15.05.2026
Energiepreisschock treibt US-Inflation
Kapitalmärkte Weekly | Die direkten Folgen des Energiepreisschocks trieben die Headline-Inflation auf 3,8 % (Y/Y). Der höchste Wert seit knapp drei Jahren.
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Konjunktur
Die Konjunkturerwartungen der Finanzmarktprofis in Deutschland haben sich im Mai überraschend aufgehellt. Der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erhobene Index der Konjunkturerwartungen legte nach drei Rückgängen in Folge von minus 17,2 Punkten im Vormonat auf nun minus 10,2 Punkte zu und übertraf damit die Konsensschätzungen der Ökonomen. Gleichzeitig trübte sich jedoch die Einschätzung der aktuellen Lage weiter ein. Der entsprechende Index sank von minus 73,7 auf minus 77,8 Punkte. Trotz der Verbesserung der Konjunkturerwartungen bleibt die gesamtwirtschaftliche Situation in Deutschland angespannt. Beide Indikatoren verharren deutlich im negativen Bereich, und die verschlechterte Lagebeurteilung macht deutlich, dass eine robuste Erholung auf sich warten lässt. Vorschneller Optimismus wäre daher fehl am Platz. Vielmehr stellt der ungelöste Konflikt im Nahen Osten ein erhebliches Abwärtsrisiko für die ohnehin fragile Erholung dar.
Zinsumfeld
Die Hoffnungen auf eine baldige Beilegung des Konflikts zwischen den USA und dem Iran, welche die Kurse vergangene Woche nach oben getrieben hatte, zerschlugen sich einmal mehr. An den großen Staatsanleihemärkten beiderseits des Atlantiks lösten sich vor diesem Hintergrund die Kursgewinne aus der ersten Maiwoche wieder in Luft auf. Die Rendite 10-jähriger US-Treasuries schob sich bis auf gut 4,45 % nach oben und damit dicht an das bisherige (untertägige) Jahreshoch heran. Dreißigjährige US-Staatstitel rentieren wieder knapp oberhalb der 5 %- Marke. Die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen stieß ebenfalls zum wiederholten Mal am Jahreshöchststand knapp oberhalb von 3,10 % an. Die jüngst veröffentlichten US-Makrodaten begünstigten den Kursschwenk. Die direkten Folgen des Energiepreisschocks trieben die Headline-Inflation auf 3,8 % (Y/Y) und damit auf den höchsten Wert seit knapp drei Jahren. Die Kernrate ließ zwar vordergründig mit einem überraschend deutlichen Anstieg aufhorchen. Dieser spiegelt jedoch laut der US-Statistikbehörde die Nachwehen von Datenverzerrungen im Zuge des Shutdowns vom Herbst 2025 wider.
Aktienmärkte
Die Skeptiker haben gute Argumente dafür, dass die Kurse zu hoch sind. Angesichts des Ölpreisschocks zog die Inflation an, und auf Sicht dürfte auch die Konjunktur hierunter leiden. Aber die Optimisten bestimmten den Markt: Dem Irankrieg zum Trotz markierte der S&P 500 jüngst ein neues Allzeithoch. Psychologische Effekte wie „erlernte Sorglosigkeit“ und „fear of missing out“ haben hieran ebenso ihren Anteil wie fundamentale Aspekte: Das dreijährige Gewinnmomentum liegt im S&P 500 derzeit so hoch wie selten. Und das KGV der wichtigsten Indexmitglieder fällt keineswegs exzessiv aus. Das Problem liegt jedoch in den historisch unerreichten Klumpenrisiken. Die nach Kapitalisierung größten US-Unternehmen hängen allesamt an derselben Story. Die gigantischen Investitionen in KI-Infrastruktur ließen die Free Cashflows der Hyperscaler wie ein Stein fallen. Anders als früher sehen die Analysten die Giganten daher nicht mehr unisono positiv.
Seit dem 28. Februar herrscht Krieg am Persischen Golf. Somit dauert der Irankrieg bereits gut 11 Wochen.
Devisen
Der politische Bruch in Bukarest hat den rumänischen Leu auf ein historisches Tief getrieben. Mit dem Austritt der PSD aus der Koalition, der Abwahl der Minderheitsregierung Bolojan und der offen infrage stehenden Reformagenda haben Investoren binnen Tagen zentrale Prämissen revidiert. Der Leu, den die Zentralbank monatelang in einer engen Spanne um 5,10 RON je EUR gehalten hatte, wertete in der Folge auf 5,20 RON je EUR ab, und markierte damit den schwächsten Stand seit Einführung der aktuellen Wechselkursordnung. Diese Bewegung ist weniger Ausdruck einer abrupt verschlechterten Makro-Lage, sondern vielmehr einer sprunghaft gestiegenen politischen Risikoprämie. Die Unsicherheit über die Auszahlung von rund acht Milliarden Euro an EU‑Mitteln und der mögliche Verlust des Investment‑Grade‑Ratings verschärfte dies zudem. Vor diesem Hintergrund erwarten wir zum Jahresende 2026 einen Wechselkurs von 5,25 RON je EUR. Wir halten es dennoch für wahrscheinlich, dass sich nach der Krise erneut eine pro‑europäische Regierung formiert und die wichtigsten Auflagen gegenüber Brüssel – wenn auch verspätet – erfüllt werden. Angesichts der fragilen Haushaltslage und des erst frisch getesteten historischen Tiefs bleiben die Risiken allerdings klar auf der Abwertungsseite.
Von: Henning Oligmüller, CIIA Investmentanalyst
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