05.08.2026
Hitzewelle wird zum Konjunkturrisiko
Kapitalmärkte Daily | Eine extreme Hitzewelle mit Rekord-Niedrigwasser am Rhein wird zunehmend zum ernsten Risiko für Europas Konjunktur.
Immer aktuell informiert: Kapitalmärkte Daily
- Niedrigwasser treibt Transportkosten nach oben
- Auswirkungen auf Konjunktur und Inflation zu erwarten
- DAX erreicht erneut Rekordstand
Niedrigwasser behindert Transport
Eine Hitzewelle hat große Teile Europas fest im Griff und wird immer mehr zu einem ernsthaften Problem für die Konjunktur. Die Hitze in Verbindung mit Trockenheit sorgt für Niedrigwasser an Rhein und Donau. An der Messstelle Kaub in Rheinland-Pfalz wurde ein neuer Rekordtiefstand des Rheinpegels erreicht. Damit wurde der bisherige Negativrekord aus dem Jahr 2018 eingestellt. Der Flussabschnitt bei Kaub ist eine bekannte Engstelle für die Rheinschifffahrt. Sinken die Pegelstände zu stark ab, führt dies zu Behinderungen beim Gütertransport und entsprechend zu höheren Transportkosten. Laut Bloomberg sind die Kosten für den Transport von Diesel von Rotterdam nach Karlsruhe bereits auf den höchsten Stand seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2009 gestiegen.
Der Pegelstand des Rheins am Messpunkt Kaub sank diese Woche auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1880.
Das Niedrigwasser stellt ein ernsthaftes Risiko für die deutsche Wirtschaft dar. Für das Dürrejahr 2018 hatte das Kieler Institut für Weltwirtschaft ausgerechnet, dass das Niedrigwasser das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um 0,4 Prozentpunkte gedämpft hatte. Der Kieler Forscher Stefan Kooths schätzt, dass das aktuelle Niedrigwasser das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal um 0,1 % bis 0,2 % dämpfen könnte. Die höheren Transportkosten sowie Lieferengpässe bei Vorprodukten und Rohstoffen erzeugen zudem zusätzlichen Inflationsdruck. Dies kommt zu den preistreibenden Effekten der angesichts der Trockenheit zu erwartenden Ernteausfälle hinzu.
Energiekrise in Ungarn
In Ungarn zieht die Hitzewelle laut Ministerpräsident Peter Magyar sogar eine „beispiellose Energiekrise“ im Land nach sich. Die anhaltende Hitze und der sinkende Pegelstand der Donau sorgen für massive Probleme. Das Atomkraftwerk Paks musste abgeschaltet werden. Fast die Hälfte des benötigten Stroms fällt in Ungarn plötzlich weg. Große Unternehmen wurden zum Stromsparen aufgerufen. Bei Nichtbeachtung könnten die Firmen vorübergehend sogar vom Netz genommen werden. Auch wenn die Situation noch nicht so dramatisch wie in Ungarn ist, meldeten Länder wie Frankreich, die Schweiz oder Rumänien ebenfalls, dass sie Kernreaktoren wegen des fehlenden Kühlwassers heruntergefahren haben.
Und wieder ein neuer DAX-Rekord
Der DAX startete gestern optimistisch in den Handelstag und markierte bei 26.266,5 Punkten erneut ein neues Rekordhoch. Im Tagesverlauf wurden die Gewinne wieder kleiner, zur Schlussglocke notierte der deutsche Aktienindex aber immer noch über 26.200 Zählern. Im Mittelpunkt stehen weiterhin die Aussicht auf eine Verhandlungslösung im Nahen Osten sowie die Berichtssaison der Unternehmen. An der Wall Street wurde der Quartalsbericht von SpaceX mit Spannung erwartet. SpaceX hat seinen Umsatz nahezu verdoppelt, getrieben vor allem durch das starke Wachstum von Starlink. Allerdings sorgten die enormen Investitionsausgaben – insbesondere für KI-Rechenzentren – unterm Strich für einen Verlust.
Heute ISM-Index
Die Veröffentlichung des Einkaufsmanagerindex des Institute for Supply Management für den Dienstleistungssektor geben heute Einblick in die Konjunkturentwicklung in den USA. Im Vorfeld des offiziellen US-Arbeitsmarktberichtes am Freitag dürften die heute anstehenden Daten zum US-Arbeitsmarkt von ADP auf Interesse stoßen. Zudem läuft die Berichtssaison weiter auf Hochtouren.
Von: Dr. Katja Müller, Senior Economist
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