22.05.2026
Weltweiter Anstieg der Renditen
Kapitalmärkte Weekly | Weltweit sprangen die Renditen langlaufender Staatstitel auf neue Jahreshöchststände.
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Konjunktur
Der ifo-Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft in Deutschland ist im Mai leicht von 84,5 auf 84,9 Punkte gestiegen und signalisiert damit eine vorsichtige Aufhellung der Stimmung. Das ist eine kleine positive Überraschung, denn die Nachrichtenlage der vergangenen Wochen bot eigentlich wenig Anlass für Zuversicht. Nun scheint trotzdem eine gewisse Bodenbildung in Sicht. Das gilt eben nicht nur für die Erwartungen, die ja auch trügen können, sondern auch für die Lage. Ob dabei nun der starke Auftragszugang der letzten Monate den Ausschlag gab oder andere Faktoren, ist schwer zu sagen. Fakt ist, dass zumindest der Auftragsbestand hoch ist. Das wäre eine gute Basis für eine Erholung, wenn etwa die Energiepreise sänken oder die allgemeine Stimmung sich besserte. Nimmt man das gesamte Umfeld aus Konjunktur und Politik, dann werden wir uns aber in Sachen Konjunkturdynamik noch ein paar Monate auf dem aktuellen Niveau dahinschleppen.
Zinsumfeld
Die wechselnde Nachrichtenlage im Nahen Osten hat die globalen Rentenmärkte in Bewegung gehalten. Dabei haben die Bären das Ruder in der Hand. Weltweit sprangen die Renditen langlaufender Staatstitel auf neue Jahreshöchststände. 30-jährige japanische Staatstitel übersprangen erstmals überhaupt die Marke von 4 %. Parallel schnellte die Rendite 10-jähriger US-Treasuries nach Überwinden ihres vorherigen Jahreshochs bis auf über 4,60 % empor, das höchste Niveau seit Januar 2025. Mehrere Erklärungen für die prägnante Rentenmarktschwäche bieten sich an: Die wachsende Gefahr, dass die Inflation nachhaltiger auf einem erhöhten Niveau bleibt, treibt die Anleger offenbar erheblich um. In den USA haben die Spekulationen auf eine Kehrtwende der Fed in Richtung geldpolitischer Straffung weiter Fahrt aufgenommen. Hierzu gab das Protokoll der jüngsten Notenbanksitzung Anlass, während sich die US-Konjunktur trotz aller Belastungen durch den Irankrieg robust zeigt. Zudem haben Sorgen vor steigenden Staatsschulden die Ausverkaufstendenzen an den Rentenmärkten begünstigt. Im Fokus steht neben den USA und Japan zurzeit auch Großbritannien.
Aktienmärkte
Offenbar glauben die Börsen nicht mehr an eine erneute Eskalation der Kampfhandlungen am Persischen Golf. Das begrenzt aber auch das Überraschungspotenzial nach oben. Stattdessen konzentrieren sich die Anleger auf den unverändert starken Boom der Künstlichen Intelligenz. Die extreme Chip-Nachfrage lässt Gewinne und Aktienkurse des Halbleitersektors explodieren. Damit verteuert sich aber auch die Ausstattung der Rechenzentren. Deren Finanzierung dürfte ohnehin schwieriger werden, denn die Folgen des Irankriegs werden sich in Form von Inflationsdruck durch die Volkswirtschaften fressen und die Notenbanken zu einer restriktiveren Geldpolitik zwingen. Immerhin: Trotz Eintrübung der Rahmenbedingungen haben sich die DAX-Unternehmen in der Berichtssaison recht robust gezeigt. Es gab in etwa genauso viele positive wie negative Ausblicke auf den weiteren Geschäftsverlauf.
Getrieben durch den Halbleiterboom hat sich der MSCI Korea seit Jahresbeginn im Wert verdoppelt.
Devisen
Die jüngsten Interventionen der Bank of Japan (BoJ) haben den Yen auch gegenüber dem Euro vorübergehend gestützt: EUR/JPY fiel von rund 188 zeitweise unter 183 und notiert aktuell wieder leicht darüber. Die Maßnahmen der BoJ zielen zwar primär auf den USD, signalisieren aber generell den Wunsch der Währungshüter nach einem festeren Yen, was sich kurzfristig dämpfend auf EUR/JPY auswirkt. Die schwache Währung verteuert die japanischen Importe in einer Phase stark gestiegener Energiepreise. Japan muss sein gesamtes Öl und LNG importieren, und diese Rohstoffe werden in USD fakturiert. Da reine Devisenmarktinterventionen erfahrungsgemäß kaum nachhaltig wirken, solange der deutliche Zinsnachteil des Yen gegenüber den anderen Währungen bestehen bleibt, rechnen wir damit, dass die jüngste Aufwertung gegenüber dem Euro nur begrenzt Bestand hat, und erwarten entsprechend eine Gegenbewegung. Mittel- bis längerfristig dürfte eine tatsächliche Zinsanhebung in Japan nötig sein, um den Yen dauerhaft zu stützen. Vor diesem Hintergrund belassen wir unsere Prognosen für EUR/JPY unverändert bei 182 per Mitte 2027.
Von: Dr. Berndt Fernow, Investmentanalyst
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