27.08.2026
Dubai: Das Wüstenparadies in der Krise
Der Irankrieg bedroht das Erfolgsmodell Dubais wie nichts zuvor.
Kraemers Klartext
"Dubai als Hort der Stabilität: Das war einmal."
Der Irankrieg bedroht das Erfolgsmodell Dubais wie nichts zuvor
Vergangene Woche schrieb ich hier über China , wahrscheinlich DIE Wachstumsgeschichte der vergangenen Jahrzehnte. Heute soll es um eine andere Erfolgsgeschichte gehen, die wie China – wenn auch aus ganz anderen Gründen – gerade unter Druck ist: Dubai. Von allen Ländern am Persischen Golf, von Katar bis Bahrain, von Abu Dhabi bis Kuwait, hat sich das Emirat Dubai am beeindruckendsten gewandelt. Zum Teil war das erzwungen, weil das Öl der Vereinigten Arabischen Emirate, zu denen Dubai gehört, anderswo sprudelt, vor allem in Abu Dhabi. Deshalb mussten die Regierenden von Dubai zwangsläufig ein alternatives Geschäftsmodell entwickeln. Und das taten sie mit Bravour, trotz zwischenzeitlichen Stolperns. Dazu gleich mehr.
Der Irankrieg stellt Dubais Attraktivität in Frage
In den vergangenen Jahrzehnten hat sich das Wüstenland zu einem Anziehungspunkt für Touristen, Fremdarbeiter, Logistik und internationales Kapital entwickelt. Wer durch die Altstadt von Dubai, jenseits des Dubai Creek, schlendert, kann sich vorstellen, wie schläfrig es dort noch Anfang der 60er-Jahre zugegangen sein muss. Seither hat sich das Emirat zu einem der großen globalen Drehkreuze gewandelt: Mit fast 100 Mio. Passagieren wickelte sein Flughafen 2025 mehr Passagiere ab als jeder andere auf der Erde, außer Atlanta in den USA. Nun aber steht das Fundament des Modells Dubai so unter Druck wie nie zuvor. Jahrzehntelang wucherte das Emirat mit den Pfunden Stabilität und Vorhersehbarkeit in einer volatilen Weltregion. Dass es dort keine Einkommensteuer gibt, hat sicherlich auch geholfen, Millionäre und Milliardäre aus aller Herren Länder anzulocken. Seit Beginn des Irankrieges sind diese Vorteile zumindest vorerst nicht mehr gültig. Kurz nach Beginn der US-israelischen Angriffe hat Iran Dubai mit Drohnen und Raketen beschossen. Bis Anfang Mai wurden die Emirate 2800-mal Opfer von Angriffen, mehr als irgendein anderer Golfstaat oder Israel selbst. Auch Orte mit Symbolkraft wie die Luxushotels Burjal Arab oder Fairmont The Palm Jumeirah oder der Flughafen wurden zum Ziel. Kaum ein Golfstaat liegt so nah an der Grenze zu Iran und ist deshalb so leicht zu beschießen wie die Emirate, die zudem strategische Partner der USA sind. Die physischen Schäden halten sich in Grenzen, aber die psychologische Bremsspur wird den Krieg vermutlich deutlich überdauern. Von den 3,5 Millionen Einwohnern Dubais sind mehr als 90 % Ausländer. Insbesondere Einwanderer aus Südasien oder Ägypten übernehmen häufig die geringqualifizierten Arbeiten und sehen sich gerade mit immer weniger und immer schlechteren Arbeitsmöglichkeiten konfrontiert. Arbeitslosigkeit und Lohnsenkungen allenthalben. Aber auch bei den hochqualifizierten Expats sind viele auf Homeoffice im sicheren Ausland ausgewichen. Bekannte von mir, die in Dubai arbeiten, sind mit ihren Familien zumindest vorerst nach Europa zurückgekehrt. Das US-Außenministerium war nicht das einzige, das seine Staatsbürger zur Ausreise aufrief. Anekdotische Evidenz deutet darauf hin, dass insbesondere reiche Asiaten das Weite suchen – vor allem in Richtung Hongkong und Singapur.
Abb.1.1: Dubai Immobilienmarkt Wohnungen
Wert in Mrd. Dirham
Abb.1.2: Dubai Immobilienmarkt Wohnungen
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Für einen Abgesang ist es noch zu früh!
Es kann hier kein Vertun geben: Der Irankrieg ist der größte Schock, den Dubai je verdauen musste. Tourismus, Logistik, Finanz-Center: Alle sind massiv betroffen. Aktuelle Daten, die einen besseren Eindruck der Krise vermitteln könnten, liegen nur lückenhaft vor. Abgeleitet aus dem vormals boomenden und nun stagnierenden Immobilienmarkt sind die zu erwartenden ökonomischen Folgen aber als gravierend einzuordnen (siehe Abb.1). Ein „Dubai is finished“ erscheint mir aber übertrieben. Das Emirat ist schon einmal wie Phönix aus der Asche auferstanden. Insbesondere nach der Finanzkrise, als es, völlig überschuldet, kurz vor der Pleite stand. Der reiche Bruder Abu Dhabi rettete das Nachbaremirat mit einer 10-Mrd.-USD-Finanzspritze. Deshalb heißt übrigens das höchste Hochhaus der Welt heute nicht Burj Dubai wie ursprünglich geplant, sondern Burj Khalifa, nach dem damaligen Emir von Abu Dhabi. Die Halbwertszeit der Erinnerung ist nicht so lange, wie man in der Hitze des Gefechts gerne vermutet. Umso weniger, wenn ein steuerfreies Leben lockt. Trotz aller Anekdoten, die jetzt kursieren, erleben wir auch derzeit keinen Exodus ausländischer Fachkräfte aus Dubai.
Langfristig könnte der Klimawandel eine größere Bedrohung für den Standort sein: Schon heute herrschen im Sommer regelmäßig Temperaturen von mehr als 40 Grad bei einer Luftfeuchtigkeit von bis zu 90 %. Das muss man mögen. Zwischen 1975 und 2013 hat sich die Durchschnittstemperatur um 2,8 Grad erhöht. Tendenz weiter steigend. Ich erinnere mich gut daran, bei meinem letzten Aufenthalt in Dubai in die Skihalle geflüchtet zu sein.
Von: Dr. Moritz Kraemer, Chefvolkswirt und Leiter Research
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1.2 MB | 27.08.2026
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