08.05.2026

Keine nachhaltige Beruhigung der Lage am Golf

Kapitalmärkte Weekly | Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Beruhigung der Lage am Golf lauern noch etliche Fallstricke.

Öltanker in der Straße von Homus blockiert
Öltanker in der Straße von Homus blockiert

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Konjunktur

Finanzmarktfachleute zeigten sich Anfang Mai optimistischer als vor einem Monat. Der sentix-Konjunkturindex stieg für fast alle Regionen und Länder. Sowohl die Erwartungen als auch die Lagebeurteilungen verbesserten sich. Aufgrund des Irankriegs waren sie in den letzten zwei Monaten eingebrochen. Die einzige Ausnahme stellte im Mai Deutschland dar, hier fiel der Gesamtindex um 3,2 Punkte auf den tiefsten Wert seit Januar 2025. Auch die beiden Teilindikatoren sanken. Für den Euroraum ging der Gesamtindex um 2,7 Punkte nach oben, nach einem Absturz um 15 Punkte in den Monaten März und April. Für Euroland, Deutschland, Osteuropa und Österreich prognostiziert der Indikator weiterhin eine Rezession. Im positiven Bereich verbesserte sich der sentix-Konjunkturindex für Asien ohne Japan sowie für Lateinamerika. Die Indikatoren für die Welt insgesamt und für die USA schafften es auch wieder über die Nulllinie.

Zinsumfeld

Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Beruhigung der Lage am Golf lauern noch etliche Fallstricke. An den Staatsanleihemärkten behält die Unsicherheit in Anbetracht des politischen Hin und Her der vergangenen Wochen dagegen tendenziell mehr Raum als an den Aktienmärkten. Gemäß der Terminsätze am EUR-Geldmarkt ist der Marktkonsens von dem Szenario abgerückt, dass die EZB im laufenden Jahr mehr als zwei Zinsanhebungsschritte beschließen wird. Eine Erhöhung des Einlagesatzes um 25 Basispunkte auf der Juni-Sitzung des EZB-Rats gilt aber weiterhin als wahrscheinlich. Die Euro-Währungshüter selbst haben in den vergangenen Tagen dazu beigetragen, die Erwartung eines Juni-Zinsschritts zu festigen. Die Mehrzahl öffentlicher Äußerungen im Nachgang des Zinsentscheids vom 30. April legte demnach nahe, dass sich der Euroraum bereits zu weit vom bisherigen EZB-Basisszenario wegbewegt hat. Mit Blick auf den USD-Zinsmarkt begrenzen unseres Erachtens die Indizien für eine anhaltend robuste Verfassung der USKonjunktur den Spielraum für eine Wiederbelebung von Hoffnungen auf eine Zinssenkung der US-Notenbank.

Aktienmärkte

Friedenshoffnungen sowie gute Unternehmenszahlen bescherten den Aktienmärkten in Übersee neue Rekorde. Hierzulande ist die Stimmung etwas verhaltener. Dies hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass die KI-Titel die Treiber der Hausse seit Anfang April waren, welche in Europa bekanntlich unterrepräsentiert sind. Während der DAX seit Jahresbeginn auf der Stelle tritt, haben die weltweiten Aktienmärkte fast 10 % zugelegt. Ist diese vor allem durch KI angetriebene Hausse angesichts der geopolitischen Verwerfungen also ein irrationaler Überschwang? Dies ist nicht der Fall, wenn man den Gewinneffekt seit Jahresbeginn betrachtet – jener ist sogar noch etwas stärker ausgefallen. Dennoch überwiegen auf aktuellem Niveau die Risiken: Die Konzentration auf wenige Titel, die geringe Absicherungsbereitschaft der Anleger sowie die Verwerfungen an den Energiemärkten mahnen zu einer vorsichtigen Herangehensweise.

Der DAX konnte sich auf Wochensicht wieder etwas erholen und legte um gut 1,5 % zu. Der S&P 500 sogar um rund 2 %.

