02.10.2026

Inflations- und Zinsprognosen angehoben

Die Stimmung in der europäischen Wirtschaft hellte sich im September nicht weiter auf.

Mann Analyse Wirtschaft Handel Börse Chart
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Konjunktur

Die Stimmung in der europäischen Wirtschaft hellte sich im September nicht weiter auf. Der von der EU-Kommission erhobene Economic Sentiment Indicator (ESI) sank leicht um 0,4 auf 97,9 Punkte in der EU und um 0,5 auf ebenfalls 97,9 Zähler im Euroraum. Damit lag der ESI weiterhin unter seinem langjährigen Durchschnitt von 100, aber deutlich über den diesjährigen Tiefständen, die im April markiert worden waren. Für den Rückgang war die Konsumstimmung verantwortlich, die auf niedrigem Niveau um einen Prozentpunkt sank. Dagegen ging der ESI in den anderen Wirtschaftssegmenten nach oben. Insgesamt schlägt sich die heimische Konjunktur im bisherigen Jahresverlauf dennoch besser als erwartet. Daher haben wir unsere BIP-Prognose für Deutschland 2026 und 2027 leicht angehoben. Nun erwarten wir hierzulande 1,0 % Wachstum 2026 und 2027 (bisher: 0,7 % bzw. 0,8 %) sowie für das Eurogebiet 1,0 % und 1,3 % (bisher: 0,8 % und 1,0 %) (jeweils kalenderbereinigt).

Zinsumfeld

Angesichts der Serie vorwiegend hawkisher Äußerungen aus den Reihen von Fed und EZB haben wir unsere Leitzinsprognosen sowohl für die USA als auch für den Euroraum nach oben angepasst. Wir erwarten nunmehr von der US-Notenbank im Dezember 2026 einen weiteren Erhöhungsschritt um 25 Basispunkte. Anschließend sollte das Tagegeldzielband bis mindestens in den Herbst 2027 hinein auf dem dann erreichten Niveau von 4,00 % bis 4,25 % verharren. Bei den Euro-Währungshütern rechnen wir mit zwei weiteren Anhebungen zu je 25 Basispunkten bis Ende des ersten Quartals 2027. Als Termin der nächsten Straffung halten wir die Dezember-Sitzung des EZB-Rats für am wahrscheinlichsten. Bei einem Einlagesatz von 3,00 % dürfte der Leitzinsgipfel erreicht werden. Zinssteigerungen sollten sich auf die gesamten Renditekurve zeigen, daher haben wir auch unsere Prognosen für Bund- und Treasuryrenditen angehoben. Unsere Inflationsprognosen für den Euroraum für 2026 und 2027 haben wir jeweils leicht aufwärts korrigiert. Im Hauptszenario bleibt es bei der Grundeinschätzung, dass Zweitrundeneffekte nur in gemäßigtem Umfang zu Buche schlagen werden.

Aktienmärkte

Sind steigende Bondrenditen negativ für Aktien? In dieser Allgemeinheit stimmt dies nicht. Im Gegenteil: Weil steigende Renditen zumeist Reflex einer verbesserten Konjunktur sind, welche zu höheren Unternehmensgewinnen führt, legte der S&P 500 in dieser Konstellation sogar zumeist überdurchschnittlich zu. Dies galt jedoch nur dann, wenn die Rendite zehnjähriger US-Treasuries unterhalb von 5 % lag, was inzwischen nicht mehr der Fall ist. Überstieg sie dieses Niveau, ging der US-Markt zwar nicht zwingend in die Knie, entwickelte sich jedoch nur noch unterdurchschnittlich. Die Höhe der Aktienrisikoprämie war hierbei von zusätzlicher Bedeutung. Jene fällt schon längere Zeit nicht mehr adäquat aus. Nun tauchte sie sogar in negatives Terrain ab. Hinzu kommt: Auf Ebene des S&P 500 scheint die Welt noch in Ordnung. Aber hinter den Kulissen befinden sich viele US-Aktien bereits im Abwärtssog. Ein ähnliches Bild war Anfang 2000 auch im DAX zu beobachten.

