21.07.2026
Inflationssorgen kehren zurück
Kapitalmärkte Daily | Die jüngste Eskalation der Kämpfe im Nahen Osten hat die europäischen Börsen zum Wochenauftakt spürbar gelähmt.
Immer aktuell informiert: Kapitalmärkte Daily
- Zinsanstieg bremst Aktienmärkte aus
- Erzeugerpreise verlieren an Dynamik
- ZEW-Index im Aufwind
Inflationssorgen ebben noch nicht ab
Die jüngste Eskalation der Kämpfe im Nahen Osten hat die europäischen Börsen zum Wochenauftakt spürbar gelähmt. Hinter der Zurückhaltung der Anleger steht eine klassische Kausalkette der Krisenökonomie: Weil der eskalierende Konflikt mit dem Iran die Ölpreise bereits in der Vorwoche um mehr als 15 % nach oben getrieben hatte, flammen am Markt nun neue Inflationsängste auf. Diese Teuerungssorgen spiegelten sich umgehend am Rentenmarkt wider, wo die Rendite der richtungsweisenden 10-jährigen US-Staatsanleihen deutlich von 4,54 % am Freitag auf rund 4,6 % kletterte. Der Zinsanstieg entzog den Aktienmärkten letztlich die Dynamik und drückte die großen US-Indizes gestern in die Verlustzone. Auch in Europa blieb die Stimmung gedämpft. Nachdem Vermittler dem Iran offenbar einen zehntägigen Waffenstillstand vorgeschlagen haben, sorgt die Aussicht auf eine Entspannung heute Morgen für Rückenwind an den asiatischen Aktienmärkten.
Erzeugerpreise verlieren an Dynamik
Der Preisauftrieb in der deutschen Industrie hat im Juni spürbar an Tempo verloren. Die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte lagen nur noch 1,8 % über dem Vorjahreswert, nach 2,2 % im Mai. Gegenüber dem Vormonat sanken sie um 0,3 %, wie Destatis gestern mitteilte. Der zuvor kräftige Anstieg war vor allem durch höhere Ölpreise infolge des Iran-Kriegs getrieben. Zwar verteuerten sich Mineralölerzeugnisse wegen der Spannungen im Nahen Osten eiter deutlich, doch günstigere Preise für Erdgas, Strom und Fernwärme bremsten den Gesamtindex. Weil Erzeugerpreise früh anzeigen, was später bei Verbrauchern ankommen kann, ist das ein vorsichtiges Entspannungssignal. Auch die Verbraucherpreise in Deutschland stiegen zuletzt langsamer. Für die EZB ergibt sich dennoch kein klares Entwarnungsbild, denn die Energiekomponente bleibt anfällig für geopolitische Schocks. Mit einer Inflationsrate von zuletzt 2,8 % verfehlte sie jüngst ihre Zielmarke von 2,0 % deutlich.
Firmen sehen hartnäckige Inflation
Entscheidend ist nun, ob die Entspannung die Erwartungen der Unternehmen hinsichtlich der Inflation beeinflusst oder ob sie weiter mit hartnäckiger Inflation rechnen. Laut SAFE-Umfrage der EZB erwarten mehr als 5.000 Firmen im Euroraum weiterhin eine Teuerungsrate von 3,0 %, sowohl für die kommenden zwölf Monate als auch für den Dreijahreshorizont. Damit bleiben die Erwartungen stabil, aber deutlich über dem Zielwert der EZB. Auch langfristig dominiert Vorsicht: 65 % der Befragten sehen auf fünf Jahre eher Aufwärtsrisiken. Für den EZB-Rat ist das ein Warnsignal vor der Sitzung am Donnerstag. Zwar spricht die jüngste Abschwächung der Erzeugerpreise gegen sofortigen Aktionismus, doch der Nahost-Konflikt hält Energie- und Lieferkettenrisiken hoch. Viele Firmen suchen deshalb alternative Lieferanten, investieren in Energieeffizienz oder erhöhen Lagerbestände, wie die EZB-Befragung zeigt. Andere passen Versicherungen und Handelsfinanzierungen an, während nur wenige Exportaktivitäten zurückfahren. Die Botschaft ist eindeutig: Solange Unternehmen neue Kostenschübe einpreisen, bleibt die Inflation zäh. Die EZB dürfte Geduld mit Glaubwürdigkeit verbinden und den September als möglichen Zeitpunkt weiterer Zinsschritte im Blick behalten. An diesem Donnerstag dürfte sie ihren Leitzins hingegen nicht antasten.
Hoffnungsschimmer für die Wirtschaft
Trotz der jüngsten Ereignisse blicken die Finanzmarktexperten zunehmend zuversichtlich auf die deutsche Konjunktur. Heute könnte die Entwicklung des ZEW-Barometers für den Juli diesen Trend verdeutlichen. Nach einem Stimmungsplus im Juni, das vor allem von ersten Entspannungssignalen in der Krisenregion getragen wurde, dürfte der Index nun weiter von 10,5 auf 17,5 Punkte klettern. Flankiert wird diese geopolitische Atempause von robusten Fundamentaldaten aus der Heimat. Zuletzt lieferten sowohl die anziehenden Industrieaufträge als auch die wieder erstarkten Exporte handfeste Belege dafür, dass sich die deutsche Wirtschaft auf einem vorsichtigen Erholungskurs befindet.
Von: Andreas da Graca, Investmentanalyst
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