20.03.2026

Krieg mit Iran: Trump spielt mit dem Feuer

Eine Ölkrise droht wohl nicht, aber die hohen Preise sind eine Last.

Ölfeld mit Bohrinseln und Pumpen bei Sonnenuntergang
Ölfeld mit Bohrinseln und Pumpen bei Sonnenuntergang

Kraemers Klartext

Chefvolkswirt Dr. Moritz Kraemer

Es gibt keinen politischeren Preis in den USA als der für die Gallone Benzin an der Tankstelle.

Dr. Moritz Kraemer, Chefvolkswirt und Leiter Research

Vor fast genau drei Wochen begann der Angriff der USA und Israels auf Iran. Und das, obwohl beide Seiten noch kurz zuvor gemeinsam am Verhandlungstisch gesessen hatten. Was im Weißen Haus vermutlich wie ein kurzer entscheidender Schlag à la Venezuela gedacht war, zieht sich nun in die Länge. Der Ausgang ist noch ungewiss. Es drängt sich der Eindruck auf, dass Washington den Willen der iranischen Regierung, beharrlich Widerstand zu leisten, massiv unterschätzt hat.

Für die Weltwirtschaft geht das größte Risiko von den hohen Ölpreisen aus, die zeitweise über 100 USD pro Fass stiegen, weil es Teheran entgegen der Erwartungen von Trump und Co. gelang, das Nadelöhr der Straße von Hormus zu verriegeln. Durch die Meerenge wird ein Fünftel der weltweiten Öllieferungen transportiert. Damit wachsen nun Sorgen, dass eine Rezession mit Teuerungsraten wie in den 1970er Jahren drohen könnte.

Abb. 1: Verlust an Ölangebot

Mio. Fass pro Tag

Der größte Ölangebotsschock aller Zeiten

Wie Abb. 1 eindrücklich veranschaulicht, kommen diese Ängste nicht von ungefähr. Tatsächlich gab es noch nie einen Konflikt im Nahen Osten, der auch nur annähernd so viel Rohöl vom Markt ferngehalten hat wie der aktuelle Irankrieg. Allerdings hängt die Weltwirtschaft heute weit weniger von Öl ab als zu Zeiten der Ölkrise. Damals war ungefähr ein Fass (Barrel) Öl notwendig, um 1.000 USD BIP (in konstanten Preisen von 1995) zu generieren. Im laufenden Jahrzehnt sind dazu nur noch etwa 0,4 Fass Öl nötig (siehe Abb. 2). Steigende Energieeffizienz, wirtschaftlicher Strukturwandel und die Erschließung alternativer Energiequellen wie etwa der erneuerbaren Energien haben zu dieser Entwicklung beigetragen.

Außerdem halten die Industrieländer heute strategische Ölreserven vor, die mindestens neunzig Tage der Nettoeinfuhren abdecken. Aber selbst die Empfehlung der Internationalen Energiebehörde (IEA), Reserven in Rekordhöhe an den Markt zu bringen, hat den Preisanstieg beim Öl nicht einzudämmen vermocht. Denn klar ist: Der Abbau der Vorräte kann nur ein wenig Zeit kaufen, aber das durch den Krieg ausgelöste fundamentale Angebotsdefizit nicht beseitigen.

Abb. 2: Globale Ölintensität der Produktion

Fässer Öl pro 1.000 USD Wertschöpfung, in Preisen von 2015

Gründe für ein baldiges Ende des Kriegs gegen Iran

Das LBBW Research hat angesichts des Angebotsschocks die Ölpreisprognosen nach oben korrigiert. Wir gehen jetzt davon aus, dass ein Fass der Sorte Brent zum Jahresende 70 USD kosten wird. Bis Mitte 2027 dürfte der Preis weiter auf 65 USD sinken. Also deutlich weniger als die derzeitigen 100 USD. Hauptgrund ist die Erwartung, dass sich der Krieg nicht mehr allzu lange hinziehen dürfte. Zum einen dürfte Irans militärisches Potenzial nach dem massiven Bombardement deutlich vermindert sein. Aber noch wichtiger ist, dass Donald Trump möglichst bald den Sieg erklären will. Dass seine Regierung von Anfang an kein klares strategisches Ziel der Angriffe ausgegeben hat, hilft ihm dabei. Er kann, wie auch schon im Sommer vergangenen Jahres, erklären, dass das Ziel der militärischen Dezimierung des Mullah-Regimes vollzogen sei. Und mehr habe man ja nie gewollt, selbst wenn zwischenzeitlich auch mal der Sturz des Regimes als Ziel formuliert worden war.

Trumps MAGA-Basis ist bei geopolitischen Abenteuern tief gespalten, denn Trumps isolationistischer Präsidentschaftswahlkampf war ja auch getragen vom Versprechen, die USA aus der Geopolitik herauszuhalten und endlich „America first“ durchzusetzen. Stattdessen hat der aktuelle US-Präsident der US-Armee auf mehr Länder Bombardements befohlen als irgendein Präsident vor ihm (Syrien, Irak, Jemen, Somalia, Nigeria, Venezuela und nun Iran, mit Androhung von Gewalt im Falle Grönlands, Kolumbiens, Mexikos und Kubas). Wichtige MAGA Influencer wie Tucker Carlson, Megyn Kelly, aber auch Steve Bannon haben sich kritisch zum Krieg mit Iran positioniert.

Abb. 3: Preis einer Gallone Benzin

nationaler Durchschnitt USA, in USD

Aber noch wichtiger dürfte für Trump sein, dass er alles daransetzen wird, die ohnehin schon trüben Aussichten für eine republikanische Mehrheit in beiden Kammern des US-Kongresses nicht weiter zu gefährden. Im Falle eines Sieges der Demokraten wartet ein drittes Amtsenthebungsverfahren auf ihn, und der Kongress wird sich nicht länger devot hinter all seinen Entscheidungen verstecken. Es gibt keinen politischeren Preis in den USA als der für die Gallone Benzin an der Tankstelle. Insbesondere Trumps eher ländlichen Wähler sind davon betroffen. Die Mehrheit der Bevölkerung klagte schon vorher über hohe Lebenshaltungskosten. Das Problem lässt sich immer weniger Joe Biden in die Schuhe schieben. Trump wird deshalb alles daransetzen, dass der Anstieg der Benzinpreise (siehe Abb. 3) vor den Zwischenwahlen wieder Geschichte ist.

Von: Dr. Moritz Kraemer, Chefvolkswirt und Leiter Research

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