28.08.2026

Gold als sicherer Hafen gefragt, Ölpreis mit Korrekturpotenzial

Gold profitiert von wachsenden US-Schuldensorgen und steigender Nachfrage. Beim Öl sprechen hohe Lagerbestände und ein drohender Angebotsüberschuss für Korrekturen.

Mehrere Goldtafeln gestapelt
Mehrere Goldtafeln gestapelt

Immer aktuell informiert: Kapitalmärkte Weekly

Konjunktur

Deutschlands Unternehmen zeigten sich im August abermals besser gelaunt. Das ifo-Geschäftsklima stieg den vierten Monat in Folge, und zwar gegenüber dem Vormonat um 1,1 auf 88,8 Punkte sogar recht deutlich. Es lag damit erstmals über dem Februar-Niveau vor dem Irankrieg (86,6 Punkte). Die Unternehmen zeigten sich zufriedener mit ihrer aktuellen Situation. Der Lageindikator übertraf mit 88,5 Punkten den Stand vom Februar ebenfalls merklich, nämlich um 1,9 Zähler. Der Erwartungsindex ging kräftig um 2,3 auf 89,1 Punkte nach oben und befindet sich damit nur noch 1,2 Punkte unter dem Februar-Niveau. Auch in den Wirtschaftssegmenten verbesserte sich das Geschäftsklima. Lediglich der Einzelhandel verzeichnete eine leichte Eintrübung. Für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor gingen sowohl die Erwartungen als auch die Lageurteile nach oben. Im Bauhauptgewerbe stiegen die Erwartungen deutlich, die Lageeinschätzung sank etwas.

Zinsumfeld

Die Kurse an den großen Staatsanleihemärkten beiderseits des Atlantiks sind in der laufenden Woche auf einen Erholungspfad eingeschwenkt. Der Sturm, welcher die Renditen ultra-langlaufender Staatstitel vor Wochenfrist auf mehrjährige Höchststände getragen hatte, ist vorerst abgeflaut. Wir machen zwei Faktoren für die Aufhellung der Rentenmarktstimmung verantwortlich. Einerseits ist der Brent-Rohölpreis in der laufenden Woche merklich gesunken und mit ihm die Sorge vor einer anhaltend erhöhten Inflation. Andererseits keimen wieder einmal Hoffnungen auf eine Wiederöffnung der Straße von Hormus auf. Am EUR-Rentenmarkt hat der Rücksetzer der Energiepreise die Spekulation der Marktteilnehmer ein wenig gedämpft, dass die EZB nach der für September weithin erwarteten Zinserhöhung ihre Geldpolitik vor dem Jahresende ein weiteres Mal straffen wird. Der hiervon ausgehende Kursrückenwind für den Rentenmarkt hielt sich allerdings in Grenzen, da die jüngsten Konjunkturdaten aus dem Euroraum eher den geldpolitischen Falken im EZB-Rat in die Hände gespielt haben.

Aktienmärkte

Bis ins Jahr 2028 dürfte der Rechenzentren-Boom anhalten, so die Finanzchefin des KI-Chipdesigners Nvidia, der erneut starke Zahlen vorlegte. Die Achillesferse des Booms bildet allerdings seine Finanzierung. Die Kalkulation beruht auf der Annahme, dass die Erlöse der Modellentwickler rasant steigen. Andernfalls können sie die bestellte Rechenleistung nicht bezahlen. In dieser Hinsicht kommt der Renditeanstieg am langen Ende des Rentenmarktes, ausgelöst durch die wachsende US-Schuldenaufnahme, höchst ungelegen. Ein Politikwechsel im US-Kongress nach den Zwischenwahlen könnte sowohl die Finanzpolitik als auch die Regulierung der KI-Industrie stark verändern. Der 18 Milliarden Dollar schwere Vergleich von Meta mit US-Bundesstaaten gibt hierauf einen Vorgeschmack. Unsere Projektion sieht eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür, dass beide Kammern des Kongresses kippen.

Das Umfeld für Gold ist derzeit sehr positiv. Wir haben unsere Prognose angehoben und erwarten 5.200 USD per Ende 2027.

