04.11.2026

COP31: Was von der UN-Klimakonferenz in Antalya zu erwarten ist

Bei der COP31 streiten Staaten über fossile Energien und Klimafinanzierung. Geopolitische Spannungen erschweren die Suche nach einem Kompromiss.

Antalya Stadt
Antalya Stadt

Die Zukunft der fossilen Energien und die Finanzierung von Klimaschutz und -anpassung: Bei der UN-Klimakonferenz Mitte November prallen die Interessen aufeinander. Wie die EU und andere Staaten ein Scheitern verhindern wollen.

Die Pariser Klimakonferenz 2015 war ein Meilenstein: Die Weltgemeinschaft einigte sich darauf, die Erderwärmung auf 1,5 bis zwei Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Heute, nur elf Jahre später, ist die 1,5-Grad-Marke bereits überschritten. Messdaten des EU-Dienstes Copernicus zeigen, dass die globale Durchschnittstemperatur im August um 1,65 Grad über dem vorindustriellen Niveau lag.

Bei der 31. Weltklimakonferenz vom 9. bis 20. November 2026 („COP31“) im türkischen Antalya beraten die Teilnehmerstaaten nun, was passieren muss, um zumindest das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen. Der Handlungsdruck ist groß, denn die bislang beschlossenen Klimaschutz-Maßnahmen der Staaten genügen dafür nicht. Das zeigen Berechnungen des UN-Umweltprogramms UNEP: Mit der gegenwärtigen Politik wird sich die Erde bis zum Ende des Jahrhunderts um 2,8 Grad erwärmen.

Australien leitet die Verhandlungen – eine schwierige Aufgabe, weil die Beschlüsse einstimmig fallen müssen. Schon heute zeichnet sich ab, dass die COP31 konfliktträchtig wird. Im Zentrum stehen zwei Themen, bei denen die Positionen und Interessen der UN-Mitgliedsstaaten weit voneinander abweichen: der Ausstieg aus den fossilen Energien sowie die Finanzierung von Maßnahmen für Klimaschutz und -anpassung. Die derzeitigen geopolitischen Spannungen machen eine Einigung nicht gerade leichter.

Die Zukunft der fossilen Energien

Im Jahr 2023 beschlossen die Staaten bei der COP28 in Dubai eine „Abkehr“ von den fossilen Energien – ein Minimalkonsens, weil viele Öl-, Gas- und Kohleförderländer einem „Ausstieg“ nicht zustimmen wollten. Was nach Wortklauberei klingt, hat reale politische Bedeutung: Eine Abkehr ist weniger verbindlich, weil sie weder einen Zeitplan noch ein Zieljahr hat. Auf der letzten Konferenz, der COP30 im brasilianischen Belém, scheiterten Versuche, aus der Abkehr einen Ausstieg zu machen.

Auf der diesjährigen COP31 nehmen die EU, Großbritannien und eine Reihe kleinerer Staaten nun einen neuen Anlauf. Ihr Ziel ist, eine Roadmap zu verabschieden, die mit konkrete Vorgaben den Ausstieg einleitet. Saudi-Arabien, Russland und andere Förderländer lehnen das jedoch ab. Brasilien hat deshalb, grundsätzlich unterstützt von der EU, einen Alternativvorschlag angekündigt: Das Land will einen globalen Ausstiegsfahrplan präsentieren, dem sich Staaten freiwillig anschließen können. Deutschland , Frankreich und die Niederlande haben einen solchen Fahrplan bereits beschlossen.

Gastgeberland Türkei will den Konflikt auf andere Weise lösen: Statt über die fossilen Energien zu streiten, sollten sich die Staaten freiwillig verpflichten, den Stromanteil am Endenergiebedarf bis 2035 auf 35 Prozent zu erhöhen. Der Umstieg auf Elektrofahrzeuge und Wärmepumpen sowie die Elektrifizierung von Industrieprozessen soll das Ende der fossilen Energien quasi durch die Hintertür einleiten. Die Türkei setzt dabei darauf, dass günstige Photovoltaik- und Windenergieanlagen die teureren Kohle- und Gaskraftwerke mehr und mehr verdrängen.

Streit droht auch um die Abscheidung von CO2 aus den Abgasen fossiler Kraftwerke (Carbon Capture and Storage, CCS). Die Golfstaaten und andere Förderländer wollen CCS bei der Stromerzeugung als Klimaschutzmaßnahme anerkennen lassen. Europäische und andere Länder möchten das Instrument dagegen nur für technisch bedingt nicht vermeidbare Emissionen von Industriebetrieben zulassen.

Wer zahlt für Klimaschutz und -anpassung?

Die Industriestaaten müssen den Schwellen- und Entwicklungsländern finanzielle Mittel für den Klimaschutz sowie für Maßnahmen zur Anpassung an die Erderwärmung bereitstellen. Darüber herrschte 2024 bei der COP29 in Baku Konsens. Damals beschlossen die UN-Mitgliedsstaaten, dass die reichen Nationen bis 2035 jährlich 300 Milliarden US-Dollar zur Verfügung stellen. Perspektivisch sollen es gar 1,3 Billionen US-Dollar pro Jahr werden. Bei der COP30 in Belém legten die Staaten zudem fest, die Mittel für die Klimaanpassung bis 2035 mindestens zu verdreifachen.

Die Beschlüsse von Baku und Belém sind allerdings nur vage formuliert. Bei der COP31 geht es nun darum, sie verbindlich zu machen. Dabei gibt es drei Streitpunkte. Erstens: Wer zahlt? Die EU fordert, auch reiche Schwellenländer wie China zu verpflichten. Zweitens: In welcher Form fließt das Geld? Einige Industrieländer wollen nicht nur Zuschüsse zählen lassen, sondern auch Kredite. Das würde jedoch die Schulden der Entwicklungsländer erhöhen. Drittens: Sollen private Investitionen angerechnet werden? Darauf drängen manche reiche Länder, um ihre eigenen Haushalte zu entlasten.

Auch die letztes Jahr beschlossene Verdreifachung der Mittel zur Klimaanpassung dürfte für Diskussionen sorgen. Denn in Belém blieb offen, ob diese Mittel zusätzlich zu den zuvor vereinbarten 300 Milliarden US-Dollar bereitgestellt oder lediglich innerhalb dieses Topfs umgeschichtet werden. Zudem drängen die Entwicklungsländer darauf, die Mittel allein als Zuschuss zu gewähren.

Kein großer Wurf – aber womöglich mehr freiwilliges Engagement

Angesichts der vielen offenen Streitpunkte ist nicht zu erwarten, dass die Teilnehmer der COP31 verbindliche Beschlüsse fassen werden, die das Zwei-Grad-Ziel in Reichweite bringen. Umso mehr kommt es auf freiwillige Vereinbarungen an, etwa auf die brasilianische Roadmap zum Ausstieg aus den fossilen Energien. Ob die Konferenz den Klimaschutz voranbringt, hängt davon ab, welche Resonanz diese Initiativen in Antalya finden werden.

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