21.04.2026

Ikone kehrt zurück: Otto Dix „Bildnis der Tänzerin Anita Berber“ in Berlin

„Ruin und Rausch. Berlin 1910 – 1930“ beleuchtet mit rund 35 Werken der Klassischen Moderne die widersprüchliche Atmosphäre des damaligen Berlins.

Otto Dix Bildnis der Tänzerin Anita Berber 1925
Otto Dix Bildnis der Tänzerin Anita Berber 1925

„Ruin und Rausch. Berlin 1910–1930“
Mit „Bildnis der Tänzerin Anita Berber“
von Otto Dix aus der Sammlung LBBW
Neue Nationalgalerie | 25. April 2026 – 3. Januar 2027

Das Gemälde „Bildnis der Tänzerin Anita Berber“ von Otto Dix aus dem Jahr 1925 gehört zu den gefragtesten Werken der Sammlung LBBW. Für kaum ein anderes Bild werden so viele Leihanfragen gestellt, und nur wenige Kunstwerke aus der Sammlung haben eine ähnlich eindrucksvolle internationale Ausstellungsgeschichte: So war Anita Berber 2010 in der Ausstellung „Otto Dix“ in der Neuen Galerie in New York (ein Museum für deutsche und österreichische Kunst und Design des frühen zwanzigsten Jahrhunderts), 2022 im Rahmen der Ausstellung „Allemagne / Années 1920 / Nouvelle Objectivité / August Sander“ im Centre Pompidou in Paris zu sehen und zuletzt 2025 in der Ausstellung „Die Neue Sachlichkeit – Ein Jahrhundertjubiläum“ in der Kunsthalle Mannheim. Ihre eigentliche „Heimat“ ist das Kunstmuseum Stuttgart, wo das Gemälde als Dauerleihgabe in eigens nach der LBBW benannten Otto-Dix-Räumen der Öffentlichkeit präsentiert wird. Da das Kunstmuseum Stuttgart derzeit aufgrund umfassender Renovierungsarbeiten geschlossen bleibt, setzt Anita Berber ihre Reise nun fort – und kehrt symbolisch an den Ort zurück, an dem ihre Karriere begann: nach Berlin.

Otto Dix Bildnis der Tänzerin Anita Berber 1925

Otto Dix: Bildnis der Tänzerin Anita Berber, 1925. ©VG Bild-Kunst, Bonn 2021. Foto: Frank Kleinbach

Ikone der Weimarer Zeit

Dix’ Bildnis von Anita Berber gilt heute als eine Ikone der Weimarer Republik. In der für die Neue Sachlichkeit typischen, schonungslos präzisen Bildsprache verbindet das Gemälde porträthafte Genauigkeit mit einem scharfen Kommentar zur Gesellschaft der sogenannten Goldenen Zwanziger. Die exzessive Pose, die zugespitzte Gestik und die radikale Farbigkeit machen das Werk zu einem Sinnbild der modernen Großstadtkultur – zwischen Rausch, Selbstinszenierung und innerer Verletzlichkeit.

Jüngere Ausstellungen haben dabei verstärkt die Person Anita Berber selbst in den Fokus gerückt: Sie war nicht nur skandalumwitterter Star der Berliner Szene, sondern auch eine prägende Figur des modernen Ausdruckstanzes, eine außergewöhnliche Schauspielerin und zugleich eine Künstlerin, die immer wieder mit Geldnot und prekären Lebensverhältnissen zu kämpfen hatte. Das Gemälde lässt diese Spannungen spürbar werden und macht Berber als Person ihrer Zeit und zugleich als zeitlose Projektionsfigur moderner Weiblichkeit sichtbar.

Hannah Höch, Schnitt mit dem Küchenmesser

Hannah Höch, Schnitt mit dem Küchenmesser Dada durch die letzte Weimarer Bierbauch-Kulturepoche Deutschlands, 1919
Neue Nationalgalerie. Foto: Jörg P. Anders, © VG Bild-Kunst Bonn, 2026

„Ruin und Rausch. Berlin 1910–1930“ in der Neuen Nationalgalerie

Die von Dr. Uta Caspari und Irina Hubert-Grun kuratierte Ausstellung „Ruin und Rausch. Berlin 1910 – 1930“ (25. April 2026 – 3. Januar 2027) in der Neuen Nationalgalerie beleuchtet mit rund 35 Werken der Klassischen Moderne die widersprüchliche Atmosphäre des damaligen Berlins – zwischen Glanz und Elend, Freiheit und politischem Extremismus, Rausch und Ruin. In drei Kapiteln werden die Dynamik der Großstadt mit Architektur, Verkehr und Nachtleben, das soziale Elend nach dem Ersten Weltkrieg sowie neue Rollenbilder urbaner Frauen und queeres Leben künstlerisch thematisiert.

Ein Schlüsselwerk der Präsentation ist die Leihgabe aus der Sammlung LBBW:

„Bildnis der Tänzerin Anita Berber“ von Otto Dix (1925). Das Gemälde steht exemplarisch für das exzessive Großstadtleben der Weimarer Zeit, vereint stilbildende Neue Sachlichkeit, gesellschaftskritische Schärfe und das Bild einer radikal modernen, selbstbestimmt auftretenden Frau – und bildet damit einen zentralen Bezugspunkt innerhalb der Ausstellung.

Die Schau versammelt überwiegend Gemälde und Skulpturen aus der Sammlung der Neuen Nationalgalerie. Die Neue Nationalgalerie zählt mit rund 600.000 Besucherinnen und Besuchern pro Jahr zu den meistbesuchten Kunstmuseen Berlins. Die Sammlung LBBW freut sich daher besonders, dass das Bildnis der Anita Berber in unmittelbarer Nachbarschaft zu Werken bedeutender Künstlerinnen wie Tamara de Lempicka, Jeanne Mammen und Lotte Laserstein präsentiert wird – und auf diese Weise einem großen, kunstinteressierten Publikum in Berlin zugänglich ist.

Lotte Laserstein, Abend über Potsdam, 1930

Lotte Laserstein, Abend über Potsdam, 1930
Neue Nationalgalerie. Foto: Roman März © VG Bild-Kunst Bonn, 2026

„Ruin und Rausch. Berlin 1910–1930“ in der Neuen Nationalgalerie

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