09.10.2026
US-Arbeitsmarkt enttäuscht
Der Arbeitsmarktbericht für September hat dem schwer angeschlagenen US-Staatsanleihemarkt in den vergangenen Tagen etwas Rückendeckung gegeben.
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Konjunktur
Die Konjunktureinschätzung der Finanzmarktteilnehmer sank im Oktober gemessen am sentix-Indikator für das Eurogebiet und Deutschland nach zuvor mehreren Anstiegen. Während die Lagebeurteilung für das Eurogebiet stabil blieb und für Deutschland sogar leicht nach oben ging, trübten sich die Erwartungen für beide Regionen kräftig um 5,0 bzw. 4,3 Punkte ein. Der Index signalisiert damit Stagnation bzw. Stabilisierung. Ähnlich entwickelte sich der sentix für Osteuropa und Österreich. Dagegen weist er für Asien, die USA, Lateinamerika, die Schweiz und die Welt insgesamt weiterhin Richtung Aufschwung oder sogar Boom. Darüber hinaus brach der Auftragseingang im deutschen verarbeitenden Gewerbe im August gegenüber Juli 2026 um 10,6 % ein. Hingegen stieg die Produktion im produzierenden Gewerbe im August um 2,0 % gegenüber Juli 2026 und um 2,3 % zum Vorjahresmonat. Im Dreimonatsvergleich war sie um 0,4 % höher als von März bis Mai.
Zinsumfeld
Der Arbeitsmarktbericht für September hat dem schwer angeschlagenen US-Staatsanleihemarkt in den vergangenen Tagen etwas Rückendeckung gegeben. Bei den langlaufenden US-Treasuries sind die kursstützenden Impulse von der Makroseite allerdings weitgehend verpufft. Die Anzahl neu geschaffener Stellen in der US-Wirtschaft blieb im September mit 29.000 (M/M) weit hinter den Erwartungen zurück. Der US-Arbeitsmarkt zeigt sich damit nach einer kurzen Belebung im Frühjahr damit wieder ähnlich antriebslos wie zu Beginn des laufenden Jahres. Überdies fiel das Wachstum der Stundenlöhne mit 3,0 % (Y/Y) so mäßig aus wie zuletzt vor mehr als fünf Jahren. Dies spielt nach unserem Dafürhalten den geldpolitischen Tauben in den Reihen der US-Notenbank in die Karten, welche sich mit weiteren Leitzinserhöhungen vorerst zurückhalten wollen. Das Protokoll zur September-Sitzung der Fed hat zwar unterstrichen, dass die überwiegende Mehrheit der Notenbanker von einer weiteren geldpolitischen Straffung im laufenden Jahr überzeugt ist, dennoch tendierte die marktimplizite Wahrscheinlichkeit für eine solche Zinserhöhung per Ende Oktober weiter abwärts.
Aktienmärkte
Bislang konnten die Aktienmärkte den stetigen Renditeanstieg recht gut wegstecken, die Korrelation zwischen Aktien- und Rentenkursen ist jedoch stark gestiegen. Damit staut sich an den Börsen ein wachsendes Korrekturpotenzial auf. Zur Erinnerung: Auch 1987 war dem Aktiencrash ein markanter Renditeanstieg vorausgegangen. Europas Märkte leiden zudem unter den schrumpfenden politischen Handlungsspielräumen, besonders eklatant zeigt sich dies in Frankreich. In den USA stehen die Zwischenwahlen zum Kongress bevor. Hier zeichnet sich ein Machtwechsel zugunsten der Demokraten ab. Dies dürfte für die KI-Industrie kräftigen Gegenwind bedeuten, aber auch andere vom Weißen Haus gehätschelte Branchen unter Druck setzen. Inwieweit der Zinsanstieg schon jetzt Folgen zeitigt, werden die Berichte der US-Banken zeigen, die den Auftakt zur Quartalssaison geben.
Wir haben unsere Prognose für den Dollarkurs gesenkt. Per Mitte 2027 erwarten wir 1,15 USD je EUR statt 1,19.
Devisen
Der EUR/USD-Wechselkurs hat wieder zu seinem dominanten Treiber zurückgefunden, dem Renditevorsprung kurz laufender amerikanischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen („Transatlantik-Spread“). Trumps Ankündigung „reziproker“ Zölle hatte diesen Zusammenhang im April 2025 vorübergehend gestört. Die jüngste Aufwertung des Dollar gegenüber dem Euro ging Hand in Hand mit der Ausweitung des US-Renditevorteils. Robuste Arbeitsmarktdaten und teurere Energie nähren in den USA Zinserhöhungsspekulationen. Auch im Euroraum sind die Inflationssorgen zurück, doch die schwache Konjunktur setzt der Europäischen Zentralbank engere Grenzen. Die Marktteilnehmer rechnen auf beiden Seiten des Atlantiks bis Mitte 2027 mit drei bis vier Zinsschritten. Wir halten dies für überzogen und erwarten nur einen Schritt der Fed respektive zwei der EZB um 25 Basispunkte. Der Renditeabstand dürfte sich daher kaum verändern. Zur Jahresmitte 2027 sehen wir den Wechselkurs bei 1,15 USD je EUR statt bislang 1,19. Später könnte ein neuer Streit über die amerikanische Schuldenobergrenze den Dollar belasten und den Euro auf 1,17 USD je EUR heben. Ein Höhenflug wäre das nicht, schließlich gibt auch die Verschuldung europäischer Staaten Anlass zur Sorge.
Von: Henning Oligmüller, CIIA Konjunktur
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