02.04.2026

Vage Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Kriegshandlungen

Kapitalmärkte Weekly | Der Irankrieg bleibt an den Börsen das Thema Nummer 1. Zuletzt schürte Donald Trump Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Kriegshandlungen.

USA Iran Flaggen
USA Iran Flaggen

Immer aktuell informiert: Kapitalmärkte Weekly

Konjunktur

Die Stimmung in der europäischen Wirtschaft verschlechterte sich im März merklich, nach einer nur leichten Eintrübung im Februar. Der von der EU-Kommission erhobene Economic Sentiment Indicator (ESI) kam in der EU um 1,5 auf 96,7 Punkte und im Euroraum um 1,6 auf 96,6 Zähler zurück und fiel damit fast auf den Stand vom September 2025 zurück. Zudem sank der ESI weiter unter seinen langjährigen Durchschnitt von 100. Das Minus im März resultierte vor allem aus einer Stimmungseintrübung in Konsum und Handel sowie in geringerem Ausmaß vom Dienstleistungsbereich. Dagegen blieb die Stimmung in der Industrie quasi unverändert. Der Bau war der einzige Sektor, in dem der ESI über der Nulllinie lag und sich zudem leicht verbesserte. Unter den großen Ländern sank der ESI besonders deutlich in Frankreich und Spanien sowie etwas weniger ausgeprägt in den Niederlanden und in Italien. Für Polen und Deutschland blieb er fast stabil.

Zinsumfeld

Die wiederbelebte Hoffnung auf ein zeitnahes Kriegsende bescherte den Rentenmärkten eine vorösterliche Kursrally. Die Marktteilnehmer nahmen wieder Abstand von Spekulationen auf eine Zinsanhebung der Fed im laufenden Jahr. Vielmehr lebten Hoffnungen auf eine Leitzinssenkung im zweiten Halbjahr wieder auf. Die Rendite 10-jähriger USTreasuries korrigierte im Zuge dessen zeitweise rund ein Drittel ihres Anstiegs seit Ausbruch des Iran-Kriegs und rutschte auf den tiefsten Stand seit Mitte März. Bei alldem treffen die Veröffentlichungen aktueller makroökonomischer Daten offenbar weiterhin nur auf begrenztes Interesse unter den Anlegern. Die US-Privatwirtschaft verzeichnet demnach laut dem Dienstleister ADP weiterhin nur schleppende Beschäftigungszuwächse. Im März lagen diese mit 62.000 zwar etwas über ihrem Sechsmonatsdurchschnitt von 46.000, jedoch bewegt sich die Stellenentwicklung in einem recht engen Korridor. Eine generelle Aufhellung der US-Arbeitsmarktlage, welche die Risikogewichtung seitens der US-Notenbank (noch) stärker zur Inflationsseite verschieben würde, scheint daher nicht in Sicht zu sein.

Aktienmärkte

Der Irankrieg bleibt an den Börsen das Thema Nummer 1. Zuletzt schürte Donald Trump Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Kriegshandlungen. Es wird für ihn freilich schwierig, sich als Sieger zu präsentieren, wenn das US-Militär in wenigen Wochen das Feld verlassen soll. Das Mullah-Regime sitzt weiter fest im Sattel, das zum Bau von Atombomben angereicherte Uran wurde nicht sichergestellt, und zu allem Übel ist die Straße von Hormus faktisch gesperrt. Daher schwor Trump die Nation in einer Rede auf eine finale Attacke ein, was die Ölpreise weiter in die Höhe trieb. Derart volatil dürfte es noch eine Weile weitergehen, sowohl am Persischen Golf als auch an den Märkten. Die Effekte der höheren Energiepreise auf die Inflation sind bereits sichtbar. Wie sie sich auf die Gewinnperspektiven der Unternehmen auswirken, wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen, wenn die Q1-Berichte vorgelegt und die Jahresausblicke konkretisiert werden.

Der Preis für das Barrel Brent-Öl erreichte am Gründonnerstag nahezu das in 2022 verzeichnete Hoch.

137 USD

Preis für das Barrel Brent-Öl

Alternative Vermögenswerte

Die Aussicht auf ein mögliches Ende des Iran-Krieges sorgte an den Finanzmärkten diese Woche für eine leichte Rückkehr der Risikobereitschaft, und damit für Auftrieb beim Bitcoin. Die Kryptowährung stieg zuletzt um gut ein Prozent und notierte wieder deutlich über der Marke von 67.000 US‑Dollar, nachdem sie zu Wochenbeginn noch auf ein Monatstief gefallen war. Die Anleger werteten die jüngsten Signale aus Washington und Teheran als Hinweis auf eine mögliche Deeskalation. In den USA wird darüber spekuliert, inwieweit US-Präsident Trump die Militäraktion im Iran in absehbarer Zeit beenden könnte, selbst wenn die strategisch wichtige Straße von Hormus weiter nur eingeschränkt befahrbar wäre. Auch aus Teheran kamen zuletzt Signale, die zumindest auf eine Verhandlungsbereitschaft schließen lassen, sofern bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Dies dämpfte die Furcht vor anhaltend hohen Preisen und Versorgungsrisiken, wodurch die Marktteilnehmer riskantere Anlageklassen im Laufe der Handelswoche wieder stärker nachfragten. Dennoch sind die politischen Signale teils widersprüchlich und es bleibt ungewiss, ob diplomatische Ankündigungen umgesetzt werden. Entsprechend hoch dürfte die Volatilität bei Bitcoin und anderen Kryptowährungen vorerst bleiben.

Von: Henning Oligmüller, CIIA Investmentanalyst

Unser großes Bild in Kürze

Vergleichsdiagramm

Konjunktur

  • Deutschland: BIP dürfte 2026 moderat zulegen. Staatsausgaben stimulieren Nachfrage. Vor allem Investitionen dürften profitieren.
  • Hohe Inflations- und Konjunkturrisken durch Ölpreisanstieg im Kielwasser des Kriegs am Persischen Golf. Handelskonflikt mit USA belastet weiterhin.

Säulendiagramm

Zinsumfeld

  • Fed: Notenbanker setzen geldpolitischen Lockerungskurs bis mindestens Ende 2026 aus. Eine Zinssenkung im ersten Halbjahr 2027.
  • EZB: Schwenk zur geldpolitischen Straffung rückt näher. Zwei Zinsanhebungsschritte bis Ende 2026 erwartet. Einlagesatz dann auf absehbare Zeit bei 2,50 %.
  • EUR-Langfristzinsen: Aufwärtsrisiken dominieren angesichts wachsender Inflationssorgen.

Diagramm Linie

Aktienmärkte

  • Optimismus erhielt in der Berichtssaison den ersten Dämpfer.
  • Der Krieg am Golf erhöht die Gefahr einer längeren Korrektur
  • Investitionspakete und Konjunkturhoffnungen werden durch Zinsfurcht konterkariert.

Euro

Devisen

  • Der Renditevorteil von kurz laufenden US-Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen dürfte abnehmen.
  • Erratisches Agieren des US-Präsidenten untergräbt Vertrauen in den US-Dollar.
  • Flucht in den „sicheren Hafen“ US-Dollar dürfte nicht von Dauer sein.

Öl und Gas

Rohstoffe

  • Rohstoffe mit starkem Preisanstieg. Bloomberg Commodity Index erreicht neues Allzeithoch.
  • Angebotsrisiken bei Basismetallen stützen Preistrend. Aufwärtstrend bei Gold kommt durch Nahostkrieg ins Stocken.
  • Brent haussiert wegen der Blockade der Straße von Hormus. Längere Sperrung erscheint jedoch unwahrscheinlich.

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