24.09.2026

Batteriespeicher: Neues Regelwerk ermöglicht Stromhandel

Bundesnetzagentur lockert Regeln für Grünstrom-Speicher: Neue Geschäftsmodelle entstehen, während Großspeicher deutlich zulegen.

Lithium-Ionen-Hochvolt-Batteriekomponente
Lithium-Ionen-Hochvolt-Batteriekomponente

Knapp 2,7 Millionen private Solar-Batteriespeicher gibt es heute in Deutschland. An vielen Tagen des Jahres stehen sie ungenutzt herum: Bei grauem Himmel liefern die Photovoltaik-Anlagen oft so wenig Strom, dass die Haushalte die gesamte Menge sofort verbrauchen. Für die Energiewende ist das eine vertane Chance. Denn die Speicher könnten helfen, Erzeugung und Verbrauch im Stromnetz auszugleichen, etwa indem sie an stürmischen Tagen überschüssigen Windstrom aufnehmen und bei Flaute ins Netz zurückspeisen. Die derzeitige Rechtslage verhindert das jedoch. Das ändert sich nun: Die Bundesnetzagentur gibt Betreibern von Grünstrom-Speichern ab dem 1. Oktober 2026 die Möglichkeit, ihre Batterien auch mit Graustrom, also mit Strom aus dem öffentlichen Netz, zu laden. Damit können sie künftig mit dem Ein- und Ausspeichern von Netzstrom am Stromhandel teilnehmen. Die Betreiber erzielen so zusätzliche Erlöse – und stärken zugleich die Energiewende, weil sie damit die Integration der Windräder und Photovoltaik-Anlagen ins Energiesystem fördern. Von der neuen Regelung profitieren Betreiber kleiner, privater Speicher genauso wie die großer, gewerblicher Anlagen.

Anzahl privater Solar-Batteriespeicher in Deutschland

2.7

Millionen

Gesamtzahl Batteriespeicher

Bahn frei für den Einsatz von Solarspeichern am Strommarkt

Bislang gilt, dass Betreiber von Grünstrom-Speichern ihre EEG-Vergütung für Strom aus der Batterie verlieren, wenn sie diese auch mit Netzstrom laden. Der Bund will damit verhindern, dass Betreiber Strom aus dem Netz als förderfähigen Solarstrom deklarieren. Mit der nun in Kraft tretenden sogenannten „MiSpeL“-Festlegung hat die Bundesnetzagentur Vorkehrungen getroffen, die das verhindern. Damit macht die Behörde den Weg frei für den Einsatz der Speicher am Strommarkt. So können die Betreiber mithilfe eines Dienstleisters ihre Batterien nun günstig mit Netzstrom laden, wenn die Preise an der Strombörse gerade niedrig sind. Steigen die Preise, speisen sie die Energie wieder ins Netz ein. Bei diesen Arbitrage-Geschäften nutzen sie aus, dass die Börsenpreise im Tagesverlauf in der Regel stark schwanken. Die Preise sind meist dann niedrig, wenn viel Wind- oder Solarstrom produziert wird, die Nachfrage aber gering ist. In solchen Situationen müssen die Netzbetreiber immer wieder Windräder oder Solarparks drosseln, weil das Netz den Strom nicht transportieren kann. Nehmen Speicher den Strom auf, können die Anlagen weiterlaufen. Zudem helfen sie, negative Preise an der Strombörse zu vermeiden. Beides senkt die volkswirtschaftlichen Kosten der Energiewende. Bis private Speicher-Betreiber tatsächlich am Stromhandel teilnehmen können, werden aber noch mehrere Monate vergehen. Denn die Netzbetreiber und die Energiewirtschaft müssen zunächst ihre IT-, Mess- und Abrechnungsprozesse sowie die Marktkommunikation anpassen. Bei den Betreibern von Großspeichern dürfte es schneller gehen, weil hier bereits mehr Vorarbeiten erledigt sind.

Leistung der Großspeicher wächst um ein Vielfaches

Neben den privaten Kleinspeichern sowie mittelgroßen Gewerbespeichern sind mittlerweile auch rund 620 Großspeicher mit einer Leistung von mehr als einem Megawatt installiert. Zusammen kommen sie auf eine Leistung von 4,4 Gigawatt. Das entspricht etwa vier großen Kohlekraftwerken. Damit steht die Entwicklung aber erst ganz am Anfang. In den nächsten Jahren wird die installierte Leistung um ein Vielfaches zunehmen, wie eine Analyse der Bundesnetzagentur zeigt. So haben die zuständigen Netzbetreiber 2025 für fast 1.500 Großspeicher mit einer Leistung von zusammen gut 54 Gigawatt den Netzanschluss zugesagt. Beantragt wurden im letzten Jahr gar 573 Gigawatt – wobei zahlreiche Vorhaben mehrfach eingereicht wurden. Zu Beginn dieses Jahres setzte sich diese Entwicklung mit noch höherem Tempo fort. Allein im ersten Quartal haben die Netzbetreiber 64 Vorhaben mit einer Gesamtleistung von fast 25 Gigawatt Zusagen gegeben. Gehen alle Speicher, denen 2025 und im ersten Quartal 2026 der Netzanschluss gewährt wurde, wie geplant in Betrieb, könnten sie den Strombedarf in Deutschland an jedem Tag des Jahres zumindest für einige Stunden rechnerisch vollständig decken. Dies zeigt, welch großen Beitrag Batteriespeicher im Verbund mit Gaskraftwerken und Stromimporten zur Versorgungssicherheit bei Dunkelflauten , also Phasen mit wenig Wind und Sonne, leisten können.

Zubau dürfte sich mittelfristig wieder verlangsamen

Für den Boom der Großspeicher gibt es eine ganze Reihe von Gründen. So sind die Kosten der Technologie in den letzten Jahren enorm gefallen. Dazu kommt, dass die vormalige Bundesregierung die doppelte Belastung von Speichern mit Netzentgelten abgeschafft hat, was die Wirtschaftlichkeit von Arbitrage-Geschäften deutlich verbessert. Positiv hat sich auch ausgewirkt, dass die Bundesnetzagentur im letzten und in diesem Jahr durch diverse Klarstellungen und Beschlüsse mehr Transparenz und Rechtssicherheit geschaffen hat. Ob sich der Zubau von Großspeichern auch auf längere Sicht mit diesem Tempo fortsetzen wird, ist allerdings zweifelhaft. Denn vielerorts geraten die Stromnetze an ihre Grenzen. Bevor neue Speicher angeschlossen werden können, müssen dort erst neue Umspannwerke gebaut und Leitungen verstärkt werden. Dazu kommt, dass die Margen im Stromhandel sinken dürften, wenn immer mehr Speicher auf gleiche Weise am Markt eingesetzt werden. Speicher könnten damit zum Opfer ihres eigenen Erfolgs werden.

Eine Frau hält ein Smartphone in der Hand
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