16.03.2026
Besonders schützenswert: natürliche CO₂-Senken
Wälder, Moore und Grasländer sind natürliche Speicher von Treibhausgasen. Sie zu schützen ist ein Kernelement der Fit for 55-Initiative.
Zur Klimastrategie der EU gehört neben der Senkung des CO₂-Ausstoßes eine weitere Komponente: die Entfernung von Treibhausgasen aus der Atmosphäre. Unsere Ökosysteme sind natürliche CO₂-Speicher. Wälder, Moore und Grasländer gelten als sogenannte Kohlenstoffsenken, die CO₂ aufnehmen und speichern. Diese Fähigkeit möchte die EU nutzen, um die Klimabilanz zu entlasten. Umgekehrt wird durch Klimaerwärmung, Rodung und Landnutzung das gespeicherte CO₂ allerdings auch wieder freigesetzt und gelangt erneut in die Atmosphäre – ein verheerender Kreislauf.
Wälder
Die tropischen Regenwälder zählten bisher zu den größten CO₂-Senken, da sie mehr Kohlenstoff aus der Atmosphäre aufnehmen können als beispielsweise Nadelwälder. Der Effekt scheint aber aufgrund der Klimaveränderungen bereits abgeschwächt zu sein.
Moore
Moore könnten durch Torfabbau und Trockenlegung zur Landgewinnung ihre Rolle als Kohlenstoffsenke verlieren. Wie auch Wälder und Grasland sind sie zudem auch durch Brände bedroht.
Grasländer
Unter Grasländern versteht man neben Steppen und Savannen auch Wiesen und Weiden. Letztere gelten als deutlich stärkere CO₂-Speicher als beispielsweise Ackerland.
Permafrostböden
Klimaforschende gehen davon aus, dass bis zu 1.600 Gigatonnen Kohlenstoff allein in Permafrostböden gespeichert sind. Das entspricht fast der doppelten Menge, die insgesamt in der Erdatmosphäre vorhanden ist. Durch den Klimawandel tauen zunehmend Permafrostgebiete auf.
Fit for 55: CO₂-Speicher schützen und regenerieren
Die EU hat im Rahmen ihres Fit-for-55-Pakets beschlossen, der Atmosphäre bis 2030 insgesamt 310 Millionen Tonnen Kohlendioxid durch natürliche CO₂-Senken aus Landnutzung und Forstwirtschaft zu entziehen. Dabei wird das EU-Gesamtziel in verbindliche Zielwerte auf nationaler Ebene übersetzt. Das verpflichtet die Regierungen der Mitgliedsstaaten zu konkreten Maßnahmen wie etwa die Wiedervernässung von Mooren. Festgeschrieben sind die EU-Vorgaben in der sogenannten LULUC-Verordnung (Land Use, Land Use Change and Forestry).
Ergänzend dazu hat die EU eine Biodiversitätsstrategie verabschiedet, die unter anderem verlangt, mehr Flächen unter Schutz zu stellen. Davon profitieren nicht nur Flora und Fauna, sondern auch das Klima, weil Flächen mit eingeschränkter oder ohne Bewirtschaftung mehr CO₂ speichern können. In der Biodiversitätsstrategie ist auch verankert, dass in Europa bis 2030 mindestens drei Milliarden Bäume zusätzlich gepflanzt werden sollen.
Zudem hat die EU im Rahmen der Fit for 55-Initiative eine neue Waldstrategie verabschiedet. Sie sieht unter anderem einen strengeren Schutz für Wälder mit altem Baumbestand vor, die besonders viel Kohlendioxid speichern. Die neue Waldstrategie wird durch die 2025 verabschiedete EU-Bodenstrategie ergänzt. Sie soll unter anderem Anreize zur Speicherung von CO₂ im Erdboden setzen, etwa durch Humusaufbau.
Mit dem Carbon Removal Certification Framework (CRCF) hat die EU zudem 2024 einen Rechtsrahmen geschaffen, der Geschäftsmodelle zur Entnahme von CO₂ aus der Atmosphäre ermöglichen soll.
Ohne ehrgeizige Emissionsminderungen und CO₂-Entnahme verfehlen wir unsere Klimaziele. Für den Hochlauf von Maßnahmen zur Entnahme von CO₂ braucht es klare Regeln, den Ausbau neuer Methoden, den Schutz natürlicher Senken – und den Dialog mit der Gesellschaft.
Darüber hinaus will die EU mit dem noch nicht verabschiedeten Gesetz für entwaldungsfreie Lieferketten (EUDR) verhindern, dass für importierte Güter wie Soja, Kaffee, Kakao oder Holz eine großflächige Abholzung von Wäldern vorgenommen wird. Nach massivem Druck aus der Wirtschaft und von Handelspartnern wie Brasilien und Indonesien hat die EU Ende 2025 beschlossen, den Gesetzesentwurf zu überarbeiten.
Fit for 55 – Wie erreicht Europa seine Klimaziele?
„Fit for 55“ soll die CO₂-Emissionen drastisch senken. Das verlangt Menschen wie Unternehmen einiges ab. In diesem Themenspecial werden wichtige Fragen beantwortet.