22.04.2026

Unternehmen haben ihren CO2-Ausstoß 2025 nur leicht reduziert

Der CO2-Ausstoß der am EU-Emissionshandel teilnehmenden Unternehmen ist 2025 nur geringfügig zurückgegangen.

Industrie Anlage Energie
Industrie Anlage Energie

Was ist der der EU-Emissionshandel?

Der EU-Emissionshandel ist ein Klimaschutz-Instrument mit Erfolgsgarantie: Die Menge der ausgegebenen CO2-Zertifikate bemisst sich am Ziel, die Emissionen der zur Teilnahme verpflichteten Unternehmen – fossile Stromerzeuger, viele Industriebetriebe sowie die Luft- und die Schifffahrt – bis 2030 um 62 Prozent gegenüber 2005 zu reduzieren. Die Zahl der Zertifikate verringert sich deshalb von Jahr zu Jahr, im Zeitraum von 2024 bis 2028 jeweils um 4,3 Prozent. So stellt die EU sicher, dass das Klimaziel punktgenau erreicht wird.

Eine Mitte April veröffentlichte Auswertung der EU-Kommission zeigt nun allerdings, dass die Emissionen der teilnehmenden Unternehmen 2025 nur um insgesamt 1,3 Prozent zurückgegangen sind – also weit weniger als es angesichts der Kürzung bei den ausgegebenen CO2-Zertifikaten zu erwarten wäre. Wie kann das sein?

Der Grund dafür liegt darin, dass die Unternehmen auf Emissionsrechte zurückgegriffen haben, die sie in den Vorjahren angespart haben: Anstatt ihren CO2-Ausstoß entsprechend der Verknappung der Zertifikate zu reduzieren, haben sie Emissionsrechte genutzt, die sie in den Vorjahren, etwa während der Corona-Krise, nicht benötigt oder auf Vorrat gekauft haben. Der Markt „atmet“ – was den Unternehmen den nötigen Spielraum gibt, flexibel auf die Verknappung der Zertifikate zu reagieren, ohne dass das Klimaziel gefährdet wird.

Allerdings führt der Rückgriff auf „angesparte“ Zertifikate dazu, dass die Kosten für die Unternehmen später steigen werden. Sofern sie nicht in Klimaschutz-Maßnahmen investieren, bleibt ihnen dann nur, neue Emissionsrechte zu kaufen, die mit der Verknappung tendenziell immer teurer werden.

Emissionen im Stromsektor kaum gesunken

Dass die Emissionen 2025 weit weniger gesunken sind als die Zahl der ausgegebenen Zertifikate, liegt vor allem am Stromsektor. Der CO2-Ausstoß ging hier laut der EU-Kommission nur um 0,4 Prozent zurück. Der Anteil der erneuerbaren Energien am Strommix stagnierte bei gut 47 Prozent, vor allem weil Windenergie und Wasserkraft wegen vieler Flauten und ausbleibenden Regenfällen in Nordeuropa schwächelten. Da der Strombedarf zugleich um knapp zwei Prozent stieg, mussten vermehrt Gaskraftwerke einspringen. Sie erzeugten gut elf Prozent mehr Strom als im Vorjahr. Dass der CO2-Ausstoß trotzdem leicht gesunken ist, liegt daran, dass die Versorger deutlich weniger auf die besonders emissionsintensiven Kohlekraftwerke zurückgegriffen haben.

Die Emissionen der dem CO2-Zertifikatehandel unterliegenden Industrieanlagen sanken 2025 um 2,5 Prozent. Der EU-Kommission zufolge geht die Minderung vor allem auf Zement- sowie Eisen- und Stahlhersteller zurück. Als Gründe nennt sie zum einen die konjunkturelle Krise in Europa, zum anderen Investitionen der Unternehmen in Klimaschutz-Maßnahmen.

Zertifikatspreise sind 2025 gestiegen

Der Preis der CO2-Zertifikate lag 2025 im Jahresschnitt bei knapp 74 Euro, nach 65 Euro im Vorjahr. Am 31. März erreichte er mit 63,82 Euro seinen Tiefpunkt, am 29. Dezember mit 88,31 Euro seinen Höchststand. Mitte April 2026 notiert der Preis bei rund 74 Euro.

Dass die Zertifikate 2025 im Durchschnitt teurer waren als im Vorjahr, liegt nicht nur an ihrer Verknappung, sondern auch daran, dass die EU Emissionsrechte aus dem Handel in die Marktstabilitätsreserve überführt hat. Dadurch verringerte sich die Zahl der verfügbaren Zertifikate weiter. Die Marktstabilitätsreserve hat die Aufgabe, starke Schwankungen der Zertifikatspreise zu verhindern. Ein weiterer Grund für den Preisanstieg liegt darin, dass die Schifffahrt 2025 stärker in den Emissionshandel einbezogen wurde. Das sorgte für zusätzliche Nachfrage.

Angesichts der derzeitigen wirtschaftlichen Schwäche Europas fordern nun einige nationale Regierungen sowie Industrievertreter, die Unternehmen bei den CO2-Kosten zu entlasten. Die EU-Kommission hat deshalb Anfang April Änderungen bei der Marktstabilitätsreserve angekündigt.

Etwas geringere Erlöse aus dem Emissionshandel

Der Großteil der Erlöse aus dem Emissionshandel fließt an die EU-Mitgliedsstaaten. In Deutschland gehen die Mittel vollständig und direkt in den Klima- und Transformationsfonds (KTF), aus dem unter anderem Förderprogramme für Klimaschutz-Investitionen der Industrie und der Haushalte finanziert werden. Auch die Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sowie die Entlastung der Verbraucher bei den Stromnetz-Entgelten werden aus diesem Topf bezahlt.

Die Erlöse aus dem EU-Emissionshandel beliefen sich 2025 in Deutschland auf rund 5,4 Milliarden Euro. Im Jahr zuvor waren es noch 5,5 Milliarden Euro. Dazu kommen die Einnahmen aus dem nationalen Brennstoffemissionshandel (nEHS), die sich 2025 auf circa 16 Milliarden Euro (2024: 13 Milliarden Euro) beliefen. Der nEHS zielt auf den Straßenverkehr und die Heizwärme – diese Sektoren unterliegen nicht dem EU-Emissionshandel.

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