30.04.2026

Die Fed hält erneut die Füße still

Kapitalmärkte Weekly | Die US-Notenbank hat am Mittwoch zum dritten Mal in Folge die Füße stillgehalten.

Fed Gebäude USA Washington Dollar
Fed Gebäude USA Washington Dollar

Immer aktuell informiert: Kapitalmärkte Weekly

Konjunktur

Die Stimmung unter den Unternehmen in Deutschland ist im April weiter deutlich gesunken. Das ifo-Geschäftsklima kam um 1,9 Punkte zurück und erreichte mit einem Stand von 84,4 Zählern das niedrigste Niveau seit Mai 2020. Diesmal verschlechterten sich nicht nur die Erwartungen, sondern auch die Lageeinschätzung deutlich. Zudem wiesen alle Wirtschaftsbereiche Rückgänge des Indikators auf, und zwar sowohl im Lageindex als auch bei den Erwartungen. Lediglich im verarbeitenden Gewerbe wurde die aktuelle Lage etwas besser beurteilt, während die Erwartungen deutlich pessimistischer ausfielen. Insgesamt hinterlassen der Anstieg der Energiepreise und die Sorge um die Stabilität der Lieferketten ihre Spuren in der Konjunktur. Da sich zudem auch nach fast zwei Monaten keine Öffnung der Straße von Hormus abzeichnet, muss man davon ausgehen, dass trotz der bereits reihum gesenkten Prognosen für die deutsche Konjunktur weiterhin die Abwärtsrisiken dominieren.

Zinsumfeld

Die US-Notenbank hat am Mittwoch zum dritten Mal in Folge die Füße stillgehalten. Das Spannungsfeld zwischen der robusten US-Konjunktur und den wachsenden Aufwärtsrisiken für die Inflation verstärkt sich jedoch zusehends. Hinzu kommt der Konflikt mit dem Weißen Haus, dem sich der designierte Notenbankchef Kevin Warsh bald stellen muss. Wir rechnen damit, dass die Fed ihren Leitzins im laufenden Jahr gar nicht mehr antastet. Im Euroraum haben die renten-negativen Impulse vom Ölmarkt dafür gesorgt, dass die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen im Vorfeld der heutigen EZB-Sitzung dicht an ihr mehrjähriges Hoch vom März 2026 herangerückt ist. Es galt bis zuletzt als sehr unwahrscheinlich, dass die Euro-Währungshüter ihre Geldpolitik bereits Ende April straffen. Mit jeder Woche, in der die Blockade der Straße von Hormus fortdauert, wird es indes wahrscheinlicher, dass die EZB auf ihrer Juni-Sitzung nicht mehr umhinkommen wird, ihre Leitzinsen erstmals seit Herbst 2023 wieder anzuheben. Positiv ist zumindest, dass sich die Inflation im Euroraum im April nach den bisher vorliegenden Daten aus einzelnen EWU-Staaten nur moderat weiter nach oben geschraubt hat.

Aktienmärkte

Weder mit Drohungen noch mit Gesprächssignalen Richtung Teheran ist das Weiße Haus einem Ausweg aus dem von ihm angezettelten Irankrieges nähergekommen. Die Ölpreise steigen unterdessen weiter, der Inflationsdruck nimmt entsprechend zu. In den Zahlen der laufenden Berichtssaison spiegelt sich der Krieg nur bedingt wider, die Ausblicke der Konzerne werden aber unter den Vorbehalt einer zeitnahen Lösung des Konfliktes gestellt. Getrieben vom KI-Boom hat sich die US-Börse bislang deutlich robuster als Europas Märkte gezeigt. Die nun vorgelegten Quartalsberichte von vier der großen KI-Protagonisten erzeugten nun ein recht gemischtes Echo. Im Juni soll zudem mit SpaceX der erste Mega-Börsengang erfolgen. Im weiteren Jahresverlauf stehen dann noch die IPOs von Anthropic und OpenAI an. Dieses massive Angebot kann der Aktienmarkt nur bei einer anhaltend guten Stimmung absorbieren.