5200

USD

Goldpreisprognose

Rohstoffe: Gold

Die Zweifel, ob die US-Regierung unter Donald Trump die rasant steigende Staatsverschuldung in den Griff bekommt, wachsen. Ein klares Zeichen für dieses Misstrauen am Markt ist der jüngst stark gestiegene Goldpreis, während der US-Dollar Schwäche zeigt. Auch der Versuch von US-Finanzminister Scott Bessent, durch den Rückkauf von Staatsanleihen Vertrauen zurückzugewinnen, ging nach hinten los. Dass in den Goldpreis zuletzt wieder Bewegung gekommen ist, lag nicht nur an der Diskussion um den hohen US-Schuldenberg. Auch schlechtere Zahlen vom Arbeitsmarkt und niedrigere Ölpreise sind zwei gute Argumente dafür, dass die US-Notenbank in diesem Jahr die Zinsen doch nicht mehr anhebt. Zudem haben zuletzt einmal mehr die Goldkäufe der Notenbanken zugenommen, und auch die Gold-ETCs sind in den letzten Wochen erneut auf die Käuferseite gewechselt. Gold scheint wieder in einen Aufwärtstrend eingeschwenkt zu sein. Wir erhöhen daher unsere Prognose auf 5.200 US-Dollar zum Jahresende 2027.

Rohstoffe: Öl

Am Ölmarkt bleibt die Lage um die Straße von Hormus weiterhin angespannt. Immer noch ausreichend hohe Lagerbestände, absehbare Produktionsrekorde in den USA, sehr hohe freie Förderkapazitäten der Golfanrainer sowie eine deutlich gedrückte Nachfrage dürften aber spätestens im ersten Halbjahr 2027 wieder für einen Angebotsüberschuss sorgen. Wir gehen unverändert von deutlichem Korrekturpotenzial bei den Ölpreisen aus. Bis Ende 2027 dürfte Brent auf 70 US-Dollar zurückfallen. Gegenwärtig notiert ein Fass der Sorte Brent knapp unterhalb von 90 US-Dollar. Damit hat der Preis seit Jahresbeginn um rund 45 % zugelegt und befindet sich aktuell noch immer auf einem hohen Niveau.

Von: Henning Oligmüller, CIIA Investmentanalyst

Unser großes Bild in Kürze

Vergleichsdiagramm

Konjunktur

  • Deutschland: BIP ist im ersten Halbjahr solide gewachsen. Staatsausgaben und Ausfuhren stimulieren Nachfrage. Auftragsbestand nimmt zu. Private Investitionen bleiben zurückhaltend.
  • Inflations- und Konjunkturrisiken durch den Energiepreisanstieg im Kielwasser des Kriegs am Perischen Golf. Handelskonflikt mit den USA belastet weiterhin.

Säulendiagramm

Zinsumfeld

  • FED: Notenbank hält Leitzins bis mindestens Sommer 2027 unverändert. Erhöhung vorerst wahrscheinlicher als erneute Senkung.
  • EZB: Bis Ende 2026 eine weitere Zinserhöhung erwartet, Einlagesatz danach für längere Zeit bei 2,50 %. Zinssenkung frühestens gegen Jahresende 2027.
  • EUR-Langfristzinsen: Aufwärtsrisiken dominieren angesichts der Inflationssorgen und der steigenden Verschuldung.

Diagramm Linie

Aktienmärkte

  • Unternehmen zeigen im laufenden Jahr starke Gewinnentwicklung
  • Börsen sehen den KI-Investitionsboom zunehmend kritisch.
  • Schwelender Irankrieg und steigende Renditen wirken als latente Belastungsfaktoren für die Aktienmärkte.

Euro

Devisen

  • Der Renditevorteil von kurz laufenden US-Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen dürfte moderat abnehmen.
  • Erratisches Agieren des US-Präsidenten untergräbt Vertrauen in den US-Dollar.
  • Flucht in den „sicheren Hafen“ dürfte nicht von Dauer sein.

Öl und Gas

Rohstoffe

  • Bloomberg Commodity Index dürfte nach Erholung zunächst wieder konsolidieren.
  • Anhaltender Konflikt zwischen USA und Iran hält Ölpreise auf hohem Niveau. Bei Öffnung der Straße von Hormus dürften Ölpreise wieder deutlich nachgeben.
  • Sentiment bei Gold zuletzt deutlich verbessert. Rückenwind durch Käufe von Notenbanken und Gold-ETCs.

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