wirtschaft in Baden-Württemberg

Baden-Württemberg steckt in einer tiefen Strukturkrise. Die Stimmung der baden-württembergischen Unternehmen hat sich weiter eingetrübt.

Stadtansicht Stuttgart Schlossplatz
Stadtansicht Stuttgart Schlossplatz

BW Quarterly Ausgabe Q2/2026

  • Von: Dr. Guido Zimmermann, Senior Economist

2026: Stagnation in der Strukturkrise

Die Stimmung der baden-württembergischen Unternehmen hat sich weiter eingetrübt. Das geht aus dem monatlichen L-Bank-ifo-Konjunkturtest hervor, mit dem die L-Bank das Geschäftsklima für die Gesamtwirtschaft Baden-Württembergs misst. Der Konjunkturtest spiegelt die Stimmung der Unternehmen in Baden-Württemberg wider.

Die konjunkturelle Einschätzung in Baden-Württemberg hat sich gegen den Bundestrend entwickelt: Während sich das Geschäftsklima in Deutschland zuletzt etwas aufgehellt hat, ist der L-Bank-ifo-Geschäftsklimaindex (Abb. 1) im Südwesten von -15 auf -17 Punkte zurückgegangen. Ausschlaggebend für diese Entwicklung sind vor allem die Erwartungen der Südwestunternehmen für die kommenden Monate, die vor dem Hintergrund des Irankriegs und seiner wirtschaftlichen Folgen weiter nachgegeben haben. Mit einem Indexwert von -23 Punkten sind die Geschäftserwartungen so schlecht wie seit Februar 2025 nicht mehr. Sie spiegeln eine anhaltend hohe Unsicherheit wider. Die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage bleibt hingegen nahezu unverändert, sodass sich die konjunkturelle Schwäche im Land derzeit vor allem in den getrübten Zukunftsaussichten zeigt.

Abb. 1: L-Bank-ifo-Geschäftsklimaindex Baden-Württemberg

Quelle: L-Bank, LBBW Research

Der L-Bank-ifo-Geschäftsklimaindex Baden-Württemberg wird monatlich auf Basis der Zahlen des ifo-Konjunkturtests und des GfK-Konjunkturklimas erstellt und umfasst sowohl eine Lage- als auch eine Erwartungskomponente.

Im verarbeitenden Gewerbe hat das Geschäftsklima gegenüber April spürbar nachgegeben. Mehr als ein Viertel der Unternehmen rechnet mit Geschäftsrückgängen im kommenden halben Jahr, nur jedes elfte mit Zuwächsen. Vom Exportgeschäft erwarten die Firmen nur vereinzelt positive Impulse. Weiterhin wollen etliche Unternehmen Personal abbauen, allerdings seltener als in den zurückliegenden Monaten. Die Preiserwartungen ziehen weiter an.

Die Exporterwartungen der baden-württembergischen Industriebetriebe haben sich in den beiden vergangenen Monaten leicht verbessert. Während sich die Stimmung im Maschinenbau und in der Kfz-Branche etwas aufhellt, kommt es allerdings bei den Chemieunternehmen zu einem deutlichen Einbruch von +39 auf -8 Punkte. Während sich die Ausfuhren in die USA und nach China erneut rückläufig entwickelten, waren insbesondere bei den Exporten in die Schweiz und in das Vereinigte Königreich deutliche Zuwächse zu verzeichnen.

Der L-Bank-GfK-Konjunkturklimaindex fiel im Mai auf -20 Punkte und markierte damit den niedrigsten Stand seit zwei Jahren. Insgesamt deutet sich damit an, dass die gestiegene Unsicherheit und die zunehmenden Preissorgen die Konsumneigung der privaten Haushalte in den kommenden Monaten weiter dämpfen werden.

Die DIHK kommt in ihrer Frühjahrsumfrage zur deutschen Konjunktur zu dem Schluss, dass die Energie- und Bürokratiekosten inzwischen auch in Baden-Württemberg die Hauptsorgenkinder der Wirtschaft sind. Hauptgeschäftsrisiken für die Unternehmen sind die Inlandsnachfrage und die hohen Arbeits-, Energie- und Rohstoffkosten. Investitionen finden vor allem wegen Ersatzbedarfs statt. Im ersten Quartal 2026 konnte die baden-württembergische Wirtschaft allerdings um 0,8 % im Vergleich zum Vorquartal zulegen und rangiert damit im Bundesländervergleich auf Platz 3 (siehe Abb. 3).

Abb. 3: BIP-Wachstum Q1 2026

Bundesland qoq (%)
Berlin 0,9
Brandenburg 0,9
BW 0,8
RP 0,8
Sachsen 0,7
Thüringen 0,7
Hessen 0,5
MVP 0,4
Bayern 0,3
Sachsen-Anhalt 0,3
Bremen 0,2
Saarland 0,2
NRW -0,1
Niedersachsen -0,2
Hamburg -0,5
Schleswig-Holstein -0,6

Quelle: ifo , LBBW Research

Unsere Einschätzung für die Wirtschaftsleistung des Landes fällt vor diesem negativen Hintergrund weiterhin sehr nüchtern aus. Wir mussten aufgrund der starken Gegenwinde unsere Wachstumsprognose für 2026 von 0,7 % markant senken. Das LBBW Research prognostiziert für 2026 ein „Nullwachstum“ – also absolute Stagnation. 2027 wird es mit einer Veränderungsrate des realen BIP von 0,7 % (Deutschland 0,8 %) wieder etwas besser. Damit liegt Baden-Württemberg auf dem drittletzten Platz unter den zwölf betrachteten Bundesländern (Abb. 2).

Abb. 2: LBBW-Konjunkturprognosen im Bundesländervergleich

Quelle: LBBW Research

Baden-Württemberg befindet sich in einer ausgewachsenen Strukturkrise. Es wird viel Anstrengung brauchen, sich aus dieser Lage herauszukämpfen. Dazu bedarf es politischer Impulse – allen voran eines Abbaus der Bürokratie sowie der Verbesserung der (digitalen) Infrastruktur.

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