75 Mrd. USD stehen als Platzierungsvolumen für SpaceX im Raum. Der Börsengang von Elon Musks Geschöpf soll im Juni erfolgen.

75 Mrd.

US-Dollar

Rohstoffe

Am Dienstag gaben die Vereinigten Arabischen Emirate ihren Austritt aus OPEC und OPEC+ bekannt. Für die ohnehin schon angespannten Rohstoffmärkte ist dies nun eine weitere Unsicherheitskomponente. Die Entscheidung erfolgte ohne vorherige Konsultation mit anderen Ländern wie Saudi-Arabien und verstärkte den Eindruck, dass die traditionelle Förderkoalition an Zusammenhalt verliert. Parallel dazu bleibt der Krieg zwischen den USA und dem Iran in einer gefährlichen Pattsituation gefangen: Die Schifffahrt durch die Straße von Hormus ist weiterhin eingeschränkt, das zentrale Nadelöhr des Ölhandels bleibt ein wesentlicher Risikofaktor für die Versorgungssicherheit. Die Risikoprämie für anhaltende Angebotsstörungen ist nach wie vor hoch. Ein Barrel der Sorte Brent wurde im Laufe der Handelswoche oberhalb von 110 USDollar gehandelt. Hinzu kommen die Warnungen aus der Luftfahrtbranche vor möglichen Kerosinengpässen, die derzeit im Zuge der sich nähernden Sommersaison die Stimmung der Verbraucher schmälern. Der Chef der International Air Transport Association warnte jüngst vor einer Knappheit an Treibstoff in der Hochsaison diesen Sommer. Im Gegensatz zur Corona-Krise dürften Flugreisen nicht weniger nachgefragt werden, wodurch sich die Situation verschärft.

Von: Henning Oligmüller, CIIA Investmentanalyst

Unser großes Bild in Kürze

Vergleichsdiagramm

Konjunktur

  • Deutschland: BIP dürfte 2026 moderat zulegen. Staatsausgaben stimulieren Nachfrage. Vor allem Investitionen dürften profitieren.
  • Hohe Inflations- und Konjunkturrisken durch Ölpreisanstieg im Kielwasser des Kriegs am Persischen Golf. Handelskonflikt mit USA belastet weiterhin.

Säulendiagramm

Zinsumfeld

  • Fed: Notenbanker setzen geldpolitischen Lockerungskurs bis mindestens Ende 2026 aus. Eine Zinssenkung im ersten Halbjahr 2027.
  • EZB: Schwenk zur geldpolitischen Straffung rückt näher. Zwei Zinsanhebungsschritte bis Ende 2026 erwartet. Einlagesatz dann auf absehbare Zeit bei 2,50 %.
  • EUR-Langfristzinsen: Aufwärtsrisiken dominieren angesichts wachsender Inflationssorgen.

Diagramm Linie

Aktienmärkte

  • Irankrieg belastet Lieferketten, treibt die Kosten und schwebt drohend über den Ausblicken.
  • Investitionspakete und Konjunkturhoffnungen werden in Europa durch Zinsängste konterkariert.
  • KI-Fantasie dürfte langsam der Furcht vor Überinvestitionen weichen.

Euro

Devisen

  • Der Renditevorteil von kurz laufenden US-Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen dürfte abnehmen.
  • Erratisches Agieren des US-Präsidenten untergräbt Vertrauen in den US-Dollar.
  • Flucht in den „sicheren Hafen“ US-Dollar dürfte nicht von Dauer sein.

Öl und Gas

Rohstoffe

  • Rohstoffe mit starkem Preisanstieg. Bloomberg Commodity Index erreicht neues Allzeithoch.
  • Angebotsrisiken bei Basismetallen stützen Preistrend. Aufwärtstrend bei Gold kommt durch Nahostkrieg ins Stocken.
  • Irankrieg führt zu Ölhausse. Deutliches Korrekturpotenzial, wenn die Straße von Hormus wieder vollständig passierbar ist.

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