12.06.2026
EZB beschließt Zinserhöhung
Kapitalmärkte Weekly | Die EZB ist die erste große Notenbank, die nach dem energiepreisbedingten Iran-Krieg ihre Leitzinsen angehoben hat.
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Konjunktur
Finanzmarktfachleute zeigten sich Anfang Juni abermals optimistischer als vor einem Monat. Der sentix-Konjunkturindex stieg für fast alle Regionen und Länder. Sowohl die Erwartungen als auch die Lagebeurteilungen verbesserten sich mehrheitlich. Aufgrund des Irankriegs waren sie in den zwei Monaten März und April eingebrochen. In Deutschland verschlechterte sich im Juni allerdings die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Lage nochmals leicht, während sich die Erwartungen aufhellten, wodurch auch der Gesamtindex nach oben ging. Für den Euroraum sowie die meisten anderen Regionen und Länder gingen sowohl der Gesamtindex als auch die Teilindikatoren nach oben. Für Deutschland und Österreich prognostiziert der Indikator weiterhin eine Rezession, für das Eurogebiet einen Abschwung und für Osteuropa eine Stagnation. Dagegen signalisiert der sentix-Index für die USA, Japan, Lateinamerika und die Weltwirtschaft einen leichten Aufschwung.
Zinsumfeld
Die EZB ist die erste unter den großen Notenbanken, die in Reaktion auf den Energiepreisschock in Folge des Iran-Kriegs ihre Leitzinsen nach oben angepasst hat. Die Notenbanker treibt vor allem die Dauer der Blockade wichtiger Rohstofflieferungen durch die Straße von Hormus um. Die gefürchteten Zweitrundeneffekte bei der Inflation deuten sich bis dato zwar vor allem in Umfragen an. Das Risiko, dass sich diese im weiteren Jahresverlauf in Form einer im Trend anziehenden Kerninflationsrate materialisieren werden, wächst indes mit der Fortdauer der Hängepartie in den Verhandlungen über eine Wiederöffnung der Meerenge. Die aktualisierten EZB-Stabsprojektionen spiegeln diese wachsende Gefahr einer anhaltend erhöhten Teuerung ebenso wider wie zunehmende Belastungen für die Konjunktur im Euroraum. Hieraus ergibt sich für die Euro-Währungshüter ein geldpolitischer Spagat. Den externen Preisschock einfach laufen zu lassen, könnte die Verankerung der Inflationserwartungen erodieren und mithin die Glaubwürdigkeit der EZB beschädigen. Ein zu harscher Tritt auf die geldpolitische Bremse könnte die schwächelnde Wirtschaft in eine Rezession stürzen.
Aktienmärkte
Die Schlagzeilen werden in diesen Tagen in den USA gemacht: Die größte Neuemission der Geschichte wird heute erstmals an der Wall Street gehandelt. Auch wird die größte Fußball-Weltmeisterschaft der Geschichte, die gestern in Mexiko begonnen hat, in den kommenden Wochen vor allem auf US-amerikanischem Boden ausgetragen. Auf die Finanzmärkte dürfte das historische Sportereignis kaum ausstrahlen. Dort bestimmen weiterhin vor allem US-zentrierte Themen die Richtung. Zuletzt war es einmal mehr Donald Trump, der nach einem kurzen Rücksetzer für Beruhigung sorgte: „TACO-Trump“ stellte eine „großartige Vereinbarung“ mit Iran in Aussicht — und die Anleger griffen wieder beherzt zu. Wie lange diese Mechanik noch trägt, steht in den Sternen. Oder vielleicht eher: im Weltraum. Vor diesem Hintergrund haben wir unser europäisches Sektor-Depot zuletzt etwas defensiver ausgerichtet.
Auf Wochensicht ließ der S&P 500 Federn und ermäßigte sich um rund 4 %. Insbesondere Tech-Aktien gerieten unter die Räder.
Devisen
Die Nettozinszahlungen des US-Zentralstaates übertreffen mittlerweile dessen Verteidigungsausgaben. Daher sehen einige Historiker den Großmachtstatus der USA und damit auch die Rolle des US-Dollar als Weltleitwährung in Gefahr. Die Stellung des US-Dollar als die dominierende Welthandelswährung ist indes ungebrochen. Daher fungiert der US-Dollar in Krisenzeiten weiterhin als „sicherer Hafen“, was sich jüngst wieder nach dem Ausbruch des Irankrieges gezeigt hat. Zwei Argumente sprechen unseres Erachtens nun für eine Euro-Erholung: Erstens gehen wir davon aus, dass die Straße von Hormus im Verlauf des Sommer wieder passierbar sein wird und sich daher die im Zuge des Irankrieges getätigten Umschichtungen in den US-Dollar umkehren sollten. Zweitens wird die EZB nach unserer Prognose im laufenden Jahr ihren Einlagesatz zusätzlich zur ersten Erhöhung zusätzlich noch zweimal um jeweils 25 Basispunkte anheben, während die US-Notenbank lediglich eine Pause in ihren Zinssenkungskurs einlegen dürfte, was den Renditevorteil schmälert. Wir prognostizieren einen Eurokurs von 1,22 US-Dollar per Jahresende 2026.
Von: Henning Oligmüller, CIIA Investmentanalyst
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