10.04.2026

Schulden machen, bis der Arzt kommt

Wie lange kann die Defizitparty der USA noch weitergehen?

USA Kongress Washington Dollar
USA Kongress Washington Dollar

Kraemers Klartext

Chefvolkswirt Dr. Moritz Kraemer

Als Emittent der Reservewährung kommen die USA mit mehr Sünden davon als andere Schuldnerländer

Dr. Moritz Kraemer, Chefvolkswirt und Leiter Research

Noch nie hat sich eine Regierung in Zeiten des (bis vor wenigen Wochen noch bestehenden) Friedens so über die Halskrause verschuldet wie die Vereinigten Staaten. Das Defizit liegt bei knapp 7 % des BIP, und das unabhängige Congressional Budget Office prognostiziert, dass die Schuldenquote von jetzt mehr als 120 % des BIP innerhalb der kommenden zehn Jahre auf 150 % steigen wird (siehe Abb. 1). Und was macht Trump? Er senkt Steuern in (natürlich) „historischem“ Ausmaß , und er will die Verteidigungsausgaben um weitere 20 % erhöhen – dabei liegen sie dieses Jahr schon bei gigantischen 3 % des BIP.

Abb. 1: Staatsverschuldung in % des BIP

Quelle: IWF, LBBW Research

Trump ist nicht der erste, der eine fragwürdige Haushaltspolitik betreibt. Der letzte US-Präsident, der sich verantwortungsvoll zeigte, war vor mehr als einem Vierteljahrhundert Bill Clinton. Seither erhöhen demokratische Amtsinhaber die Ausgaben, und die Republikaner senken die Steuern im unerschütterlichen Irrglauben, dass niedrigere Abgaben die Wirtschaft so sehr beflügeln, dass die Einnahmen trotz niedrigerer Sätze steigen.

Schlimmer geht immer

Die bedrohlich zunehmende Polarisierung lässt einen parteiübergreifenden Kompromiss zur Haushaltskonsolidierung in immer weitere Ferne rücken. Auf seiner Plattform Truth Social nannte Trump kürzlich die oppositionellen Demokraten „nach dem Tod des Iran den größten Feind Amerikas“!

Und der Schuldendruck wird weiterwachsen. Steigende Zinsen und immer höhere Ausgaben für eine alternde Bevölkerung geben dem Defizit weiter Auftrieb. Nach Schätzung der Rating-Agentur S&P Global wird die Schuldenquote bis 2060 auf deutlich mehr als 230 % des BIP steigen.

Kann das wirklich passieren? Ich bin skeptisch. Früher oder später werden die Gläubiger abspringen. Als Emittent der Reservewährung kommen die USA aber mit mehr Sünden davon als – sagen wir – Kenia oder Island. Eine Währung ist wie ein Gummiband. Der exorbitant privilegierte US-Dollar lässt sich extrem dehnen. Aber irgendwann reißt auch das stärkste und elastischste Gummiband. Die Frage ist nur: Wann?

Es ist fast ein kleines Wunder, dass die Investoren Trump im ersten Jahr kaum Geld entzogen haben (siehe Abb. 2). Und das trotz seines wirtschaftspolitischen Irrlichterns, der Beleidigungen von Gläubigern, seiner Präferenz für einen schwachen Dollar und der ständigen Angriffe auf die US-Notenbank. Eigentlich sind politische Ereignisse wie der Irankrieg oft Auslöser für Kapitalflucht. Dass es nicht einmal DJT geschafft hat, ausländische Anleger in die Flucht zu schlagen, legt nahe, dass der Status des Dollar vorerst sicher ist. Nach den Angriffen auf den Iran gab es sogar eine Flucht in den Dollar, obwohl doch der vermeintlich sichere Hafen USA die Quelle der Unsicherheit war.

Abb. 2: Ausländische Halter von US-Treasuries

Billionen USD, bis Q3/2025

Martha Gimbel , die leitende Direktorin des Yale Budget Lab, vergleicht die Situation mit einem Liebesfilm: Die Gläubiger sind wie eine junge Frau, die in der großen Stadt mit einem Kerl ausgeht, der ihr nicht guttut. Aber irgendwann zieht sie in ihre kleine Heimatstadt zurück, merkt, dass es Alternativen gibt und heiratet einen netten Feuerwehrmann. Aber wer könnte dieser nette Feuerwehrmann unter den Währungen sein? Erster Kandidat wäre der Euro. Doch der Euroraum hat mit eigenen politischen, ökonomischen und fiskalischen Herausforderungen zu kämpfen.

Wie Abb. 3 zeigt, hat keine Währung auch nur annähernd die Liquidität und das Volumen von Staatsanleihen mit hoher Bonität, dass sie dem Dollar das Wasser reichen könnte. Wir sollten uns dennoch nicht in Sicherheit wiegen. Wenn das Gummiband reißt, wird das eine massive Finanzkrise auslösen. Im Vergleich dazu gliche 2008 einem Spaziergang.

Abb. 3: Ausstehende Staatsschulden 2026

Billionen US-Dollar

Quelle: S&P Global, LBBW Research

Warten auf die Rating-Agenturen ist wie Warten auf Godot!

Erwarten Sie keine Warnzeichen von den Rating-Agenturen. Alle stufen die USA bei AA+ ein, dem zweithöchsten möglichen Rating, mit stabilem (!) Ausblick. Ich hatte im Sommer 2011 das zwiespältige Privileg, Teil des S&P-Komitees zu sein, das erstmals überhaupt eine Herabstufung der USA wagte. Die Reaktion der Regierung war ausgesprochen heftig und für die Agentur kostspielig. Und das war unter Barack Obama, einem Gentleman im Vergleich zu dem Rumpelstilzchen im Weißen Haus heute. Es liegt im Bereich des Möglichen, dass Trump Paul Atkins, den willfährigen Chef der Aufsichtsbehörde SEC, anrufen und anordnen würde, die Lizenz der frechen Agentur auszusetzen. Das würde für das betroffene Unternehmen das Aus bedeuten, denn die USA sind mit weitem Abstand der größte und profitabelste Rating-Markt weltweit. Das wird niemand riskieren. Investoren müssen deshalb ihre Hausaufgaben selbst machen!

Von: Dr. Moritz Kraemer, Chefvolkswirt und Leiter Research

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