+ 1,5 %

DAX-Erholung

Devisen

Die Bank of Japan (BoJ) hat in den vergangenen Tagen mehrfach am Devisenmarkt interveniert, um den anhaltenden Wertverfall des Yen zu bremsen. Auslöser war ein Anstieg des Dollar-Yen-Kurses über die Marke von 160, die als inoffizielle rote Linie der Notenbank gilt. Mit teils kräftigen Eingriffen wurde der Kurs in den Bereich um 155 gedrückt. Auch gegenüber dem Euro konnte der Yen vorübergehend Boden gutmachen, EUR/JPY fiel von rund 188 zeitweise unter 183. Die Aktionen unterstreichen das wachsende Unbehagen in Tokio gegenüber einer schwachen Währung, die die in Dollar fakturierten Energieimporte verteuert und damit das Risiko einer neuen Inflationswelle erhöht, nachdem die Teuerung jüngst unter das Zwei-Prozent-Ziel gefallen ist. Die Erfahrung lehrt jedoch, dass Devisenmarktinterventionen ohne flankierende Zinsschritte selten dauerhaft wirken. Gegen den erheblichen Zinsnachteil gegenüber Dollar- und Euro-Anlagen dürfte auch der komfortable Bestand an Devisenreserven wenig ausrichten. Vor dem Hintergrund einer schwachen Konjunktur und einer politisch gewollten Niedrigzinspolitik scheut die BoJ bislang eine Leitzinserhöhung. Eine nachhaltige Stärkung des Yen wird sich auf mittlere Sicht aber nur durch höhere Zinsen erreichen lassen.

Von: Henning Oligmüller, CIIA Investmentanalyst

Unser großes Bild in Kürze

Vergleichsdiagramm

Konjunktur

  • Deutschland: BIP dürfte 2026 kaum zulegen. Staatsausgaben stimulieren Nachfrage. Vor allem Investitionen dürften profitieren.
  • Hohe Inflations- und Konjunkturrisken durch Ölpreisanstieg im Kielwasser des Kriegs am Persischen Golf. Handelskonflikt mit USA belastet weiterhin.

Säulendiagramm

Zinsumfeld

  • Fed: Notenbanker setzen geldpolitischen Lockerungskurs bis mindestens Ende 2026 aus. Eine Zinssenkung im ersten Halbjahr 2027.
  • EZB: Schwenk zur geldpolitischen Straffung rückt näher. Zwei Zinsanhebungsschritte bis Ende 2026 erwartet. Einlagesatz dann auf absehbare Zeit bei 2,50 %.
  • EUR-Langfristzinsen: Aufwärtsrisiken dominieren angesichts wachsender Inflationssorgen.

Diagramm Linie

Aktienmärkte

  • Irankrieg belastet Lieferketten, treibt die Kosten und schwebt drohend über den Ausblicken.
  • Investitionspakete und Konjunkturhoffnungen werden in Europa durch Zinsängste konterkariert.
  • KI-Fantasie dürfte langsam der Furcht vor Überinvestitionen weichen.

Euro

Devisen

  • Der Renditevorteil von kurz laufenden US-Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen dürfte abnehmen.
  • Erratisches Agieren des US-Präsidenten untergräbt Vertrauen in den US-Dollar.
  • Flucht in den „sicheren Hafen“ US-Dollar dürfte nicht von Dauer sein.

Öl und Gas

Rohstoffe

  • Rohstoffe mit starkem Preisanstieg. Bloomberg Commodity Index erreicht neues Allzeithoch.
  • Angebotsrisiken bei Basismetallen stützen Preistrend. Aufwärtstrend bei Gold kommt durch Nahostkrieg ins Stocken.
  • Irankrieg führt zu Ölhausse. Deutliches Korrekturpotenzial, wenn die Straße von Hormus wieder vollständig passierbar ist.

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Eine Frau hält ein Smartphone in der Hand
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