16.03.2026

EU verpflichtet Fluggesellschaften zu mehr Klimaschutz

Mit „Fit for 55“ den Kohlendioxid-Ausstoß in der Luftfahrt drosseln: Seit 2026 gelten für Fluggesellschaften strengere Regeln im Emissionshandel.

Ein Flugzeug an einem Flughafen
Ein Flugzeug an einem Flughafen

"Klimaneutrales Fliegen ist keine Frage mehr des Ob, sondern des Wie und Wann. Dies hat die Branche mittlerweile erkannt. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen diverse Pfade gleichzeitig und international koordiniert beschritten werden", so Alexandra Schadow, Leiterin Cross Asset Research der Landesbank Baden-Württemberg.

Die Luftfahrt trägt zwar aktuell nur rund vier Prozent zum gesamten Treibhausgasausstoß der EU bei. Da jedoch die Zahl der Flüge in Europa laut der Luftfahrtorganisation Eurocontrol bis 2050 um 52 Prozent gegenüber 2023 zunehmen wird, drohen die CO2-Emissionen dieses Sektors deutlich zu steigen.

Die EU hat daher im Rahmen ihres „Fit for 55“-Pakets eine ganze Reihe von Maßnahmen beschlossen, die die Emissionen im Flugverkehr reduzieren sollen.

4 %

trägt die internationale Luftfahrt aktuell zum gesamten Treibhausgasausstoß der EU bei.

Keine Gratis-Emissionszertifkate mehr für Fluggesellschaften

Der Luftverkehr unterliegt bereits seit 2012 dem europäischen Emissionshandel (EU ETS). Bis Ende 2025 haben die Fluggesellschaften jedoch einen großen Teil ihrer benötigten CO2-Zertifikate kostenlos erhalten. Seit Anfang 2026 ist damit Schluss: Die Airlines müssen für ihren gesamten CO2-Ausstoß Emissionsrechte erwerben. Das gilt für alle Flüge innerhalb der EU sowie von und nach Island und Norwegen. Auch Hinflüge nach Großbritannien und in die Schweiz sind betroffen. Mit der Verpflichtung zum Kauf von CO2-Zertifikaten gibt die EU den Unternehmen einen Anreiz, sparsamere Flugzeuge anzuschaffen und klimafreundliche Treibstoffe einzusetzen. Privatjets sind unter bestimmten Bedingungen von der Teilnahme am EU ETS ausgenommen.

Darüber hinaus sind die Fluggesellschaften seit 2025 verpflichtet, andere klimaschädliche Emissionen wie etwa Stick- und Schwefeldioxide oder Rußpartikel zu erfassen und zu melden. Das ermöglicht der EU, diese Stoffe später ebenfalls zu bepreisen. Konkrete Pläne dafür liegen aber noch nicht vor.

Die „ReFuelEU Aviation“-Initiative

Darüber hinaus verlangt die EU seit 2025 von den Lieferanten der Treibstoffe für den Flugverkehr, ihren Produkten so genannte Sustainable Aviation Fuels (SAF) beizumischen – also nachhaltige, nicht in Konkurrenz zu Lebensmittelerzeugung stehende Biokraftstoffe oder klimaneutrales synthetisches Kerosin. Lag die Quote zunächst bei 2 Prozent, steigt sie bis 2030 auf 6 Prozent und bis 2050 auf 70 Prozent. Ein Teil dieser Quoten muss ab 2030 durch synthetisches Kerosin erfüllt werden, um die Technologieentwicklung zu fördern. Zudem sind die Fluggesellschaften verpflichtet, vor dem Abflug von EU-Flughäfen dort mindestens 90 Prozent der Kerosinmenge zu tanken, die für einen sicheren Flug erforderlich ist. Das soll verhindern, dass die Airlines die SAF-Quote umgehen, indem sie ihre Tanks außerhalb Europas so weit füllen, dass der Treibstoff für den Rückflug von einem EU-Flughafen reicht.

Das Ende der Gratis-Zuteilung im Emissionshandel und die Vorgaben zur Verwendung nachhaltiger Flugtreibstoffe (SAF) sind die wesentlichen Hebel zur Minderung des CO₂-Ausstoßes in der europäischen Luftfahrt.

Alexandra Schadow, Leiterin Cross Asset Research der Landesbank Baden-Württemberg

CORSIA: Wenig Klimaschutz bei außereuropäischen Flügen

Bei Flügen, die außerhalb des europäischen Wirtschaftsraumes (EU plus Island, Norwegen und Liechtenstein) starten oder landen, setzt die EU auf das internationale CORSIA-System. CORSIA verlangt von den Fluggesellschaften, einen gewissen Anteil ihrer CO2-Emissionen durch Investitionen in Klimaschutzmaßnahmen in anderen Sektoren – zum Beispiel in Aufforstungsprogramme – zu kompensieren. CORSIA gilt als weitaus weniger wirkungsvoll als der EU-Emissionshandel. Die EU diskutiert daher derzeit, das eigene Handelssystem sowie die SAF-Vorgaben auf außereuropäische Flüge auszuweiten. Die EU-Kommission will dazu bis zum Sommer 2026 eine Evaluation vorlegen.

Ein Mann steht auf einem Felsvorsprung und betrachtet ein Windrad

Fit for 55 – Wie erreicht Europa seine Klimaziele?

„Fit for 55“ soll die CO₂-Emissionen drastisch senken. Das verlangt Menschen wie Unternehmen einiges ab. In diesem Themenspecial werden wichtige Fragen beantwortet.

Weltweit

LBBW weltweit

Benachrichtigungen

Bleiben Sie mit unseren Benachrichtigungen auf dem neusten Stand.

Es ist ein Fehler aufgetreten

Benachrichtigungen konnten nicht aktiviert werden

Um Benachrichtigungen zu erhalten, ist es erforderlich, dass Sie Benachrichtigungen in Ihren Browsereinstellungen aktivieren bzw. zulassen. Eventuell stehen Benachrichtigungen auf Ihrem Endgerät nicht zur Verfügung.

Wählen Sie die Rubriken für Ihre Benachrichtigungen aus. Sie können diese Einstellung jederzeit ändern.

Es ist ein Fehler aufgetreten