11.02.2026

Lange Nacht der Museen: LBBW zeigt Ausstellung „Bildstörung“

Auf der Langen Nacht der Museen 2026 in Stuttgart zeigt Kuratorin Birgit Wiesenhütter Werke, die unsere Wahrnehmung herausfordern.

Volker Hildebrandt, Rosa Zimmer, 1997, Zuschnitt
Volker Hildebrandt, Rosa Zimmer, 1997, Zuschnitt

Lange Nacht der Museen in Stuttgart | Samstag, 21. März BW-Bank am Kleinen Schlossplatz

U.a. mit Werken von:

Volker Hildebrandt, Viktoria Binschtok, Nina Canell, Julian Charrière/Julius von Bismarck, Thomas Putze, Martha Rosler, Jonas Roßmeißl.

Volker Hildebrandt, Rosa Zimmer, 1997
Volker Hildebrandt, Rosa Zimmer, 1997 © Volker Hildebrandt/VG Bild-Kunst, Bonn 2026, Foto: Rainer Rosenow.

Auch 2026 beteiligt sich die Sammlung LBBW wieder an der Langen Nacht der Museen in Stuttgart. Am 21. März wird es ab 18 Uhr am Kleinen Schlossplatz im Hauptsitz der BW-Bank neben Einblicken in die Kunstausstattung die Ausstellung „Bildstörung“ von Birgit Wiesenhütter zu sehen geben.

Die Werke in der Ausstellung zeigen unterschiedliche Arten von Bildstörungen: Unterbrechungen der Lesart, Hindernisse für unsere Wahrnehmung, irritierende Hinzufügungen, Kommentare zu Massenmedien verbunden mit der Frage nach der Wahrheit in Bildern ‒eine Frage, die nicht zuletzt durch die technische Entwicklung der letzten Jahre brisant geworden ist.

Im Werk von Volker Hildebrandt nimmt die „Bildstörung“, wie wir sie als Phänomen aus dem analogen Fernsehen kennen, einen zentralen Platz ein. Das Flimmern und Rauschen, das am Ende der offiziellen Sendezeit durch den Äther auf den Bildschirm kam, war das, was das Medium selbst erzeugte, wenn kein Bild gesendet wurde. Für Volker Hildebrandt, der zur ersten Generation gehört, die mit dem Massenmedium Fernsehen aufgewachsen sind, waren es seinerzeit DIE Fernsehbilder: die einzigen Bilder, die das Medium selbst produziert, die einzigen „wahren“ Fernsehbilder, „ein Abbild der Fernsehrealität, die ihrerseits vorgibt ein Abbild der Realität zu sein“ wie der Künstler sagt. Leinwände, Zeitungen und Gegenstände überzieht er mit den schwarz-weiß-grauen Punkten einer Bildstörung und kommentiert damit das Medium Fernsehen in der traditionellen Gattung der Malerei. In der Arbeit „Rosa Zimmer“ (1997) überzieht er eine ganze Zimmereinrichtung mit dem Flimmern und Rauschen der Punkte. Konturen und Dimensionen werden in der Installation unkenntlich und kaum mehr wahrnehmbar, alles verschwimmt, unsere Wahrnehmung ist überfordert.

Volker Hildebrandt, P 20, 1996
Volker Hildebrandt, P 20, 1996 © Volker Hildebrandt/VG Bild-Kunst, Bonn 2026

In einer anderen Serie beschäftigte sich Hildebrandt mit den verschlüsselten Bildern des Pay-TV-Senders Premiere. Die codierten Bilder erscheinen ohne Decoder absichtlich gestört. Der Künstler zeigt sie als Standbild beispielsweise in der Arbeit „P 20“ (1996) und sagt darüber: „Es sind die einzigen Bilder im gesamten Bildkomplex Fernsehen, die Phantasie erfordern. (…) Zudem sind es richtige Fernsehbilder, d. h. sie sind aus der Grundstruktur „Bildstörung“ gebildet und zusätzlich noch bewusst gestört.“ Hier liegt also eine Bildstörung im doppelten Sinne vor.

