27.03.2026
Irankrieg belastet das Wachstum und treibt die Inflation
Kapitalmärkte Weekly | Wie es im Iran-Krieg weitergeht, ist offen. Klar scheint indes, dass hierdurch die Inflation anziehen und das Wachstum sich abschwächen wird.
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Konjunktur
Der Irankrieg belastet die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Unternehmen deutlich. Nach Angaben des ifo-Instituts ist das Geschäftsklima im März von revidiert 88,4 auf 86,4 gefallen. Angesichts der Eskalation am Golf mit dem scharfen Anstieg der Energiepreise überrascht dies nicht. Die Fortsetzung des verhaltenen Aufschwungs in der deutschen Industrie ist damit erst einmal vom Tisch. Der Rückgang des Geschäftsklimas war komplett erwartungsgetrieben. Während die Lage mit 86,7 unverändert blieb, brachen die Erwartungen von 90,2 auf 86,0 Punkte ein. Ob sich in den Folgemonaten die Lage den Erwartungen annähert oder umgekehrt die Erwartungen wieder der robusten Lage Rechnung tragen, wird vor allem von der Entwicklung am Persischen Golf abhängen. Wir rechnen damit, dass die Straße von Hormus spätestens im Mai wieder ungehindert passierbar sein wird. Aufgrund der bisherigen Kriegsfolgen haben wir unsere BIP-Prognosen leicht gesenkt.
Zinsumfeld
Da nach einem Monat Irankrieg noch kein unmittelbares Ende absehbar ist, haben wir auch unsere Inflationsprognosen überarbeitet. Wir rechnen mit einer über mehrere Monate anhaltenden Phase spürbar erhöhten Preisdrucks. Dieser dürfte im Zuge einer mittelfristigen Normalisierung des Preisniveaus am Energiemarkt nur sukzessive nachlassen, da mit Zweitrundeneffekten zu rechnen ist. Klar abzugrenzen ist dies allerdings von einer Preisaufwärtsspirale, welche durch den Corona- und Ukraine-Schock des Jahres 2022 ausgelöst wurde. Mit einer vergleichbaren Persistenz stark erhöhter Teuerungsraten rechnen wir in unserem Hauptszenario nicht. Die Preissetzungsmacht der Unternehmen dürfte aktuell ebenso geringer sein als vor vier Jahren wie die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften, da die Arbeitsmarktlage zu beiden Seiten des Atlantiks weitgehend statisch ist. Unsere US-Inflationsprognose für 2026 haben wir von 2,9 % auf 3,3 % angehoben, während wir für den Euroraum nunmehr von einer Teuerung von 2,8 % (statt bisher 2,0%) ausgehen. Konsequenterweise passen wir auch unsere Leitzinserwartungen nach oben an.
Aktienmärkte
Wie es im Iran-Krieg weitergeht, ist offen. Klar scheint indes, dass hierdurch die Inflation anziehen und das Wachstum sich abschwächen wird. Weil die Indexgewinne genauso wie die Aktienkurse nominale und keine realen Größen sind, legten erstere im Umfeld früherer Ölpreisschocks trotzdem zu. Historisch gingen die Aktienkurse zunächst jedoch in die Knie, weil die Anleger bei den Bewertungen in aller Regel einen deutlichen Risikoabschlag vornahmen. Den initialen Kursrückgängen folgte mit wieder sinkenden Ölpreisen typischerweise eine Erleichterungsrally. Weil der Makro-Newsflow in den Folgemonaten dann jedoch negativ ausfiel, waren die Anleger längere Zeit hin- und hergerissen. Erst als sie Licht am Ende des Tunnels wahrnahmen, billigten sie Aktien wieder höhere Bewertungen zu. Wegen der aktuell schwierigen Gemengelage haben wir zunächst unsere Indexziele für Mitte 2026 gesenkt.
Der Nahost-Krieg hat die Gold-Hausse ausgebremst. Wir prognostizieren 5.500 USD je Feinunze per Mitte 2027.
Rohstoffe: Öl
Die Notierungen am Ölmarkt bilden zurzeit das wichtigste Barometer, an dessen Ausschlägen sich die Anleger sowohl an den globalen Aktienmärkten als auch an den Rentenmärkten orientieren. Hier lieferte die zu Ende gehende Woche eine Achterbahnfahrt der Gefühle: Eskalationssignale von US-Präsident Trump verdarben den Anlegern den Wochenstart, wobei der Brent-Ölpreis in der Spitze erneut an der Marke von 120 USD/Barrel kratzte, eine Entschärfung der Rhetorik ließ die Notierungen dann zurückfallen, am Ende ging es aber wieder nach oben. Insgesamt hat die Blockade der Straße von Hormus zu deutlich höheren Energiepreisen geführt. Wir gehen zwar weiterhin davon aus, dass der Ölpreis fällt, sobald die Durchfahrt durch die Meerenge wieder möglich ist. Da mittlerweile durch den Krieg aber auch Produktionsanlagen, Raffinerien und Ölinfrastruktur in Mitleidenschaft gezogen wurden, dürfte das weltweite Angebot die Vorkriegswerte langsamer erreichen als bislang angenommen. Wir erhöhen daher unsere Prognose und erwarten, dass Brent zur Jahresmitte 2027 bei 75 USD notiert.
Rohstoffe: Gold
Durch die höheren Energiepreise steigt auch die Inflation. Damit sinkt jedoch die Wahrscheinlichkeit für Zinssenkungen durch die Notenbanken - was wiederum den Goldpreis belastet. Daneben hat auch der US-Dollar seit Kriegsbeginn deutlich zugelegt. Allerdings bleibt die Nachfrage nach Goldmünzen und -barren bislang stabil. Auch halten sich die Verkäufe der Gold-ETCs in Grenzen. Zudem erwarten wir trotz der höheren Inflation weiterhin Zinssenkungen in den USA. Und auch der USDollar sollte im Jahresverlauf wieder abwerten. Die Gold-Hausse dürfte durch den Nahostkrieg also nicht beendet, sondern nur abgebremst werden. Wir senken vor diesem Hintergrund unsere Prognose. Zur Jahresmitte 2027 rechnen wir mit Preisen von 5.500 USD pro Feinunze.
Von: Henning Oligmüller, CIIA Investmentanalyst
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