04.09.2026

Rede von US-Notenbankchef Kevin Warsh bringt Kursrutsch an den Rentenmärkten

US-Arbeitsmarktbericht und Inflation im Fokus: Diese Daten könnten den nächsten Zinsentscheid der Fed und die Märkte prägen.

Hand, die Smartphone hält, auf der Aktienkurse zu sehen sind
Hand, die Smartphone hält, auf der Aktienkurse zu sehen sind

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Konjunktur

Die Stimmung in der europäischen Wirtschaft hellte sich im August weiter auf. Der von der EU-Kommission erhobene Economic Sentiment Indicator (ESI) stieg um 1,0 auf 98,2 Punkte in der EU und um 1,3 auf 98,4 Zähler im Euroraum. Damit lag der ESI näher an seinem langjährigen Durchschnitt von 100 und deutlich über den diesjährigen Tiefständen, die im April markiert worden waren. In den Ländern entwickelte sich der Indikator uneinheitlich. Oberhalb der 100er-Linie sank der ESI für Spanien (-2,2 auf 102,1 Punkte) und die Niederlande (-0,1 auf 102,8). In Polen fiel er um 0,5 auf 99,6 Punkte zurück. Im negativen Bereich verbesserten sich Frankreich um 2,3 sowie Deutschland um 1,3 Punkte. Zudem hellte sich der ESI in fast allen Wirtschaftssegmenten deutlich auf. Lediglich für den Bau und den Konsum entwickelte er sich nur leicht aufwärts. Der einzige Bereich mit einem überdurchschnittlichen Stand blieb der Dienstleistungssektor.

Zinsumfeld

In den vergangenen Tagen erfasste ein erneuter Kursrutsch die wichtigsten Rentenmärkte von den USA über Europa bis Japan. Im Hintergrund belasten weiterhin die Sorgen vor einer eskalierenden Staatsverschuldung die Stimmung der Anleger. Darüber hinaus gab sich US-Notenbankchef Kevin Warsh im Rahmen seines mit Spannung erwarteten Auftritts in Jackson Hole „hawkish“. Der oberste US-Währungshüter öffnete deutlicher als zuvor die Tür für eine Leitzinsanhebung auf der in zwei Wochen anstehenden Notenbanksitzung. Ausschlaggebend für die geldpolitische Weichenstellung dürfte laut dem Fed-Präsidenten sein, ob der unterliegende Inflationsdruck zeitnah nachlässt. Wir halten den Ausgang der besagten Fed-Sitzung derzeit noch für offen, da ein erneutes Sinken der US-Kerninflation im August angesichts leicht negativer Basiseffekte keineswegs abwegig ist. Sollte der Teuerungsdruck demgegenüber zunehmen, so dürfte nach den jüngsten Äußerungen des Fed-Chefs der Weg für die erste Zinsanhebung seit Sommer 2023 geebnet sein. Vorprogrammiert erscheint uns hingegen eine weitere Zinsanhebung durch die EZB am kommenden Donnerstag.

Aktienmärkte

Die aktuelle Kombination aus hoher Bewertung des US-Aktienmarkts sowie einer, das höhere Risiko einer Aktienanlage nur noch höchst unzureichend abdeckenden niedrigen Risikoprämie, gehört historisch den ungünstigsten aller bislang zu beobachteten Konstellationen an. Dies muss jedoch keineswegs bedeuten, dass ein Crash bevorsteht. Allen Unkenrufen zum Trotz ist genauso möglich, dass die KI-induzierte Rally noch eine geraume Zeit fortdauert. Das Chance-Risiko-Verhältnis ist gleichwohl jetzt schon stark eingetrübt. Bei vergleichsweise ähnlich ungünstigen Kombinationen aus hoher Bewertung und niedriger Risikoprämie lag der Erwartungswert für die weitere Kursentwicklung des S&P 500 für die kommenden zwölf Monate lediglich knapp oberhalb von Null. Auf Sicht von mehreren Jahren sank dieser sogar deutlich ins Minus. Über kurz oder lang wird ein überbewerteter Aktienmarkt folglich auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

Alternative Vermögenswerte

Seit Anfang August verzeichnete der Bitcoin deutliche Kursgewinne. Als mögliche Auslöser gelten die Unsicherheit an den Anleihemärkten in Verbindung mit steigenden Renditen sowie Sorgen wegen der Verschuldung großer KI-Unternehmen und hinsichtlich der Handlungsfähigkeit der amerikanischen Notenbank. In einem solchen Umfeld gewinnen Kryptowährungen bei Anlegern als alternative Assets an Bedeutung. Auf Monatsbasis stieg der Bitcoin-Kurs um rund 30 % auf einen Höchstwert von knapp 81.000 US-Dollar. Auch andere Kryptowährungen legten in diesem Zeitraum zu. Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt der Markt durch ein Treffen von US-Präsident Donald Trump mit Vertretern der Unternehmen Coinbase, Ripple und Robinhood sowie den Vorsitzenden der Aufsichtsbehörden SEC und CFTC. Wesentliche neue regulatorische Maßnahmen wurden dabei aber nicht bekanntgegeben. Die Marktteilnehmer werteten das Treffen vielmehr als Hinweis darauf, dass die US-Regierung ihren grundsätzlich positiven Kurs gegenüber der Kryptobranche fortsetzen könnte. Die Hoffnung auf ein kryptofreundliches Washington hat erheblichen Einfluss auf die weitere Kursentwicklung.

