31.08.2026

Brandbrief aus Frankreich

Waldbrände in Südeuropa und Deutschland: Wie der Klimawandel Häufigkeit, Intensität und Risiken erhöht

Trockene Tannen und Wälder durch Hitze und Extremwetter
Trockene Tannen und Wälder durch Hitze und Extremwetter

Sabrina Kremers Faktencheck

Sabrina Kremer

Wenn Wetter- und Klimaereignisse gemeinsame Sache machen

Sabrina Kremer, Senior Sustainability Analyst

Ich bin gerade aus meinem Urlaub in Frankreich zurückgekommen. Aus einem Land, bei dem ich eigentlich an Pinienwälder, Märkte, Meer und frischen Wind denke. Dieses Jahr dominierten zeitweise andere Themen: Wie weit zieht der Rauch? Welche Straßen sind offen? Müssen wir unsere Reiseroute umplanen? Feuer waren unumgänglicher Teil unserer Reise. Waldbrände sind in Südfrankreich nicht ungewöhnlich – die Datenbank Prométhée erfasst Feuerereignisse im französischen Mittelmeerraum seit 1973. Das Thema ist mit dem Klimawandel nicht neu aufgekommen. Doch es trifft nun auf neue klimatische Bedingungen.

Das Feuer ist alt, die Bedingungen sind neu

Feuer braucht eine Zündquelle: Blitzschlag, Fahrlässigkeit, Technik, Brandstiftung. Ob aus einem Funken ein lokales Ereignis oder eine regionale Krise wird, hängt davon ab, ob Wetter- und Klimaereignisse gemeinsame Sache machen - Kurzfristiges wie Hitze oder ausbleibender Regen mit langfristigen Trends wie abnehmender Bodenfeuchte. Wind schürt Flammen, niedrige Luftfeuchtigkeit nimmt Pflanzen die letzte Reserve. Der Klimawandel bereitet immer häufiger die Bühne, auf der Feuer groß werden können. Denn mit der Hitze und dem fehlenden Regen trocknet der Boden aus. Kurze Schauer helfen dagegen nicht. Der Boden bleibt ausgetrocknet. Auch wenn nur Tage mit weniger als einem Liter Regen pro Quadratmeter meteorologisch als Dürretage zählen. Es wäre bequem, die Feuer im Süden als Urlaubsproblem abzubuchen: schlimm, aber weit weg. Nur stimmt das nicht mehr – wie die vergangenen Wochen in Deutschland gezeigt haben. Der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für

Umweltforschung (UFZ) zeigt hierzulande seit 2018 immer wieder ausgeprägte Bodendürre, teils bis in tiefere Bodenschichten. Trockenheit ist also nicht nur ein mediterranes Problem. Hinzu kommt Hitze. Der Deutsche Wetterdienst zählt in Deutschland immer häufiger heiße Tage (siehe Abb. 1), also Tage mit mindestens 30 Grad. Was für den Menschen belastend und mitunter sogar tödlich ist, stellt auch für Wälder Stress dar. Und es ist der perfekte Nährboden für Feuer.

Abb. 1: Anzahl „Heißer Tage“ (≥ 30 Grad) und Trendlinie

Anzahl „Heißer Tage“ (≥ 30 Grad) und Trendlinie
Quelle: Deutscher Wetterdienst, LBBW Research

Frankreich zeigt, wie daraus ein wirtschaftliches Risiko wird. Ein Waldbrand vernichtet nicht nur Bäume. Er macht Straßen und Campingplätze unzugänglich, er unterbricht Lieferketten, leert Restaurants und zwingt Kommunen in den Ausnahmezustand. Eine Hotelnacht, die wegen Evakuierung ausfällt, lässt sich nicht einfach ersetzen. Ein Restaurantumsatz im August kommt im November nicht zurück. Tourismus ist eine Dienstleistung mit Verfallsdatum. Brennen Betriebe oder Lager, fallen zusätzlich Produkte, Produktion und Wertschöpfung weg. Etwa 42.000 Hektar verbrannten alleine im Juli in der Region Gironde. In Deutschland waren es 2025 etwa 2.600. Hinzu kommen Kosten, die oft untergehen: Feuerwehr, Katastrophenschutz, Löschwasser, Hubschrauber, Straßensperren und Wiederaufforstung – und nicht zuletzt gesundheitliche Folgeschäden wie Atemwegserkrankungen. Versicherer kalkulieren neu, und Unternehmen fragen sich, ob ein Standort auf Sicht von zehn Jahren planbar ist. Waldbrand ist dann kein isoliertes Naturereignis mehr. Er wird zur Störung regionaler Wertschöpfung.

Warum Deutschland nicht Zuschauer ist

Deutschland ist zwar kein Mittelmeerland, doch die Lage ist ähnlich: heiße Tage, trockene Böden, gestresste Wälder, Siedlungen am Waldrand. Besonders anfällig sind Regionen mit Monokulturen, sandigen Böden oder geringer Wasserspeicherfähigkeit. Dort reicht eine längere Trockenphase, um aus Vegetation Brennstoff zu machen. Waldbrandvorsorge ist dann nicht nur Forstpolitik, sondern auch Infrastruktur- und Standortpolitik. Die Waldbrandstatistik (Abb. 2) zeigt, dass das historische Mittel der jährlichen Waldbrandfläche (895 ha) der Jahre 1991 bis 2025 in Deutschland seit 2018 häufiger als zuvor deutlich überschritten wurde. Auch wir müssen uns die Frage stellen, ob unsere Infrastruktur, unsere Wälder und unsere Kommunen auf das Risiko immer größerer und immer häufigerer Waldbrände vorbereitet sind. Prävention ist mühsam. Sie besteht aus Waldumbau, Löschwasser- und Evakuierungsplänen, Frühwarnsystemen und der Frage, was sich noch als Bauland eignet. Sie kostet Geld, bevor etwas passiert. Deshalb vertagt die Politik sie gerne. Doch Waldbrände zeigen, wie teuer es wird, wenn der Rauch schon in der Luft liegt. Ich komme nicht nur mit Fotos von Stränden und Märkten zurück. Sondern auch mit der Erkenntnis, dass der Süden Europas uns zeigt, worauf wir uns auch hier vorbereiten müssen.

Abb. 2: Waldbrandfläche in Deutschland

Waldbrandfläche in Deutschland seit 1991
Quelle: Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, LBBW Research

Von: Sabrina Kremer, Senior Sustainability Analyst

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