23.10.2026

Erneuerbare Energien 2025: Deutschland liegt unter EU-Zwischenziel

Erneuerbare deckten 2025 knapp 24 Prozent des Energieverbrauchs. Während der Stromsektor vorankommt, bremsen Verkehr und Wärme die Energiewende.

Sonnenkollektoren und Windrädern bei Sonnenaufgang
Sonnenkollektoren und Windrädern bei Sonnenaufgang

Bei der Stromversorgung ist Deutschland auf Kurs. Im Verkehr ist der Erneuerbare-Energien-Anteil dagegen noch sehr gering. Auch bei den Gebäuden gibt es Defizite. Der volkswirtschaftliche Nutzen der erneuerbaren Energien zeigt sich aber schon heute deutlich, etwa durch vermiedene Gasimporte.

Weg von Kohle und Gas, hin zu Wind und Sonne: Deutschland kommt gut voran bei der Aufgabe, die Stromversorgung zu dekarbonisieren. Die erneuerbaren Energien deckten 2025 gut 55 Prozent des heimischen Stromverbrauchs. Vor zehn Jahren lag der Wert erst bei rund 32 Prozent. Und die ersten Monate des laufenden Jahres lassen erwarten, dass der Anteil auch 2026 steigen wird. Die Energiewende ist also auf Kurs? Betrachtet man das gesamte Energiesystem, sieht das Bild anders aus: Die erneuerbaren Energien deckten 2025 gerade einmal knapp 24 Prozent des Endenergieverbrauchs. Die große Diskrepanz lässt sich vor allem damit erklären, dass der Erneuerbare-Energien-Anteil im Verkehr mit acht Prozent noch sehr gering ist. Auch bei der Wärmeversorgung ist die Erneuerbare-Energien-Quote mit 19 Prozent niedrig. Die Zahlen stammen von der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB), zu der sich Forschungsinstitute und Verbände der Energiewirtschaft zusammengeschlossen haben. Die Organisation erhebt regelmäßig umfassende Daten zu Energieerzeugung und -verbrauch in Deutschland.

Keine direkten Sanktionen beim Verfehlen des EU-Ziels

Deutschland läuft damit Gefahr, ein zentrales Ziel der europäischen Klimapolitik zu verfehlen. Die EU verpflichtet die Mitgliedsstaaten, dafür zu sorgen, dass bis 2030 mindestens 42,5 Prozent des europäischen Energieverbrauchs aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden. Festgeschrieben ist dies in der 2023 novellierten Erneuerbare-Energien-Richtlinie („RED III“) , ein Kernelement des Fit-for-55-Programms der EU . Die Richtlinie sieht zudem als Zwischenziel für 2025 eine Quote von 27,9 Prozent vor. Mit den erreichten knapp 24 Prozent lag Deutschland darunter. Wer das Ausbauziel für 2030 verfehlt, hat aber keine Sanktionen zu befürchten, da die Marke von 42,5 Prozent europaweit erreicht werden muss. Ist der Anteil in einzelnen Ländern niedriger, bedeutet dies allerdings, dass dort mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die Ziele zur CO2-Emissionsminderung im Gebäude- und Verkehrssektor verfehlt werden. Und das verursacht sehr wohl Kosten, da die betroffenen Länder dann Emissionsrechte von anderen EU-Staaten erwerben müssen. Der Think Tank Agora Energiewende hat ausgerechnet, dass hier auf Deutschland Kosten von bis zu 34 Milliarden Euro zukommen könnten.

Elektroautos und Wärmepumpen lassen Erneuerbare-Anteile steigen

Im Verkehr ist der Einsatz erneuerbarer Energien 2025 um fast zehn Prozent gewachsen. Allerdings von einem sehr niedrigen Niveau aus, so dass der Anteil am gesamten Energieverbrauch in diesem Sektor erst bei acht Prozent liegt. Das Plus geht vor allem auf die Elektromobilität zurück, die 2025 Fahrt aufgenommen hat. Wichtigste grüne Energiequelle ist hier aber immer noch die Biomasse. Die Biokraftstoffe machten mehr als drei Viertel des Erneuerbare-Energien-Anteils im Verkehr aus. Bei der Wärmeversorgung nahm der Erneuerbare-Energien-Anteil 2025 um 0,8 Prozent auf 19 Prozent zu. Auch hier ist die Biomasse mit Abstand wichtigster erneuerbarer Energieträger, ihr Anteil lag bei rund 84 Prozent. In diese Zahl fließen Holzpellets und -hackschnitzel genauso ein wie Biomethan und biogene Reststoffe, die Fernwärme liefernde Müllverbrennungsanlagen verfeuern. Der Biomasse-Anteil wird in den nächsten Jahren deutlich sinken, da immer mehr Wärmepumpen installiert werden. Sie nutzen Umweltwärme, um Heizenergie zu erzeugen. Dafür ist Strom nötig. Der Erneuerbare-Energien-Anteil im Strommix wird bei der Berechnung der entsprechenden Quote im Gebäudesektor (und auch im Verkehr) berücksichtigt.

Erneuerbare Energien vermeiden Importe fossiler Energieträger

Trotz der Defizite beim Erneuerbare-Energien-Ausbau im Verkehr und bei der Wärmeversorgung leisten Wind-, Solar- und Bioenergie sowie die Wasserkraft schon heute Enormes für den Klimaschutz: Sie haben laut AGEB im letzten Jahr insgesamt 265 Millionen Tonnen CO2-Emissionen vermieden. Zum Vergleich: Der gesamte CO2-Ausstoß Deutschland lag 2025 bei 649 Millionen Tonnen. Von den vermiedenen Emissionen entfielen 207 Millionen Tonnen auf die Stromerzeugung sowie 43 Millionen Tonnen auf den Wärme- und 15 Millionen Tonnen auf den Verkehrssektor. Und auch volkswirtschaftlich profitiert Deutschland – wie auch die anderen EU-Staaten – vom Erneuerbare-Energien-Ausbau sehr. So hat der Branchenverband Solarpower Europe errechnet, dass allein die Photovoltaik vom Beginn des Iran-Krieges Anfang März 2026 bis Ende Mai europaweit so viel Strom geliefert hat, dass sich damit Gasimporte im Wert von zehn Milliarden Euro vermieden ließen. Diese Kosten wären entstanden, wenn Gaskraftwerke den fiktiv fehlenden Solarstrom ersetzen müssten. Besonders groß war die Ersparnis im März, als die Gaspreise in die Höhe schossen: Die Photovoltaik machte pro Tag Importe im Wert von 110 Millionen Euro überflüssig.

Erneuerbare Energien vermieden 2025 in Deutschland lt. AGEB-Daten Emissionen in Höhe von

265

Millionen Tonnen CO2

Eine Frau hält ein Smartphone in der Hand
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