25.06.2026

Wirtschaft in Deutschland

Deutschlands Konjunktur hat im ersten Quartal überraschend zugelegt. Das BIP wuchs gegenüber Vorquartal um 0,3 %.

Zinskurve mit mit einem Kugelschreiber überprüft
Zinskurve mit mit einem Kugelschreiber überprüft

BW Quarterly Ausgabe Q2/2026

  • Von: Dr. Jens-Oliver Niklasch, Senior Economist

Eine der seltenen positiven Überraschungen zur deutschen Konjunktur gab es im ersten Quartal 2026 zu vermelden: Um immerhin 0,3 % hat die Wirtschaftsleistung gegenüber dem Vorquartal zugelegt (Abb. 4). Das war deutlich besser als im Durchschnitt des Euroraums – dort sank die Wirtschaftsleistung um 0,2 %, vor allem infolge eines Rückgangs in Irland um mehr als 12 %, der allerdings buchhalterische Gründe hatte.

Vor allem der staatliche Konsum sowie der Außenhandelsüberschuss haben das BIP-Wachstum in Deutschland gestützt. Beobachter erklären das unter anderem mit Vorzieheffekten. Durch die Schließung der Straße von Hormus nach dem Angriff Israels und der USA auf Iran gelten die internationalen Lieferketten als gefährdet – nicht nur für Rohöl und dessen Derivate. Das dürfte viele Unternehmen dazu veranlasst haben, Bestellungen vorzuziehen, ehe Preise (und Mengen) reagieren.

Abb. 4: BIP-Wachstum

BIP-Wachstum BWQ 2026 2
Quelle: LSEG, LBBW Research

Für das gesamte BIP-Wachstum im zweiten Quartal gibt es bislang keine verlässliche Indikation, aber zumindest ein Nachlassen des Wachstumstempos halten wir für wahrscheinlich.

Die Inflation hat nach Beginn des Irankrieges schnell reagiert. Sie betrug im Februar noch 1,9 %, der zuletzt verfügbare Wert (Mai) lag bereits bei 2,7 %. Dabei hätte die Inflation sogar noch etwas höher ausfallen können, wenn nicht eine auf zwei Monate befristete Senkung der Steuer auf Kraftstoffe für Entlastung gesorgt hätte. Aber der Anstieg kommt dann im Juli, wenn der sogenannte Tankrabatt ausläuft. Danach dürfte es mit einer Inflationsrate von 3 % oder mehr (zum jeweiligen Vorjahresmonat) weitergehen. Im Einzelnen hängt das aber davon ab, ob sich der nun angekündigte Friedensschluss als verlässlich erweisen wird und ob es Zweitrundeneffekte gibt. Bereits jetzt hat rund jedes dritte deutsche Unternehmen angekündigt, seine Absatzpreise in den kommenden sechs Monaten zu erhöhen.

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