09.10.2026
Volatiler Ölpreis
Kapitalmärkte Daily | Hohe Energiepreise schüren Erwartungen weiterer Zinserhöhungen.
Immer aktuell informiert: Kapitalmärkte Daily
- Erneuter Ölpreisanstieg setzt Finanzmärkte unter Druck
- Unsicherheit über OpenAI-Zahlen
- Bundesregierung rechnet mit deutlich höherem BIP-Wachstum
Angst vor Eskalation am Persischen Golf treibt Ölpreis nach oben
Die Sorge vor einer weiteren Eskalation des Konflikts mit Iran hat den Ölpreis erneut steigen lassen. Ein Fass der Nordseesorte Brent verteuerte sich gestern um 5 % auf mehr als 105 USD. Am Abend gab der Ölpreis einen Teil seiner Gewinne wieder ab, nachdem US-Präsident Donald Trump erklärt hatte, die USA würden Iran vor den Zwischenwahlen nicht angreifen. Heute Morgen notiert das Fass Brent bei 103 USD. Am amerikanischen Anleihemarkt stiegen die Kurse nach einer gut aufgenommenen Versteigerung dreißigjähriger Staatsanleihen. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sank um 6 Bp. auf 5,22 %. An den Aktienmärkten waren gestern vor allem Technologiewerte unter Druck. Anleger stellen zunehmend die Frage, ob sich der schuldenfinanzierte Ausbau der KI-Infrastruktur rechnen wird. Zugleich schüren die hohen Energiepreise Erwartungen weiterer Zinserhöhungen. Fed-Gouverneur Christopher Waller hält zusätzliche Leitzinserhöhungsschritte für wahrscheinlich. Für die Börsen dürfte nun die bevorstehende Berichtssaison zum Prüfstein werden: Die Unternehmen müssen zeigen, ob ihre Ergebnisse die hohen Bewertungen rechtfertigen.
Zweifel am KI-Boom belasten Halbleiteraktien
Neue Umsatzzahlen von OpenAI haben an der Börse die Zweifel an der Rentabilität der milliardenschweren Investitionen in künstliche Intelligenz verstärkt. Der Nasdaq verlor gestern 1,3 %, ein Index großer Halbleiterhersteller gab m 3,4 % nach. Selbst starke Geschäftszahlen von Samsung und TSMC konnten die Stimmung kaum aufhellen. Anleger fragen sich zunehmend, wie lange die Unternehmen ihre hohen KI-Ausgaben fortsetzen können. Steigende Finanzierungskosten könnten die Investitionspläne zusätzlich erschweren. Wie die Financial Times gestern berichtete, erreichte OpenAI Ende September einen auf das Jahr hochgerechneten Umsatz von nur knapp 50 Mrd. USD. Dies belastete die Halbleiterwerte weiter. Nun heißt es aber aus mit der Angelegenheit vertrauten Kreisen, das Unternehmen rechne bis zum Jahresende doch mit einem auf das Jahr hochgerechneten Umsatz von mindestens 70 Mrd. USD.
Bundesregierung hebt Wachstumsprognose deutlich an
Die Bundesregierung erwartet für 2026 ein BIP-Wachstum von 1,3 %. Im Frühjahr hatte sie lediglich mit 0,5 % gerechnet. Für 2027 hob das Wirtschaftsministerium seine Prognose von 0,9 auf 1,1 % an; 2028 soll das Wachstum jedoch wieder auf 0,6 % sinken. Ausschlaggebend für die bessere Aussicht sind unerwartet starke Exporte und steigende Staatsausgaben. Unternehmen stockten ihre Vorräte an deutschen Industriegütern auf, während Aufträge für die Rüstungsindustrie zunahmen. Der private Konsum bleibt dagegen wegen höherer Preise schwach; auch die Investitionen der Unternehmen dürften sich nur langsam erholen. Die Erholung ist zudem anfällig für geopolitische Risiken. Anhaltend hohe Energiepreise und die gestiegenen Zinsen belasten Unternehmen und private Haushalte. Höhere Staatsausgaben allein werden unserer Meinung nach keinen dauerhaften Aufschwung sichern. Dafür braucht es Reformen. Hier muss geliefert werden.
Ausblick auf nächste Woche
Die Lage im Nahen Osten und die Entwicklung der Rohstoffpreise dürfte die Finanzmärkte weiter beschäftigen. Aufmerksamkeit gilt zudem der französischen Haushaltsplanung für 2027. Unter den Konjunkturdaten ragen die US-Verbraucherpreise für September heraus. Ein erneuter Anstieg der Gesamtinflation gilt als wahrscheinlich; die Kernrate könnte der Fed einen wichtigen Anhaltspunkt für ihre nächste Zinsentscheidung geben.
Von: Rolf Schäffer, CIIA Gruppenleiter Strategy/Macro
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