09.04.2026

Werke der Sammlung LBBW in der Ausstellung „Das kalte Herz“ erleben

Das Kunstmuseum Stuttgart präsentiert eine Ausstellung, die Wilhelm Hauffs Märchen »Das kalte Herz« (1827) erstmals im Kontext zeitgenössischer Kunst beleuchtet.

Rosemarie Trockel, Ohne Titel (What-if Could-be), 1990
Rosemarie Trockel, Ohne Titel (What-if Could-be), 1990

Das kalte Herz
Mit Leihgaben von Troika, Tracey Emin und Rosemarie Trockel
aus der Sammlung LBBW
Kunstmuseum Stuttgart im Kunstgebäude | 18.04.2026 – 04.10.2026

„Aber sein Herz freute sich nicht; denn es war ein steinern Herz, das in seiner Brust lag. Er war kalt und ohne Liebe gegen alle Menschen, und doch konnte er sich an Gold und Gut nicht satt sehen.“ (Das kalte Herz, Wilhelm Hauff, 1827)

Das Kunstmuseum Stuttgart präsentiert im Kunstgebäude am Schlossplatz eine Ausstellung, die Wilhelm Hauffs Märchen »Das kalte Herz« (1827) erstmals umfassend im Kontext zeitgenössischer Kunst beleuchtet.

Ausgehend von der Erzählung wird die Beziehung von Identität und sozialer Stellung in Zeiten gesellschaftlichen Wandels in den Fokus gerückt. Wilhelm Hauff beschreibt die frühen Auswirkungen von Industrialisierung und beschleunigtem Kapitalismus zu Beginn des 19. Jahrhunderts als individuelle Geschichte von Geldgier, emotionaler Kälte und sozialer Isolation. Im Zentrum des Märchens steht die Figur des Köhlers Peter Munk, der aus Sehnsucht nach Reichtum sein lebendiges Herz gegen ein gefühlloses steinernes eintauscht – und dabei seine Menschlichkeit zu verlieren droht. Hauffs Märchen fungiert als Allegorie auf eine Welt im Umbruch: Überkommene moralische Vorstellungen geraten ins Wanken, materielle Ansprüche wachsen und mit ihnen die Angst, gesellschaftliche Zugehörigkeit und Anerkennung zu verlieren.

Vor diesem Hintergrund präsentiert die Ausstellung Werke zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler, die sich thematisch mit Hauffs Märchen auseinandersetzen.

Aus der Sammlung der LBBW, die eine langjährige Partnerschaft mit dem Kunstmuseum Stuttgart verbindet, sind gleich mehrere Kunstwerke als Leihgaben in der Ausstellung zu sehen.

Tracey Emin, Love poem for C.F., 1993 – 1997.
Tracey Emin, Love poem for C.F., 1993 – 1997. © VG Bild-Kunst, Bonn, Foto: Sammlung LBBW

In der Neonskulptur „Love Poem for C.F.“ von Tracey Emin trifft die kühle, industrielle Materialität von Neonröhren auf eine höchst persönliche Botschaft: ein Liebesgedicht, das die Künstlerin in den 1990er Jahren an ihren ehemaligen Partner Carl Friedmann schrieb.

Emin transformiert Neonröhren, die ursprünglich für kommerzielle Leuchtreklamen gedacht sind, in ein zutiefst emotionales Medium. Durch die Wiedergabe ihrer eigenen krakeligen Handschrift erhalten die leuchtenden Worte eine unmittelbare, intime Präsenz.

Typisch für ihr Œuvre sind stark autobiografische Themen wie Intimität, Verletzlichkeit, Sexualität und Erinnerung, die Emin in unterschiedlichen Medien – von Installation und Text bis hin zu Zeichnung und Skulptur – immer wieder neu verhandelt.

Troika, Irma Watched Over by Machines, 2020.
Troika, Irma Watched Over by Machines, 2020. © die KünstlerInnen, Foto: Dirk Tacke

In Ihren Werken untersucht das deutsch-französische Künstlerkollektiv Troika den Fortschritt und die Auswirkungen neuer Technologien auf unsere Lebensrealitäten. Die beiden Werke „Irma Watched over Machine“ und „Woolsey Watched over Machine“ aus der Sammlung LBBW basieren auf Überwachungsbildern, die den Moment von zwei Naturkatastrophen festhalten – dem Hurricane Irma und dem Woolsey-Lauffeuer. Durch die Übertragung dieser digitalen Aufnahmen in analoge Malerei entwickelt Troika eine Vorstellung davon, wie die vom Wind gepeitschten sowie brennenden Palmen in ihren letzten Augenblicken für die Maschine ausgesehen haben könnten. Die Titel der Arbeiten beziehen sich auf Richard Brautigans techno-utopisches Gedicht „All Watched over by Machines of Loving Grace“ von 1967, in dem eine enthusiastische Vision technologischer Utopie entworfen wird, in der Maschinen das Leben der Menschen verbessern und schützen.

Die Künstlerin Rosemarie Trockel lässt in ihre Wollbilder Muster und Logos in industriell hergestellten Wollstoffen maschinell stricken. Das Stricken – eine traditionell mit Hausarbeit und Weiblichkeit verbundene Technik – nutzt Trockel als künstlerisches Medium, um Themen wie Geschlechterrollen, Kunstproduktion und Konsumkultur zu hinterfragen. Gleichzeitig kritisiert sie gesellschaftliche Erwartungen und die Grenze zwischen Kunst und Handarbeit. Die 9-teilige Arbeit „What it is like to be what you are not” von 1993 zeigt die Netze von Spinnen, die verschiedenen Drogen ausgesetzt waren. Die Künstlerin bezieht sich hierbei auf einen österreichischen Wissenschaftler aus dem 19. Jahrhundert, der die Aktivität von Spinnen und die Auswirkungen von Substanzen wie Koffein, Meskalin oder LSD auf die Form der Spinnennetze untersuchte. An der Schnittstelle zwischen Kunst und wissenschaftlichen Experimenten lässt Trockel mit dieser Arbeit über den Einfluss des Menschen auf die Natur selbst nachdenken.

Wir wünschen viel Vergnügen in der Ausstellung Das kalte Herz im Kunstgebäude Stuttgart!

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