24.07.2026

EZB lässt Zinsen unverändert

Der Zinsbeschluss der Europäischen Zentralbank kam wenig überraschend, ebenso wenig bot die begleitende Presseerklärung Neues.

EZB Frankfurt Europa EU Flaggen
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Immer aktuell informiert: Kapitalmärkte Weekly

Konjunktur

Die Konjunkturerwartungen der Finanzmarktfachleute haben sich im Juli den dritten Monat in Folge verbessert. Der ZEW-Indikator für die Aussichten der Wirtschaft in den kommenden sechs Monaten stieg sowohl für Deutschland (+15,8 auf 26,3 Punkte) als auch für das Eurogebiet (+13,9 auf 23,4 Punkte) kräftig. Hierzulande könnte sich darin das Reformpaket widerspiegeln. Die meisten Branchen und insbesondere die exportorientierten Sektoren sowie die Binnennachfrage verzeichneten anhaltende Zuwächse. Dagegen ging der Indikator für die Fahrzeugindustrie auf niedrigem Niveau weiter nach unten (-11,3 gegenüber dem Vormonat auf -46,6 Punkte). Auch die Bewertung der aktuellen Lage blieb trotz einer leichten Aufhellung weit im negativen Bereich (Deutschland +3,4 auf -77,6 Punkte; Eurozone +5,7 auf -37,7 Punkte, jeweils gegenüber dem Vormonatswert).

Zinsumfeld

Der EZB-Rat hat am Donnerstag beschlossen, die Leitzinsen unverändert zu lassen. Der Einlagesatz bleibt damit bei 2,25 %. Der Zinsbeschluss der Europäischen Zentralbank kam wenig überraschend, ebenso wenig bot die begleitende Presseerklärung Neues. Präsidentin Christine Lagarde präzisierte in der Pressekonferenz, dass die Inflationsrisiken nach wie vor aufwärtsgerichtet seien, während sich die Konjunkturperspektiven eintrübten. Die EZB hat überdies ungeachtet genauester Beobachtung für die Preise im Euroraum noch keine Zweitrundeneffekte des zurückliegenden Anstiegs der Rohölpreise ausmachen können. Bislang beschränkt sich die Teuerung für die privaten Verbraucher vor allem auf Energieprodukte sowie auf den Transportsektor. Vor der nächsten Ratssitzung im September kommen indes wichtige Zahlen zu Inflation und BIP-Wachstum sowie Indikatoren zur Lohnentwicklung, worauf Lagarde nachdrücklich hingewiesen hat. Vor dem Hintergrund des aktuellen Wordings erwarten wir weiterhin noch eine zweite Anhebung um 25 Basispunkte im laufenden Jahr.

Aktienmärkte

Mit den Angriffen auf saudische Tanker vor der Küste Jemens ist der Nahostkrieg an die Börsen zurückgekehrt. Die Furcht vor Versorgungsstörungen setzte die Märkte unter Stress. In der Konsequenz könnte auch der Inflationsdruck zunehmen und die Notenbanken zu einer restriktiveren Geldpolitik bewegen. Im Weißen Haus scheint es keinen Plan zu geben, um den Flächenbrand zu löschen. Es werden lediglich die Rüstungsausgaben erhöht und wieder einmal die Zollkeule geschwungen. Zugleich wird die KI-Fantasie, die bislang den Börsenmotor auf Hochtouren gehalten hat, zunehmend hinterfragt. Die gewaltigen Investitionspläne von Alphabet fielen bei den Anlegern durch, und die Kursschwankungen der Top-IT-Werte haben erheblich zugenommen. Aus unserer Sicht überwiegen aktuell die Risiken einer Korrektur am Aktienmarkt die Chancen auf weitere substanzielle Kursgewinne.

Der DAX konnte seit Jahresbeginn nur rund 2 % zulegen. Die Indizes Euro Stoxx 50 (+10 %) und S&P 500 (+13 %) stiegen stärker.

2

%

DAX Performance seit Jahresbeginn

Devisen

Wir sehen den Yen trotz kurzfristig anhaltenden Drucks nach der langen Schwächephase mittelfristig mit Erholungspotenzial. Ausschlaggebend ist aus unserer Sicht die Geldpolitik: Die Bank of Japan hat den Leitzins bereits auf 1,0 % angehoben und dürfte den Zinsnachteil von Yen-Anlagen weiter verringern. Reine Devisenmarktinterventionen halten wir dagegen nur für begrenzt wirksam, solange der Yen durch niedrigere Zinsen im Vergleich zu Euro und US-Dollar belastet bleibt. Mit weiter steigenden Zinsen und höheren Renditen japanischer Staatsanleihen, während wir bei der Fed vorerst keine Zinserhöhung und bei der EZB nur noch begrenzten Spielraum erwarten, sollte der Renditevorteil von Dollar und Euro gegenüber dem Yen abnehmen. Zusätzlich könnten politische und konjunkturelle Unsicherheiten in den USA und im Euroraum japanische Anleger wieder stärker in heimische Anlagen lenken. Gemessen an der Kaufkraftparität ist der Yen gegenüber dem Euro zudem um rund 20 % unterbewertet. Während wir per Ende 2026 noch einen Wechselkurs von 186 JPY je EUR erwarten, sollte der japanische Yen unserer Ansicht nach bis Mitte 2027 auf 182 JPY je EUR aufwerten.

Von: Henning Oligmüller, CIIA Investmentanalyst

Unser großes Bild in Kürze

Vergleichsdiagramm

Konjunktur

  • Deutschland: BIP dürfte 2026 mäßig zulegen. Staatsausgaben stimulieren Nachfrage. Die privaten Investitionen bleiben aber noch zurückhaltend.
  • Anhaltende Inflations- und Konjunkturrisiken durch den Ölpreisanstieg im Kielwasser des Krieges am Persischen Golf.
  • Handelskonflikt mit den USA belastet weiterhin.

Säulendiagramm

Zinsumfeld

  • Fed: Notenbanker halten Leitzins auf absehbare Zeit unverändert. Erhöhung wahrscheinlicher als erneute Senkung.
  • EZB: Schwenk zur geldpolitischen Straffung eingeleitet. Bis Ende 2026 eine weitere Zinserhöhung erwartet, Einlagesatz danach für längere Zeit bei 2,50 %.
  • EUR-Langfristzinsen: Aufwärtsrisiken dominieren angesichts vorhandener Inflationssorgen und der steigenden Verschuldung.

Diagramm Linie

Aktienmärkte

  • Börsen haben das Ende des Irankriegs antizipiert, Anleger setzen auf anhaltenden KI-Boom.
  • Hausse hat das gesamte KI-Ökosystem erfasst, Gefahr der Überspekulation nimmt zu.
  • Steigende Zinsen dürften den Investitionsboom bremsen.

Euro

Devisen

  • Der Renditevorteil von kurz laufenden US-Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen dürfte moderat abnehmen.
  • Erratisches Agieren des US-Präsidenten untergräbt Vertrauen in den US-Dollar.
  • Flucht in den „sicheren Hafen“ dürfte nicht von Dauer sein.

Öl und Gas

Rohstoffe

  • Bloomberg Commodity Index nach Konsolidierung weiter mit Potenzial nach oben.
  • Höhere Energiepreise und wieder steigende Inflationssorgen bremsen bislang Erholung beim Goldpreis.
  • Anhaltender Konflikt zwischen den USA und Iran lässt Ölpreise erneut steigen. Bei Öffnung der Straße von Hormus dürften Ölpreise wieder deutlich nachgeben.

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