30.09.2026
LBBW Research: Baden-Württemberg wächst 2026 um 1,4 Prozent
Pressemitteilung | Studie BW Quarterly: „Konjunktur hellt sich auf“
- Unternehmensstimmung hellt sich im August deutlich auf
- BWAX erholt sich nach schwachem ersten Halbjahr – SAP als Treiber
- Digitalisierung und Energiewende entscheiden über die Wettbewerbsfähigkeit
Die baden-württembergische Wirtschaft ist dynamisch in das neue Jahr gestartet. Zugleich hat sich die Stimmung der Unternehmen im August deutlich aufgehellt. Vor dem Hintergrund einer besser als erwarteten Konjunkturentwicklung in Deutschland hebt das LBBW Research seine Prognose für Baden-Württemberg an: Anstatt des bisher erwarteten Nullwachstums rechnen die Ökonomen nun für 2026 mit einem realen Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 1,4 Prozent im Südwesten; für 2027 erwarten sie 1,1 Prozent.
Auch für Deutschland fällt der Ausblick freundlicher aus. Das LBBW Research erwartet für 2026 und 2027 bundesweit jeweils ein Wachstum von 1,0 Prozent. Im Vergleich der zwölf betrachteten Bundesländer liegt das erwartete Wachstum 2026 für Baden-Württemberg auf dem dritten Platz. Trotz trotz dieser konjunkturellen Belebung ist zu konstatieren, dass der Südwesten weiterhin mit strukturellen Herausforderungen konfrontiert ist.
„Die aktuelle Dynamik ist ein ermutigendes Signal. Sie darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Baden-Württemberg seine Wettbewerbsfähigkeit entschlossen stärken muss“, sagt Dr. Guido Zimmermann, Senior Economist im LBBW Research. „Gerade bei Digitalisierung, Energieversorgung und Investitionsbedingungen entscheidet sich, ob der Standort wieder dauerhaft an Dynamik gewinnt.“
BWAX gewinnt wieder an Boden
Auch am Kapitalmarkt zeigt sich eine Aufhellung. Der BWAX, der LBBW-Aktienindex aller börsennotierten Unternehmen aus Baden-Württemberg, hat nach einer schwachen ersten Jahreshälfte wieder an Boden gewonnen. Wesentlicher Treiber dieser Erholung waren die Kursgewinne von SAP als Indexschwergewicht.
„Die Entwicklung des BWAX zeigt, welche Bedeutung einzelne große Technologieunternehmen für den Kapitalmarktstandort Baden-Württemberg haben“, sagt Henning Oligmüller, Investmentanalyst im LBBW Research. „Gleichzeitig bleibt es entscheidend, die Breite des Standorts zu stärken und insbesondere kleineren und mittleren Unternehmen bessere Wachstums- und Transformationsbedingungen zu bieten.“
Digitalisierung und Energiewende als gemeinsame Standortstrategie
Im Mittelpunkt der aktuellen Ausgabe des BW Quarterly stehen zudem die Themenfelder Digitalisierung und die Energiewende. Beide zählen zu den wesentlichen Zukunftsvorhaben der grün-schwarzen Landesregierung.
Bei der Digitalisierung verfügt Baden-Württemberg über eine starke Ausgangsposition: Kein anderes Bundesland weist derzeit so viele KI-Anwendungen wie Baden-Württemberg auf. Jedoch hat der Südwesten bei der Digitalisierung kleinerer Unternehmen an Dynamik verloren. Insbesondere im europäischen Vergleich zeigt sich, dass kleinere Unternehmen in Baden-Württemberg bei der Anwendung künstlicher Intelligenz in der Industrie zurückfallen. Damit droht eine wachsende Lücke zwischen technologisch führenden Großunternehmen und dem Mittelstand. „Baden-Württemberg hat bei KI erhebliche Stärken. Damit daraus ein nachhaltiger Wettbewerbsvorteil entsteht, müssen digitale Anwendungen schneller in die Breite des Mittelstands gelangen“, sagt Guido Zimmermann. „Dafür braucht es praxistaugliche Förderangebote, digitale Infrastruktur und weniger bürokratische Hürden.“
Gleichzeitig bleibt die Energiewende ein zentraler Faktor für die Zukunftsfähigkeit des Landes. Mit schnelleren Genehmigungsverfahren, gezielten Förderungen für Speichertechnologien und mutigen Modellregionen kann Baden-Württemberg die Transformation zum Wettbewerbsvorteil machen. Ziel muss es sein, das Land wieder stärker als Magnet für Zukunftstechnologien, Investitionen und qualifizierte Fachkräfte zu positionieren. Eine verlässliche, bezahlbare und klimafreundliche Energieversorgung ist dafür ebenso entscheidend wie eine zügige Umsetzung digitaler Lösungen.
„Digitalisierung und Energiewende müssen als gemeinsame Standortstrategie verstanden werden“, betont Guido Zimmermann. „Wenn Baden-Württemberg Tempo bei Genehmigungen, Infrastruktur und Innovation macht, kann die Transformation neue Wertschöpfung schaffen und die industrielle Basis des Landes stärken.“
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Alexander Braun