22.09.2026

Photovoltaik: So senken Solaranlagen die Stromkosten aller Verbraucher

Solarenergie drückt die Börsenstrompreise: Photovoltaik erzeugt günstiger als Kohle und Gas – ein klarer Vorteil für Verbraucher und Wirtschaft.

Zwei Arbeiter stehen vor einer Photovoltaik Anlage
Zwei Arbeiter stehen vor einer Photovoltaik Anlage

Am 12. September 2026 gab es die Kilowattstunde an der Strombörse wieder einmal nahezu gratis: Zwischen 11.30 und 16 Uhr mussten die Stromhändler dafür nicht einmal einen Cent bezahlen. Zeitweilig bekamen sie sogar Geld dafür, dass sie Strom abnehmen. Grund dafür war der wolkenlose Himmel in weiten Teilen des Landes, der viele Photovoltaik-Anlagen zu Höchstleistungen trieb. Solche Situationen kommen im Sommerhalbjahr mittlerweile häufig vor. Der rasante Photovoltaik-Ausbau senkt die Börsenpreise – nicht nur zur Mittagszeit, sondern auch vor- und nachmittags, an manchen Tagen bereits ab acht Uhr morgens. Doch wie profitieren die Verbraucher davon, wie wirken sich die niedrigeren Börsenpreise auf die Stromrechnung von Haushalten und Unternehmen aus? Dazu hat das Beratungsunternehmen Enervis jetzt eine Studie vorgelegt. Aus ihr geht hervor, dass die Photovoltaik den Börsenpreis 2025 im Jahresdurchschnitt um fast 21 Prozent gesenkt hat. Ein Vier-Personen-Haushalt hat dadurch im letzten Jahr fast 100 Euro gespart, ein typischer mittelständischer Industriebetrieb gar einen niedrigen sechsstelligen Betrag. Die Analyse hat der Bundesverband Solarwirtschaft in Auftrag gegeben, eine Interessenvertretung der Photovoltaik-Branche. Sie hat dennoch hohe Aussagekraft, da den Berechnungen allgemein anerkannte Modelle zugrunde liegen.

Börsenpreis 2025 sank dank Photovoltaik:

100

Euro

Rechnerische Ersparnis eines 4-Personen-Haushaltes

Viel Solar- und Windstrom senkt die Börsenpreise

An der Strombörse werden alle Kraftwerke nach ihren variablen Kosten sortiert, beginnend bei den Photovoltaik- und Windenergie-Anlagen mit Kosten nahe Null, gefolgt von den Kohlekraftwerken bis hin zu den Gaskraftwerken. Den Börsenpreis setzt das letzte, also teuerste, Kraftwerk, das zugeschaltet werden muss, um die Nachfrage vollständig zu decken („Merit-Order-Prinzip“). Je mehr Solar- und Windstrom ins Netz gespeist wird, desto niedriger notiert also der Preis, weil weniger teurer Strom aus Kohle- und Gaskraftwerken benötigt wird. Mit dem weiteren Photovoltaik- und Windenergie-Ausbau wird der Durchschnittspreis an der Strombörse daher tendenziell noch stärker zurückgehen. Dazu trägt auch bei, dass die installierte Batteriespeicher-Leistung derzeit enorm wächst. Denn viele Speicher werden geladen, wenn die Börsenpreise gerade niedrig oder gar negativ sind, und bei hohen Preisen entladen. Damit glätten sie die Preiskurve. Da jedoch die preisdämpfende Wirkung durch das Entladen größer ist als der Aufschlag durch das Laden, sinkt der Durchschnittspreis.

Photovoltaik dämpft auch morgens und spätnachmittags den Preis

In ihrer Analyse haben die Enervis-Experten modelliert, wie sich der hypothetisch wegfallende Solarstrom 2025 möglichst kostengünstig hätte ersetzen lassen. Danach hätten Kohle- und Gaskraftwerke etwa 50 Terawattstunden Strom mehr erzeugen müssen. Zudem hätte eine ähnlich große Strommenge zusätzlich importiert werden müssen. Der durchschnittliche Börsenstrompreis wäre dadurch auf fast 113 Euro pro Megawattstunde (entspricht 11,3 Cent pro Kilowattstunde) gestiegen. Real, also mit der Photovoltaik, lag er nur bei gut 89 Euro (8,9 Cent pro Kilowattstunde). Wenig überraschend dämpften die Solaranlagen die Börsenpreise in den Mittagsstunden am stärksten. Doch auch davor und danach senkten sie die Preise signifikant: um 9 Uhr im Schnitt immerhin um circa 30 Euro pro Megawattstunde, um 17 Uhr gar um etwa 35 Euro. Das liegt unter anderem daran, dass es mittlerweile viele Anlagen gibt, die nach Osten oder Westen ausgerichtet sind. Auch im Monatsvergleich zeigt sich naturgemäß ein deutlicher Effekt. Im Juli, wenn besonders viel Solarstrom erzeugt wird, lag der durchschnittliche Börsenpreis im letzten Jahr rund 55 Euro pro Megawattstunde niedriger als im Szenario ohne Photovoltaik. Im April betrug der Unterschied immerhin noch rund 25 Euro, im September etwa 22 Euro. Ohne Photovoltaik hätte der Grünstrom-Anteil im deutschen Strommix 2025 nur etwa 45 Prozent betragen.

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Wirtschaftlicher Wert der Photovoltaik liegt weit über Förderkosten

Der preisdämpfende Effekt der Photovoltaik brachte Haushalten mit einem Stromverbrauch von 4.000 Kilowattstunden, typisch für ein Einfamilienhaus, laut der Enervis-Analyse eine Ersparnis von 94 Euro. Für einen Industriebetrieb mit einem Jahresverbrauch von zehn Gigawattstunden haben die Experten knapp 235.000 Euro niedrigere Stromkosten errechnet. Nicht berücksichtigt ist in dieser Rechnung allerdings, dass die Photovoltaik an anderen Stellen im Stromsystem Kosten verursacht. So müssen vielerorts die Verteilnetze ausgebaut werden, um den eingespeisten Solarstrom abtransportieren zu können. Dazu kommen die Entschädigungen, die viele Anlagenbetreiber erhalten, wenn sie ihren Strom aufgrund von Netzengpässen zeitweilig nicht einspeisen können. Diese und weitere Kosten werden über die Netzentgelte auf die Verbraucher umgelegt. Kosten entstehen zudem dadurch, dass die meisten Anlagenbetreiber für den eingespeisten Strom eine Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) erhalten. Diese Vergütung wird seit Anfang 2025 aus dem Bundeshaushalt finanziert, also mit Steuermitteln. Die Enervis-Experten weisen jedoch darauf hin, dass der wirtschaftliche Wert des erzeugten Solarstroms 2025 etwa 40 Prozent über den EEG-Förderkosten lag.

Eine Frau hält ein Smartphone in der Hand
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