Eine andere Form der Bildstörung erzeugt Viktoria Binschtok in der Serie „Clusters“, in der die Künstlerin im Internet gefundenes Bildmaterial mit ihren eigenen Fotografien kombiniert. Sie speist Bilder aus ihrem eigenen Archiv in eine Bild-zu-Bild-Suchmaschine ein, um zu sehen, welche formal ähnlichen Bilder die Algorithmen assoziieren. Die Ergebnisse dieser automatisierten Suche bilden dann die Grundlage für eine weitere Fotografie des Motivs, wobei Raum für Änderungen und digitale Bearbeitung bleibt. Die Kombination und Manipulation des gefundenen Bildmaterials führen zu einer neuen Lesart. Bilder aus völlig anderen Kontexten werden verknüpft: für „Cherry Blossom“ (2020) beispielsweise ein Ausschnitt eines rosa blühenden japanischen Kirschbaums mit einem Ausschnitt aus einer Deutschlandkarte – beide Bilder ergänzen sich in Farbe und Form, haben aber inhaltlich nichts miteinander zu tun. Welches davon aus dem Netz stammt und welches aus dem Archiv der Künstlerin, bleibt offen. Herkunft und Urheberschaft spielen keine Rolle mehr, das Einzelbild verliert seine Einzigartigkeit und wird Teil eines Systems. In „Cluster“ erscheint das Internet weniger als Kommunikationsraum, sondern als Datenlager. Die Hierarchielosigkeit des Internets, das Bilder aus ganz unterschiedlichen Kontexten gleichwertig nebeneinanderstellt, ohne nach Sinn, Herkunft und Inhalt zu fragen, wird offenkundig.

Viktoria Binschtok, Cherry Blossom, 2020
Viktoria Binschtok, Cherry Blossom, 2020 © Viktoria Binschtok

Die Serie „Home Beautiful: Bringing the War Home“ von Martha Rosler entstand zwischen 1967 und 1972 während des Vietnamkriegs, der als „Wohnzimmerkrieg“ bekannt wurde, da er der erste Krieg war, der über das Fernsehen in den Wohnzimmern aus sicherer Entfernung mitverfolgt werden konnte. Zunächst waren die 20 Fotomontagen als agitatorischer Akt der Künstlerin gedacht und nicht als Kunst und wurden vor allem auf Flugblättern verbreitet. Die Bildstörung liegt hier ganz offensichtlich in dem Eingriff, den Rosler bei Bildern aus Interior-Magazinen (vor allem dem namensgebenden „Home Beautiful“) vornimmt: In das traute Heim halten brutale Bilder des Krieges Einzug, die oft aus dem LIFE-Magazin stammten: Als Ausblick aus dem Fenster wie in „Boy’s Room“, oder in Form von Soldaten, deren Anwesenheit in einer modernen amerikanischen Küche surreal anmutet, wie in „Red Stripe Kitchen“. Damit verbindet Rosler zwei gänzlich unterschiedliche Welten und macht deutlich, dass beide Wirklichkeiten zusammengehören.

Bildstörungen lassen uns in der gewohnten Rezeption von Bildern innehalten und werfen Fragen auf. Immer schon haben Künstlerinnen und Künstler mit ihren Werken unsere Wahrnehmung irritiert, haben das, was wir sehen, in Frage gestellt. Unsere Wahrnehmung der Welt ist heute vor allem geprägt von Bildern technischer Medien. „Was ist daran echt, was nicht? Welchen Einfluss haben sie auf uns? Bildstörungen machen manches davon fassbar. Und vielleicht würde man sich heute auch einmal eine echte Bildstörung aus dem analogen Fernsehen wünschen, eine Unterbrechung des Datenstroms und der Bilderflut, eine Pause, die einen innehalten lässt“, so die Kuratorin Birgit Wiesenhütter.

Jetzt Tickets für die Lange Nacht 2026 in Stuttgart kaufen und die „Bildstörung“ am Kleinen Schlossplatz besuchen!

Führungen von 18:10-1:00 Uhr, alle 10 Min., Dauer: ca. 30 Min.
Performance von Künstler Thomas Putze und Cellist Winfried Stürzl um 19, 20 und 21 Uhr

Zu den Tickets

Rückblick: Lange Nacht der Museen 2025 in der BW-Bank am Kleinen Schlossplatz:

1200

Besucherinnen und Besucher

40

Führungen

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Stephan Schorn

Stephan Schorn

Leiter Gesellschaftliches Engagement der LBBW & Geschäftsführer der LBBW-Stiftung

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