Der Bitcoin verbuchte auf Monatssicht einen deutlichen Anstieg und notierte zuletzt bei rund 81.000 US-Dollar.

30

% Plus

Wert des Bitcoin

Rohstoffe: Gold

Die Zweifel, ob die US-Regierung unter Donald Trump die rasant steigende Staatsverschuldung in den Griff bekommt, wachsen. Ein klares Zeichen für dieses Misstrauen am Markt ist der jüngst stark gestiegene Goldpreis, während der US-Dollar Schwäche zeigt. Auch der Versuch von US-Finanzminister Scott Bessent, durch den Rückkauf von Staatsanleihen Vertrauen zurückzugewinnen, ging nach hinten los. Dass in den Goldpreis zuletzt wieder Bewegung gekommen ist, lag nicht nur an der Diskussion um den hohen US-Schuldenberg. Auch schlechtere Zahlen vom Arbeitsmarkt und niedrigere Ölpreise sind zwei gute Argumente dafür, dass die US-Notenbank in diesem Jahr die Zinsen doch nicht mehr anhebt. Zudem haben zuletzt einmal mehr die Goldkäufe der Notenbanken zugenommen, und auch die Gold-ETCs sind in den letzten Wochen erneut auf die Käuferseite gewechselt. Gold scheint wieder in einen Aufwärtstrend eingeschwenkt zu sein. Wir erhöhen daher unsere Prognose auf 5.200 US-Dollar zum Jahresende 2027.

Rohstoffe: Öl

Am Ölmarkt bleibt die Lage um die Straße von Hormus weiterhin angespannt. Immer noch ausreichend hohe Lagerbestände, absehbare Produktionsrekorde in den USA, sehr hohe freie Förderkapazitäten der Golfanrainer sowie eine deutlich gedrückte Nachfrage dürften aber spätestens im ersten Halbjahr 2027 wieder für einen Angebotsüberschuss sorgen. Wir gehen unverändert von deutlichem Korrekturpotenzial bei den Ölpreisen aus. Bis Ende 2027 dürfte Brent auf 70 US-Dollar zurückfallen. Gegenwärtig notiert ein Fass der Sorte Brent knapp unterhalb von 90 US-Dollar. Damit hat der Preis seit Jahresbeginn um rund 45 % zugelegt und befindet sich aktuell noch immer auf einem hohen Niveau.

Von: Henning Oligmüller, CIIA Investmentanalyst

Unser großes Bild in Kürze

Vergleichsdiagramm

Konjunktur

  • Deutschland: Deutschland: BIP ist im ersten Halbjahr solide gewachsen. Staatsausgaben und Ausfuhren stimulieren Nachfrage. Auftragsbestand nimmt zu. Private Investitionen bleiben zurückhaltend.
  • Inflations- und Konjunkturrisiken durch den Energiepreisanstieg im Kielwasser des Kriegs am Perisschen Golf. Handelskonflikt mit den USA belastet weiterhin.

Säulendiagramm

Zinsumfeld

  • FED: Notenbank häkt Leitzins bis mindestens Sommer 2027 unverändert. Erhöhung vorerst wahrscheinlicher als Senkung.
  • EZB: Kommende Woche eine weitere Zinserhöhung erwartet, Einlagesatz danach für längere Zeit bei 2,50 %. Zinssenkung frühestens gegen Jahresende 2027
  • EUR-Langfristzinsen: Aufwärtsrisiken dominieren angesichts der Inflationssorgen und der steigenden Verschuldung.

Diagramm Linie

Aktienmärkte

  • Unternehmen zeigen im laufenden Jahr starke Gewinnentwicklung.
  • Börsen sehen den KI-Investitionsboom zunehmend kritisch.
  • Schwelender Irankrieg und steigende Renditen wirken als latente Belastungsfaktoren für die Aktienmärkte.

Euro

Devisen

  • Der Renditevorteil von kurz laufenden US-Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen dürfte moderat abnehmen.
  • Erratisches Agieren des US-Präsidenten untergräbt Vertrauen in den US-Dollar.
  • Flucht in den „sicheren Hafen“ dürfte nicht von Dauer sein.

Öl und Gas

Rohstoffe

  • Bloomberg Commodity Index dürfte nach Erholung zunächst wieder konsolidieren.
  • Anhaltender Konflikt zwischen USA und Iran hält Ölpreise auf hohem Niveau. Bei Öffnung der Straße von Hormus dürften Ölpreise wieder deutlich nachgeben.
  • Sentiment bei Gold zuletzt deutlich verbessert. Rückenwind durch Käufe von Notenbanken und Gold-ETCs.

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