Bis Ende 2027 rechnen wir mit einem Anstieg des Goldpreises auf 4.800 USD je Feinunze.

4800

USD

je Feinunze

Rohstoffe

Fundamental spricht die Lage am Goldmarkt weiter für steigende Preise. Die Angebotsseite ist wenig dynamisch, die Nachfrage nach Münzen und Barren ist stabil, die Notenbanken haben ihre Goldkäufe zuletzt ausgeweitet, und auch die ETCs stehen wieder auf der Käuferseite. Zudem bleibt die US-Politik ein Unsicherheitsfaktor, weil sie vermutlich auch in Zukunft für die eine oder andere Überraschung an den Finanzmärkten gut sein wird – Gold sollte damit auch weiterhin als sicherer Hafen gefragt bleiben. Die anhaltenden Störungen beim Ölhandel halten jedoch die Energiepreise auf einem sehr hohen Niveau und sorgen für steigende Inflationsraten. Daher werden EZB und Fed die Leitzinsen voraussichtlich doch noch weiter anheben und damit zunächst Gegenwind für den Goldpreis bringen. Der von uns erwartete Aufschwung bei Gold dürfte sich damit etwas verzögern. Wir rechnen vorerst nur mit einem Seitwärtstrend der Notierungen. Zum Jahresende 2026 erwarten wir ein Niveau von 4.200 USD. Erst im nächsten Jahr dürfte die Dynamik dann wieder zunehmen und den Preis für die Feinunze bis Ende 2027 auf 4.800 USD steigen lassen.

Von: Henning Oligmüller, CIIA Konjunktur

Unser großes Bild in Kürze

Vergleichsdiagramm

Konjunktur

  • Deutschland: BIP ist im ersten Halbjahr solide gewachsen. Staatsausgaben und Ausfuhren stimulieren Nachfrage. Auftragsbestand nimmt zu. Private Investitionen bleiben zurückhaltend.
  • Inflations- und Konjunkturrisiken durch den Energiepreisanstieg im Kielwasser des Kriegs am Perisschen Golf. Handelskonflikt mit den USA belastet weiterhin.

Säulendiagramm

Zinsumfeld

  • Fed: Eine weitere Zinsanhebung bis Ende 2026, Leitzins danach für einige Zeit unverändert bei 4,25 %.
  • EZB: Zwei weitere Zinsanhebungen bis Frühjahr 2027, Einlagesatz erreicht Peak bei 3,00 %.
  • EUR-Langfristzinsen: Kurzfristig dominieren Aufwärtsrisiken angesichts wachsender Inflationssorgen und der steigenden Verschuldung, mittelfristig Aussicht auf Gegenbewegung.

Diagramm Linie

Aktienmärkte

  • Unternehmen zeigen im laufenden Jahr starke Gewinnentwicklung.
  • Börsen sehen den KI-Investitionsboom zunehmend kritisch.
  • Schwelender Irankrieg und steigende Renditen wirken als latente Belastungsfaktoren für die Aktienmärkte.

Euro

Devisen

  • Der Renditevorteil von kurz laufenden US-Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen dürfte moderat abnehmen.
  • Der absehbare Streit um die Erhöhung der US-Schuldenobergrenze dürfte das Vertrauen in den US-Dollar schmälern.

Öl und Gas

Rohstoffe

  • Bloomberg Commodity Index dürfte nach Allzeithoch zunächst konsolidieren.
  • Anhaltender Konflikt zwischen USA und Iran hält Ölpreise auf hohem Niveau. Bei Öffnung der Straße von Hormus dürften Ölpreise wieder deutlich nachgeben.
  • Zinserhöhungen bringen Gegenwind für Gold. Preis wird gestützt durch Käufe von Notenbanken und Gold-ETCs.

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